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Sport

Endlich der Richtige!


Von Narimaan Nikbakht / Fitnessstudio oder Joggen, Volleyball oder Kampfsport? Manchmal dauert es, bis wir uns an einen Sport binden. Ist das Herz aber vergeben, dann ist die Sache mit der Motivation kein Problem mehr. Hier erzählen vier Frauen, wie sie ihre Sportart fürs Leben gefunden haben.

 

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Illustrationen: ne2pi



Welche Sportart für wen?



Ulrike Meier, 40, Marktforscherin:

»Beim Badminton kann ich mich richtig auspowern. Schon als Jugendliche habe ich Federball gespielt. Als Erwachsene habe ich dann verschiedene Sportarten probiert, fand aber alles langweilig. Beim Yoga hat mich das ›Om‹ abgeschreckt, beim Schwimmen kam ich kaum vorwärts, und auch Joggen­ war nichts für mich. Was also tun? Ich suchte einen Ausgleich für meinen fordernden Beruf.

Zum Glück gibt es auch im Badminton – der sportlichen Variante des Feder­balls – Trainingsgruppen für Erwachsene. So ging ich zurück zu meinen­ sportlichen Wurzeln. Badminton ist laufintensiv und hilft beim Auspowern. Zweimal in der Woche trainiere­ ich Reaktionsvermögen, Schnellig­keit und Ausdauer. Bei Bedarf kann ich auch mal den Ärger des Tages mit einem Schmetterball raushauen. Schön ist der abwechslungsreiche und unterhaltsame Charakter dieses Sports: Jüngere spielen mit Älteren, Frauen mit Männern – langweilig wird es nie.«

Info: Ulrike trainiert im VfL 93 in Hamburg. Deutschlandweit gibt es neben Vereinen auch viele Badminton-Center.



Franziska Küchler, 39, Einkaufsassistentin:

»Seit fünf Jahren gehe ich regelmäßig zum Indoor-Beachvolleyball, mit meinen drei Freundinnen im Schlepptau. Wir haben einen Sport gefunden, der uns in Urlaubsstimmung versetzt. Und wir trainieren dabei spielerisch unsere Körper. Wenn es regnet oder stürmt, öffne ich die Tür zur Halle – und was ich sehe, lässt mein Herz höher schlagen: Strand und Palmen. Das ist kein Traum, aus dem ich gleich erwache, denn der weiße Sand ist echt. Die Sommertemperaturen auch. Nur die Palmen, die sind auf die Wände gemalt. Auf sieben Feldern stehen Volleyball-Netze. Schnell Top und Shorts überwerfen und barfuß das Feld betreten. Wir spielen zwei gegen zwei, pritschen den Ball hin und her und zehn Minuten später fließt der Schweiß. Trotz Hechtsprüngen ist die Verletzungsgefahr gering. Der Sand dämpft alle Sprünge ab, was Knie, Hüften und Lendenwirbel schont. Nach zwei Stunden legen wir uns auf unsere Handtücher im Sand. Die Muskeln entspannen sich, und ich bin erfüllt von einem positiven Lebensgefühl.«

Info: Franziska besucht die Indooranlage von Beach Berlin,

www.beachberlin.de. Bundesweite Indoor-Beachanlagen finden Sie unter: www.beach-volleyball.de.



Vanessa Petersen, 26, Zahnmedizinische Fachangestellte:

»Da ich klein bin, ist nicht jeder Sport für mich geeignet. Beim Bowling ist meine Größe von 1,54 m kein Problem. Davor hatte ich schon viel ausprobiert: Volleyball und Leichtathletik sind nichts für mich. Dann habe ich es mit Segeln versucht, aber hier in Hamburg weht ein zu rauer Wind für mich. Schwimmen ist schwierig, weil ich Neurodermitis habe. Als eine Freundin mich dann fragte, ob ich Lust hätte, mit zum Bowling-Training zu kommen, sagte ich zu. Bis dahin dachte ich, das sei nur etwas für Weihnachtsfeiern. Als ich aber mit der Mädels-Truppe trainierte, ging es richtig los. Zweimal pro Woche bowle ich seitdem im Verein. Das Faszinie­rende? Es ist ein Sport, der viel Technik, Konzentration, Körperbeherrschung und Kraft fordert und trotzdem mit Spaß und Gesellschaft verbunden ist.«

Info: Vanessa bowlt im Juventas Crew Alpha Verein in Potsdam. Bowling wird von vielen Vereinen angeboten. Infos: www.dbv-bowling.de. Bowlingcenter in der Nähe finden Interessierte unter www.bowlingradar.de.



Andrea Pflaum, 48, Ernährungsberaterin:

»Nach einer Krise – ich hatte mich von meinem Mann getrennt und musste mich allein um unsere drei Kinder kümmern – suchte ich nach etwas, das mich stärkt und zurück ins Gleichgewicht bringt. Als ich hörte, dass Capoeira in vielen Vereinen angeboten wird, ging ich zu einer Probestunde. Die afro-brasilianische Kampfkunst hat mich schon vor zehn Jahren fasziniert, als ich ihr zum ersten Mal in São Paulo begegnet bin. Sie verbindet Tanz, Kampf, Spiel und Gesang. Der Anblick der zum Teil akrobatischen Bewegungen hielt mich aber lange davon ab, es auszuprobieren.

Nach der Probestunde wusste ich: Meine Bedenken waren unbegründet. Die Trainer holen einen da ab, wo man steht. Die Capoeira-Stunden wirken fast therapeutisch auf mich. Ich kann mich auspowern und meine Gefühle ausdrücken. Beim Roda, der Schlussrunde, singen wir etwa zu Trommeln eine Art Dialog – und setzen alles spontan in Bewegung um. Wenn ich dazu in die Mitte des Kreises gehe, lerne ich auch, mich vor anderen zu zeigen. So kann ich aggressiv mit einem anderen kämpfen – wir nennen es spielen – oder auch witzig oder listig agieren. Stets mache ich die Erfahrung: Ich bin stark und kann mich wehren.«

Info: Andrea trainiert beim Eimsbütteler Turnverband (ETV) Hamburg. Neben Vereinen lässt sich die brasilianische Kampfkunst auch in speziellen Capoeira-Schulen erlernen.


Es gibt sie ja, die Frauen, die sich ins Fitnessstudio quälen, weil »man das eben so macht«. Dann aber zwickt es der einen doch im Knie, die andere findet das die Temperaturen zu hoch. Und die Dritte ist zwar zum Training verabredet – landet dann aber doch mit der Freundin im Café. Nach solchen Rückschlägen Sport für immer beiseite zu schieben, wäre unklug. Ein schlechtes Gewissen zu haben, bringt auch nichts. Sportpsychologen empfehlen zur Motivation, lieber nach dem Warum zu fragen.

Vielleicht hilft folgende Erkenntnis dabei, dran zu bleiben: Wie zufrieden Menschen mit ihrem Leben sind, hängt auch mit ihrer täglichen körperlichen Aktivität zusammen. Das fanden Forscher der Penn State University in den USA heraus. Sie befragten zwei Wochen lang Probanden nach ihrem körperlichen Zustand, Selbstbewusstsein und ihrer sportlichen Aktivität. Ergebnis: Schon ein paar Minuten Sport mehr pro Tag reichten aus, um das Lebensgefühl zu verbessern. Hinzu kommen die körperlichen Vorteile: Jede Sport-Variante entspannt und steigert die Durchblutung und Sauerstoffversorgung von Haut, Körper und Gehirn. Zudem bauen Trainierende Muskeln auf und verbrennen Kalorien – so bleiben Extra-Pfunde auf der Strecke. Und Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Arteriosklerose lassen sich auch vorbeugen.

Wie bleibt man motiviert?

Aus der Sportpsychologie ist bekannt, dass es vor allem auf eins ankommt: auf das Gefühl. Profisportler können sich zwar durch reine Willenskraft motivieren. Bei Freizeitsportlern ist es wichtiger, welche Stimmungen während des Sports aufkommen. So ist es zum Beispiel möglich, dass Sie sich als Jugendliche beim 1200-Meter-Crosslauf durch den Wald gequält haben, um Ihren laufbegeisterten Eltern zu gefallen. Aber Ihr Leben heute hat nichts mehr damit zu tun. Jetzt können Sie sich auf andere Art und Weise bewegen: Tanzen, Jonglieren, Trampolin hüpfen, Wandern – Sie bestimmen.


Fotos: Narimaan Nikbakht


Welche Sportart für was?

Abnehmen

Dann probieren Sie folgende ­Aus­dauersportarten:

  • Skaten & Biken: Sich rollend fortzubewegen, macht nicht nur Spaß – der Kalorienverbrauch liegt bei beiden Sportarten um die 400 kcal pro Stunde. Skaten trainiert nicht nur die Beinmuskeln, sondern auch die Hüft- und Rumpfmuskeln.
  • Schwimmen: Ideal, um gelenkschonend abzunehmen. Kalorien­verbrauch: etwa 460 kcal/ Stunde. Durch den sanften Wasserdruck spüren­ Sie den ganzen Körper und fühlen sich schwerelos. Die gleich­förmigen Bewegungen bringen in eine Art bewegte Meditation und beruhigen die Gedanken.
  • Nordic Walken oder Laufen: Ersteres verbraucht um die 445 kcal/Stunde­. Es gilt ebenfalls als gelenkschonend und ist optimal für Ein­steiger, die ihre Kondition aufbauen wollen. Joggen ist die beste Wahl, wenn es ums Abnehmen geht: Es verbrennt 540 kcal/Stunde und kann bei jedem Wetter ausgeübt werden.

Stress abbauen und mehr Energie

Dann eignen sich Qigong, Tai-Chi und Yoga. Aus Sicht der indischen und asiatischen Medizin harmonisieren sie die Lebensenergie, die durch den Körper fließt und bei Stress ins Stocken gerät. Studien belegen, dass die Übungen das vegetative Nerven­system regulieren, den Blutdruck senken­ und Stresshormone abbauen.

Mehr Selbstbewusstsein

Kampfsportarten wie Capoeira, Karate, Wing Tsun, Fechten oder Kurse wie Fitness­-Boxen oder Tai Bo wirken wie eine kleine Therapie. Schon eine aufrechte Körperhaltung und der feste Blick zum Gegenüber beeinflussen die Stimmung. Diese Sportarten helfen dabei­, sich auch im Alltag klarer ab­zugrenzen, einen festen Standpunkt zu haben (im wahrsten Sinne) und sich besser zu behaupten.


Quick-Check Lieblings-Sport

Diese fünf Fragen, zusammengestellt von Professor Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln, helfen dabei, ein Training zu finden, das der eigenen Person am meisten entspricht.

1. Wie gut ist mein aktueller Fitness-Zustand?

»Falls Sie Anfängerin oder Wieder-Einsteigerin und über 35 Jahre alt sind, ist es clever, sich einem kleinen ärztlichen Gesundheits-Check zu unterziehen«, rät Froböse. Ein Sportmediziner ermittelt Ihren Fitnessgrad und erstellt eine Leistungsdiagnostik. Er fragt nach Vorerkrankungen sowie bestehenden Beschwerden und sobald er weiß, welche Risikofaktoren dazukommen (etwa Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes), kann er Ihnen Sportarten empfehlen.

2. Was bringt mir wirklich Spaß?

Sobald Sie die Empfehlungen vom Sportmediziner haben, heißt es, weiter einzugrenzen. Das Training muss Spaß machen, denn nur so bleiben Sie auf Dauer dabei. Fragen Sie sich: Treibe ich lieber drinnen oder draußen Sport? Bin ich lieber allein oder in der Gruppe? Brauche ich den Wettkampf- oder den Spielcharakter? Bewege ich mich gern zu Musik oder sollen es Wald- und Wiesengeräusche sein? Will ich gelenkiger werden oder Kraft aufbauen?

3. Gibt es Sportarten, die mir bei meinen Weh­wehchen helfen?

Manche Sportarten sind besonders geeignet, wenn Sie unter schmerzhaften Beschwerden leiden. »Bei Arthrose ist gelenkschonender Sport wie Radfahren, Walken oder Wassergymnastik sinnvoll, bei Osteoporose Krafttraining«, so der Experte. Rückenschmerzen können Sie mit Rückenschwimmen, zielgerichteten Kursen im Fitnessstudio oder Kiesertraining lindern. Bei Stress und Depressionen können Yoga oder Ausdauersportarten ausgleichen beziehungsweise die Stimmung aufhellen.

4. Wie risikofreudig bin ich?

»Bestimmte Sportarten sind verletzungsintensiver als andere – das gilt für Ballsportarten, Mountainbiking, Turnen oder Skifahren. Hier sollten Sie natürlich nur unter Anleitung eines guten Trainers aktiv werden«, rät Froböse. Oder: Sie setzen gleich auf die sanfteren Sportarten.

5. Was bin ich bereit zu investieren?

Nicht jeder kann und will für ein Fitnessstudio zahlen oder teures Sport-Equipment anschaffen. »Alternativ können Sie sich mit Freunden zum Schwimmen, Walken oder Radfahren verabreden oder sich einer Laufgruppe anschließen. Günstig sind auch Angebote von Vereinen, Unis oder der Volkshochschule«, rät Froböse. Das steigert sogar Trainingserfolge – etwa wenn Sie Gewicht verlieren wollen. Eine Studie der University of Pittsburgh ergab, dass Frauen, die mit ihrem Lebenspartner oder einer Freundin an den Start gingen, ein Drittel mehr Gewicht im Vergleich zu denjenigen verloren, die im Studio als Einzelkämpferin sportelten.



Beitrag erschienen in Ausgabe 18/2018

 

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