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BERATUNGSPRAXIS

Juckreiz bei Altershaut

Gestörter Schutzmantel


Von Elke Wolf / Es gibt viele Gründe, warum Juckreiz die Haut zum Knistern bringt. Einer der häufigsten ist schlicht und einfach eine falsche Hautpflege. Vor allem reife Haut neigt zu Trockenheit. Und dann muss eine geeignete Pflege die Substanzen ersetzen, die die Hautoberfläche im Laufe der Zeit verloren hat. Ist die Haut wieder im Gleichgewicht, hört sie auf zu jucken.

 

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Eine der häufigsten Ursachen für Juckreiz ist die Trockenheit der Haut im Alter­, schreiben namhafte Experten im 2018 veröffentlichten Positionspapier zur Diagnostik und Therapie der Xerosis cutis, der trockenen Haut. Altershaut, freundlicher als anspruchsvolle oder reife Haut bezeichnet, ist insgesamt dünner, rissiger und verletzlicher, denn tief in der Haut, im Bindegewebe, bauen sich elastische und kollagene Fasern­ ab. Immer weniger Wasser kann dort gehalten werden. Die Haut verliert an Spannung und Elastizität. Mit zunehmendem Alter sondern die Talgdrüsen weniger Hauttalg ab, die Schweißdrüsen weniger Schweiß. Dadurch wird der schützende Hydrolipidmantel der Haut dünner, reißt stellenweise auf und überzieht die Hautoberfläche nicht mehr flächendeckend. Die Haut schuppt.

Gesteigerter Wasserverlust

Auch die Zusammensetzung der Kittsubstanzen zwischen den toten Hornzellen der Epidermis verändert sich mit zunehmendem Alter. Dieses verbindend wirkende lamellare Lipidgemisch aus Ceramiden, Cholesterol und freien Fettsäuren bewahrt die Haut vor allem davor, dass aus tieferen Hautschichten Wasser verdunstet. Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Kittsubstanz der Altershaut deutlich abnimmt. Ebenso lässt die Produktion der natürlichen Feuchthaltefaktoren nach, die normalerweise Feuchtigkeit in der Hornschicht zurückhalten. Letztlich ist der transepidermale Wasserverlust bei älteren Menschen deutlich höher als bei jungen. Die Haut trocknet aus.




Foto: Shutterstock/Milan Ilic Photographer


Bekommt die Haut in dieser Phase keine Streicheleinheiten, die sie nähren und ihr zurückgeben, was ihr nach und nach abhandengekommen ist, verläuft der Alterungsprozess noch schneller. Auch die Wahrscheinlichkeit für Juckreiz nimmt zu. Deshalb ist die Hauptaufgabe des Pflegeprogramms die Wiederherstellung des Hydrolipidfilms der Hautoberfläche und der gestörten Barriere. Grundsätzlich kann eine effektiv rückfeuchtende und rück­fettende Pflege auch den Juckreiz lindern­, heißt es im Positionspapier.

Dafür eignen sich Zubereitungen auf W/O-, aber auch auf O/W-Basis mit erhöhter Lipidphase. Als Lipidkomponente können Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, also etwa Linol- und Linolensäure oder Nachtkerzen­samenöl, außerdem Jojobaöl, Macadamianussöl, Sheabutter, Triglyceride oder Phospholipide und Ceramide zum Einsatz kommen.

Hilfe mit Harnstoff

Unter den Feuchthaltefaktoren ist Harnstoff der effektivste und verträglichste Wirkstoff zur Beseitigung von Trockenheit, Spannung, Juckreiz und Schuppung. Üblich sind Konzentrationen von 2 bis 20 Prozent. Produktlinien wie Excipial® U Lipolotio, Physiogel® Calming Relief A. I. Lipidbalsam, Alcina von Dr. Wolff, Bepanthen® Sensiderm, Nutritic Intense oder Hydranorme von La Roche Posay enthalten meist unterschiedlich hoch konzentrierte Urea-Zube­reitungen. Ist die Haut sehr em­pfindlich oder zeigt sie bereits geschädigte Stellen, empfiehlt es sich, die Konzentration von 5 Prozent nicht zu überschreiten, um ein Brennen zu vermeiden. Ein Tipp: Besonders trockene Stellen wie die Schienbeine oder Ellenbogen sollten mit Hautpflegeölen behan­delt werden.



Reicht dies nicht aus, empfehlen die Exper­ten des Positionspapiers, zusätzlich Zubereitungen mit juckreizlindernden Inhaltsstoffen zu verwenden, allen voran das lokalanästhesierend wirkende Polidocanol in therapeutischen Konzentrationen von 3 bis 10 Prozent (wie Anaethesulf® Lotio). Als weitere Option nennt das Positionspapier Inhalts­stoffe, die den Kälterezeptor TRPM8 aktivieren und über eine Reizweiter­leitung das Juckreizsignal überlagern, besser bekannt unter der Bezeichnung Menthol und seinem Derivat Menthoxypropandiol (MPD).




Ein Blick unter das Raster­elektronen­mikroskop zeigt: Bei gepflegter Haut ist der Hydrolipidfilm auf der Haut­oberfläche intakt. Trockene Haut wirkt dagegen schuppig und rau.

Foto: Science Photo Library/ Dr. Fahrenbach/ Dr. Hossler (unten)


Beide besitzen eine kühlende Wirkung und lindern den Juckreiz. Manche Präparate enthalten auch eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen (wie Optiderm® Lotio, Dermasence­ Polaneth Lotio, Lactel No 21 Urea + Polidocanol). Auch Zubereitungen mit Licochalcone A, ein hautberuhigender Extrakt aus Süßholz (wie Eucerin® AtopiControl), und Hamamelisextrakt (wie Hametum®) können zur Hautberuhigung beitragen.

Wenn Juckreiz am ganzen Körper auftritt, bietet eine kurze, kalte Dusche die Gelegenheit, der Hautsymptomatik zu entkommen. Feuchte Umschläge eignen sich, wenn Juckreiz regional begrenzt die Haut erregt. Dazu werden Baumwolltücher in kaltes oder höchstens lauwarmes Wasser von 32 bis 35 °C gelegt, eventuell mit schwarzem Tee oder Badezusätzen aus synthetischen Gerbstoffen (wie Tannolact® 40 Badezusatz, Tannosynt® flüssig) getränkt. Zusätze mit Kamille, Teebaumöl oder Ethacridinlactat sind zu meiden, da sie potenziell allergisierende oder irritierende Substanzen enthalten.

Bei akutem Juckreiz

Im Akutfall eignen sich auch topische Glucocorticoide als Juckreizhemmer. Für die Selbstmedikation sind Hydrocortison- und Hydrocortisonacetat-haltige Zubereitungen in einer Konzentration bis 0,5 Prozent erhältlich. Die Anwendungsdauer sollte bei der 0,25-prozentigen Zubereitung vier Wochen, bei der höher konzentrierten zwei Wochen nicht überschreiten. Die Behandlungsfläche sollte nicht mehr als ein Zehntel der Körper­oberfläche betragen.

Auch der Grundlage kommt eine entscheidende Rolle zu. Sie ist dem Hautzustand und der Lokalisierung des Hautproblems anzupassen. Sprays (wie Ebenol® 0,5% Spray) kühlen die Haut am besten, lassen sich berührungsfrei und auf stark behaarter Haut verteilen, eignen sich für stark juckende, normale­ bis fettige Haut. Cremes (wie Soventol® HydroCort 0,5 %, FeniHydrocort® Creme 0,5 %) eignen sich gut für mäßig trockene Haut, zum Beispiel beim atopischen Ekzem. Noch fettender sind Salben, die deshalb bei sehr trockenen Dermatosen zum Einsatz kommen. In Körper­falten und bei nässenden Haut­beschwerden sind sie jedoch nicht die richtige Wahl.

Tritt der Juckreiz generalisiert auf, dann bieten sich systemische H1-Antihistaminika wie Cetirizin (wie Zyrtec®) und Loratadin (Lorano®) an. Die gleichzeitig müde machende Neben­wirkung älterer Vertreter der H1-Antihistami­nika wie Dimetinden (Fenistil®) oder Clemastin (wie Tavegil®) kommt Juckreiz-Geplagten nachts zugute.

Pflegeritual

Körperpflege fängt mit der richtigen Körperreinigung an. Und die sollte besonders bei trockener Altershaut sehr hautschonend sein. Am besten eignen sich Präparate mit hautfreundlichen Tensiden oder Duschbäder mit Rückfettern (Cremeduschen) oder Duschöle. Letztere enthalten hohe Konzen­trationen an Ölen wie Sojaöl, Erdnussöl oder Lecithin und nur geringe Mengen an hautfreundlichen Tensiden.




Foto: iStock/shapecharge


Bei trockener Haut ist Duschen günstiger als Baden. Wird dennoch ein Vollbad gewünscht, sollte es nicht zu lange und mit lauwarmem Wasser erfolgen. Geeignete Zusätze sind rückfettende Bäder oder medizinische Ölbäder. Letztere werden von der Haut leicht aufgenommen und ersetzen gut die fehlenden Lipide der Horn-Fett-Barriere, da die enthaltenen Öle eine ähnliche Struktur wie die körpereigenen Fette haben. Gleichzeitig bremsen medizinische Ölbäder den Feuchtigkeitsverlust der Hornschicht. Die Rückfettung sorgt für ein entspannendes Gefühl, juckende Haut beruhigt sich. Das Bad in der Wanne ist zur Pflege gedacht, nicht zur Reinigung. Deshalb: Zuerst­ unter die Dusche, dann in die Wanne.

Die Technologen unterscheiden zwischen spreitenden Badezusätzen ohne oder mit sehr wenigen Tensiden (zum Beispiel Balmandol®) und emulgierenden Zusätzen mit Tensi­den. Letztere­ enthalten beispielsweise Soja- oder Erdnuss­öl (zum Beispiel Balneum-Hermal, Ölbad Cordes), Paraffinum­ liquidum (zum Beispiel Linola-Fett Ölbad) oder Mandelöl (zum Beispiel Excipial® Mandelölbad). Spreitende Zusätze­ bilden­ auf der Wasserober­fläche einen dünnen Film, der sich beim Verlassen der Wanne wie ein Netz über die Haut zieht. Sie hydratisieren die Haut nachhaltig und wirken rückfettend; damit haben­ sie den größten Pflegeeffekt. Deshalb­ sind Ölbäder ohne Emulgatoren für therapeutische Zwecke zu bevorzugen.

Sofort nach dem Baden oder Duschen ist die Haut zu pflegen­. Bei trockener Haut ist es günstig, das Pflegepräparat auf die noch leicht feuchte Haut aufzutragen, am besten zweimal täglich. Leichte, luftige Kleidung vermindert den Wärmestau auf der Haut und damit Juckreiz verstärkendes Schwitzen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 18/2018

 

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