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BERATUNGSPRAXIS

Halsschmerzen und Heiserkeit

Nicht immer ist eine Erkältung schuld


Von Ulrike Viegener / Es ist wieder so weit: Die Erkältungssaison steht ins Haus. Doch nicht immer steckt ein Atemwegsinfekt ­hinter Halsschmerzen und Heiserkeit.

 

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Im Winter bei Halsschmerzen und Heiserkeit an eine Erkältung zu denken, liegt nahe. In den meisten Fällen erweist sich dieser Verdacht auch als richtig. Trotzdem gilt es, auch andere mögliche Ursachen im Blick zu haben: eine Influenza zum Beispiel, die in ärztliche Hände gehört. Starke Halsschmerzen bei trockenem Rachen sind ein typisches Zeichen der echten Grippe. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zum banalen Atemwegsinfekt ist deren überfallartiger Beginn mit Fieber und Schüttelfrost. Von jetzt auf gleich fühlen sich die Betroffenen »hundeelend«, während sich eine harmlose Erkältung langsam entwickelt und in der Regel mit Kratzen im Hals beginnt.




Foto: iStock/alvarez


Es gibt eine ganze Reihe infektiöser und nicht-infektiöser Erkrankungen, die mit Halsschmerzen und/oder Heiserkeit einhergehen. Dazu zählen zum Beispiel Mandelentzündung (Tonsillitis), Kehlkopfentzündung (Laryngitis), Kehldeckelentzündung (Epiglottitis), Pfeiffersches Drüsenfieber, Scharlach, Mumps, Diphterie (echter Krupp), Pseudokrupp oder die Gastroösophageale Refluxkrankheit.

Schrei- oder Sängerknötchen

Stimmlippenpolypen bilden sich meist nach einer akuten, nicht richtig aus­kurierten Kehlkopfentzündung. Stimmbandknötchen dagegen, die Mediziner auch als Schrei- oder Sängerknötchen bezeichnen, entstehen in Folge einer Überbeanspruchung. Weiterhin kommt die gastroösophageale Refluxkrankheit als Ursache in Frage: Wenn saurer Magenbrei­ bis in den Rachenbereich zurückfließt, können Halsschmerzen und Heiserkeit die Folge sein. Auch die Psyche kann Heiserkeit auslösen, denn Stress, Angst und Aufregung können auf die Stimme schlagen. Bei hartnäckiger Heiserkeit sollte ein Kehlkopf­karzinom ausgeschlossen werden. Vor allem starke Raucher sind gefährdet, besonders dann, wenn sie zusätzlich viel Alkohol konsumieren.

Wenn abgesehen von den Hals­beschwerden typische Erkältungssymptome fehlen und/oder wenn die Hals­beschwerden beim Apothekenbesuch bereits länger als zwei Wochen bestehen, sollten die Betroffenen zum Arzt »geschickt« werden. Manchmal kommt man der Ursache schon mit einigen gezielten Fragen auf die Spur, die der Abgabe von Arzneimitteln zur Selbst­medikation immer vorausgehen sollten.

In der großen Mehrzahl der Fälle wird die Diagnose bei Halsschmerzen und Heiserkeit aber auf einen banalen Atemwegsinfekt hinauslaufen. Erkältungskrankheiten werden zu über 90 Prozent durch Viren hervorgerufen, Bakterien spielen nur eine untergeordnete Rolle. Auch bakterielle Superin­fektionen sind eher selten. Bei Erkältungskrankheiten sind Antibiotika vor diesem Hintergrund in aller Regel nicht indiziert.

Lokale Keimbeseitigung

Zur lokalen Behandlung von Halsschmerzen steht eine Vielzahl unterschiedlicher Präparate zur Verfügung. In ihrer Leitlinie »Halsschmerzen« sortiert­ die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), was Sinn macht und was nicht. Lokalantiseptika helfen laut ­DEGAM-Leitlinie nicht. Die Wirkstoffe dringen nämlich nicht in die Tiefe der Schleimhautfalten vor, wo die Viren ihr Unwesen treiben. Allenfalls lässt sich mit diesen Mitteln eine oberflächliche »Säuberung« der Rachenschleimhaut erzielen. Rezeptfreie Virustatika zur lokalen­ Anwendung gibt es nicht




Besonders auch bei Hustenstillern müssen Patienten die richtige Dosierung beachten.

Foto: iStock/SIAM


Lokalantibiotika, die bei Halsschmerzen häufig zum Einsatz kommen, sind wegen der meist viralen Genese in aller Regel ebenfalls sinnlos, so heißt es in der Leitlinie weiter. Ebenso wie bei der systemischen Gabe von Antibiotika­ wird vor Anwendung rezeptfreier antibiotika-haltiger Rachentherapeutika ein Keimnachweis ge­fordert. Lokal wirksame Antibiotika sollten auch deshalb nicht »gießkannenartig« angewendet werden, weil nachweislich ein relevantes Risiko allergischer Reaktionen besteht.

Ambroxol betäubt

Ziel der lokalen Therapie bei Halsschmerzen und Heiserkeit ist die Symptomlinderung. Als Lokaltherapeutikum favorisiert die DEGAM-Leitlinie bei Halsschmerzen Ambroxol. Der als sekretolytisches Hustenmittel bekannte Wirkstoff besitzt lokalanästhetische Eigenschaften und wird deshalb inzwischen in Form von Lutschtabletten auch bei Halsschmerzen eingesetzt (Mucoangin® gegen Halsschmerzen 20 mg/Lutschtablette Minze oder Waldbeere, Frubizin® akut).

Der Wirkmechanismus ist derselbe wie bei klassischen Lokalanästhetika: Ambroxol blockiert neuronale Natriumkanäle, wobei die betäubende Wirkung­ um ein mehrfaches stärker ist als beispielsweise unter Benzocain. Die klinische Wirkung bei Halsschmerzen ist durch mehrere plazebokontrollierte Doppelblindstudien belegt. Sie beweisen, dass der Ambroxol-Effekt ganz klar über den durch eine wirkstofffreie Lutschtablette zu erzielenden Effekt hinausgeht. Die Schmerzlinderung setzt rasch nach der ersten Ambroxol-anwendung­ ein und hält einige Zeit vor. Auch nach drei Stunden war noch ein Effekt nachweisbar (nach drei Stunden war laut Studienprotokoll frühestens eine weitere Anwendung erlaubt). Entsprechend zeigten sich über 80 Prozent der Studienteilnehmer mit der Behandlung zufrieden oder sehr zufrieden.

Lutschpastillen gelten bei Halsschmerzen als Darreichungsform der Wahl. Das Lutschen regt den Speichelfluss an, was deshalb günstig ist, weil so die Rachen­schleimhaut gut befeuchtet und der Abtransport der Erreger ge­fördert wird. Außerdem können Inhaltsstoffe des Speichelsekrets zur Abwehr und Abheilung beitragen. In gewissem Widerspruch dazu steht die Empfehlung, Lutschpastillen nicht zu lutschen, sondern lieber in der Backentasche zu »parken­«. Dort werden sie dann vom Speichel aufgelöst und setzen kontinuierlich ihre Inhaltsstoffe frei, was die Wirkung der Pastillen optimiere, so wird argumentiert. Die Heraus­forderung ist, möglichst viel Wirkstoff an die Rachenschleimhaut zu bringen. Beim Gurgeln bekommt in erster Linie die Mundhöhle etwas ab, da der Würgereflex eine längere Be­netzung des Rachenraums verhindert. Mit einem Spray (zum Beispiel Kamillosan® Mund- und Rachenspray) lässt sich in dieser Hinsicht mehr erreichen. Unabhängig von der Darreichungsform ist Monopräparaten der Vorzug zu geben




Viele setzen bei Erkältung auf Homöopathie.

Foto: iStock/ Stefan Lenz


Als Schleimhautbefeuchter sind laut Stiftung Warentest Tabletten mit Emser­ Salz (Emser Pastillen® Hals­tabletten) besonders empfehlenswert. Auch Lutschtabletten mit Hyaluron­säure wie GeloRevoice® Halstabletten sorgen für eine gute Befeuchtung der Rachenschleimhaut. Bei Halsschmerzen und Heiserkeit haben sich darüber hinaus pflanzliche Präparate wie isla® moos (Extrakt aus Isländisch Moos) und Ipalat® (Primelwurzel-Extrakt) bewährt, die sich als schützender Film über die angegriffene Schleimhaut legen. Auch Spitzwegerich (Tetesept Husten­ Saft®) wirkt nach diesem Prinzip­. Zuckerfreie Präparate wie Ipalat® Halspastillen zuckerfrei sind mit Blick auf die Zahngesundheit zu bevorzugen. Und schließlich kann bei Halsschmerzen eine Inhalation mit Salbeiaufguss Linderung bringen, während bei Rachenentzündungen mit Heiserkeit Kamille und Fenchel als Inhalat zu empfehlen sind. .

Analgetika hilfreich

Bei einer »ausgewachsenen« Pharyngitis kommt die orale Gabe von Ibuprofen oder Paracetamol in Betracht. Einzeldosen dieser Analgetika bessern die Beschwerden für mehrere Stunden, so heißt es in der Leitlinie. Auch für Acetylsalicylsäure (ASS) sei in einer kontrollierten Studie bei Erwachsenen eine Wirksamkeit bei Halsschmerzen dokumentiert, die sich durch Kombination mit Coffein offenbar noch steigern lässt. Wegen der Gefahr des zwar sehr seltenen, aber gefährlichen Reye-Syndroms sollte ASS bei Kindern unter 15 Jahren nicht angewendet werden. Fragen Kunden nach Homöopathie stehen bei ersten Symptomen von Halsschmerzen und Heiserkeit homöopathische Kombinationen oder Einzelmittel wie Spongia und Drosera zur Verfügung. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2018

 

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