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BERATUNGSPRAXIS

Entzündete Lidränder

Fehlfunktion der Augendrüsen


Von Annette Immel-Sehr / Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie so etwas besitzen: Meibom-Drüsen, Moll-Drüsen und Zeis’sche Drüsen. Diese winzigen Organe an den Augenlidern fallen meist erst auf, wenn sie nicht mehr richtig funktionieren oder sich entzünden. Dies schafft medizinische und kosmetische Probleme.

 

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Die kleinen Drüsen auf und im Augenlid haben verschiedene Funktionen. Die Meibom-Drüsen auf dem Innenrand des Lidrands produzieren ein Sekret, das als Lipid-Komponente der Tränenflüssigkeit fungiert. Der natürliche Tränenfilm besteht aus Lipiden, Wasser und Glykoproteinen (Mucin). Die Lipidschicht schützt den Tränenfilm vor Verdunstung. Bei einer Funktionsstörung der Meibom-Drüsen ist die Lipidschicht nicht stabil, so dass sich »trockene Augen« entwickeln können. Die Moll-Drüsen produzieren antimikrobielle Peptide und dienen vermutlich der Immunabwehr der Augenoberfläche. Als Zeis’sche Drüsen bezeichnen Anatomen die Talgdrüsen in Lederhaut und Augenlidern.




Starke Schmerzen sind ein Fall für den Augenarzt.

Foto: Fotolia/M.Doerr & M.Frommherz GbR


Streptokokken und Staphylokokken können eine akute Entzündung einer dieser Liddrüsen hervorrufen. Dann bildet sich eine Eiteransammlung am Lid, ein sogenanntes Gerstenkorn. Augenärzte bezeichnen es auch als Hordeolum. Manchmal schwillt zusätzlich die Bindehaut an und rötet sich. Ein Gerstenkorn heilt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen von selbst. Das heißt, es platzt und der Eiter fließt ab, oder das Gerstenkorn schrumpft ein. Wenn der kleine Abszess jedoch sehr schmerzt, sollte der Patient nicht zögern, sondern den Augenarzt aufsuchen. Das gilt genauso, wenn Komplikationen auftreten und sich die Entzündung auf das gesamte Auge ausbreitet. Ansonsten ist der Augenarzt-Besuch nur erforderlich, wenn das Gerstenkorn nicht innerhalb von zwei Tagen platzt und eintrocknet. Denn in sehr seltenen Fällen verbirgt sich hinter einem Geschwulst ein Tumor.

Keinesfalls darf der Betroffene versuchen, das Gerstenkorn selbst auszudrücken. Denn dann können Staphylokokken in die Blutbahn gelangen und weitere Entzündungen auslösen, etwa an der Hirnhaut. Um die Heilung zu beschleunigen, können Betroffene warme Kompressen auflegen oder das Auge mit einer Rotlichtlampe bestrahlen. Bei großen und schmerzhaften ­Exemplaren verordnet der Augenarzt meist zusätzlich eine Augensalbe mit dem Antibiotikum Gentamicin.

Gerstenkörner treten bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Akne häufiger auf. Auch Verunreinigungen durch Make-up-Rückstände oder Kontaktlinsen erhöhen das Gerstenkorn-Risiko.

Abzugrenzen vom Gerstenkorn ist das sogenannte Hagelkorn (Chalazion). Es entsteht auf Grundlage einer verstopften Meibom-Drüse am Lidrand und zeigt sich in Form eines festen Knotens. Eine bakterielle Infektion liegt hier nicht vor. Hagelkörner bereiten normalerweise keine Beschwerden, außer dass sie zu Rötung und Schwellung im umliegenden Gewebe führen können. Der Knoten bildet sich in der Regel innerhalb von mehreren Wochen von selbst zurück. Dies lässt sich durch feuchte Wärme in Form von Kompressen beschleunigen. Dieses einfache Verfahren öffnet die verstopften Ausgänge der Meibom-Drüsen. Nach etwa zehn Minuten kann man das Drüsensekret durch leichte Massage des Ober- und Unterlids in Richtung Lidspalte ausstreichen. Anschließend werden die Lidränder gereinigt.

Wärmebrillen

Zur Behandlung verstopfter Meibom­-Drüsen eignen sich auch sogenan­nte Wärmebrillen, in die aufgewärmte feuchte Ringe eingelegt werden, und Wärme-Gel-Masken, die zuvor in der Mikrowelle oder im Wasserbad erwärmt werden können. Durch das feuchtwarme Klima lösen sich auch die Verkrustungen am Lidrand. Menschen, die zu Hagelkörnern neigen, sollten diese Art der Lidrandpflege täglich durchführen. Für die Selbstmedikation gibt es eine Bibrocathol-haltige Augensalbe. Das Antiseptikum wird bei nicht erregerbedingten Reizzuständen des äußeren Auges und zur Behandlung einer chronischen Lidrandentzündung eingesetzt. Der täglichen Lidrandpflege und um Beschwerden vorzubeugen, dient ein Präparat mit Soja-Lecithin, das Ablagerungen ablösen soll (BlephaCura®). Hartnäckige Hagelkörner, die kosmetisch stören, kann der Augenarzt operativ entfernen.

Tägliche Pflege nötig

Als Blepharitis bezeichnen Augenärzte eine Entzündung im Bereich der Augenlider. Sie kann die Lidhaut betreffen und sich am Lidwinkel manifestieren. Mögliche Ursachen: Bakterien oder Viren, eine Übersekretion der Liddrüsen, Hauterkrankungen wie Seborrhoische Dermatitis, Neurodermitis, Akne oder Rosazea, trockene Luft, Staub, Rauch oder eine Allergie. Auch eine Entzündung oder Dysfunktion der Meibom-Drüsen kommt als Ursache in Frage. In vielen Fällen betrifft die Blepharitis beide Augen und kehrt wieder.

Charakteristisch äußert sie sich in mit gelblich-talgigen Schuppen, verklebten Lidern, was sich besonders nach dem Schlafen zeigt. Der Lidrand ist rot und geschwollen. Einzelne Wimpern können sich verdrehen und auf der Augen­oberfläche scheuern oder ausfallen. Brennen und Tränen der Augen, Fremdkörpergefühl, erhöhte Lichtempfindlichkeit und getrübte Sicht sind weitere Symptome. Eine Allergie als Ursache einer Blepharitis tritt häufig als über das gesamte Lid ausgedehnte, juckende Schwellung auf.

Eine effektive Behandlung der ­Blepharitis beruht in aller Regel auf zwei Säulen: der medikamentösen Behandlung und der beständigen, ­intensiven Pflege des Lidrandes. Je nach Krankheitsursache verordnet der Augenarzt Antibiotika, Virustatika oder Cortison. Zusätzlich können Tränen­ersatzmittel Linderung ver­schaffen. Die Anwendung der Augen­tropfen oder -salben sollte erst im Anschluss an die Lidrand­reinigung erfolgen. Sie dient der Keimzahlreduktion.

Um die Schuppen und Verklebungen vorsichtig zu lösen, eignen sich mit lauwarmem Wasser, Paraffinöl oder Olivenöl getränkte Wattepads. Dabei sollte für jedes Auge ein frisches Pad verwendet werden. Auch Wärme in Form von Kompressen, Wärmebrille oder Rotlichtbestrahlung gehört zur Behandlung. Um das verflüssigte ­Sekret auszustreichen, können Wattestäbchen verwendet werden – auch hier für jedes Auge ein frisches. Je nach Schwere der Entzündung sollte diese Prozedur bis zu dreimal täglich durchgeführt werden. Die Patienten brauchen Geduld, denn es kann drei bis vier Wochen dauern, bis eine deutliche Besserung eintritt. Wenn eitrige Schwellungen gar nicht verschwinden, ist manchmal ein chirurgischer Eingriff erforderlich.




Winzig und lästig: Die Filzlaus nistet sich auch in den Wimpern ein.

Foto: Shutterstock/Linest


Filzlaus nicht vergessen

Die Blepharitis ist oft eine langwierige Erkrankung. Wenn sie durch eine Fehlfunktion der Meibom-Drüsen verursacht wird, ist dies meist genetisch ­bedingt und nicht heilbar. Bei manchen Betroffenen bleibt eine Blepharitis ­daher mehr oder weniger ausgeprägt dauerhaft bestehen. In diesen Fällen ist die gewissenhafte Pflege der Lidränder umso wichtiger. Sie sollte ein- bis zweimal täglich erfolgen und zu einem ­alltäglichen Ritual werden, das wie das Zähneputzen selbstverständlich dazugehört. Betroffene sollten in der Krankheitsphase auf Augenkosmetika und Kontaktlinsen verzichten.

Auch Insektenstiche sowie Filzläuse können eine Lidrandentzündung verursachen. Wesentlich kleiner als Kopf­läuse, halten sich Filzläuse nur an Körperstellen mit lichter Behaarung auf, vor allem auf der Schambehaarung, den Augenbrauen und Wimpern. Durch den Stich entstehen Juckreiz und kleine graublaue Flecken und Pusteln. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2018

 

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