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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Unkomplizierte Blasenentzündung

Schmerzhafter Dauerbrenner


Von Isabel Weinert / Die Hälfte aller Frauen erkrankt mindestens einmal im Leben an einer Blasenentzündung. Von diesen Frauen entwickelt sich bei wiederum 50 Prozent im selben Jahr nochmal eine Zystitis. Einige Frauen bleiben auch danach nicht verschont – die Entzündungen kehren immer wieder. So zu beraten, dass der Patientin wirklich geholfen ist, erfordert einiges Wissen.

 

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Was die Gefahr für eine Blasenent­zündung angeht, haben Frauen im Vergleich­ zu Männern einfach Pech. Ihre kurze Harnröhre verschafft Bakterien – allen voran Escherichia coli aus dem Analbereich – beste Voraussetzungen, in die Harnblase zu gelangen. Dort docken­ die Keime an das Uroepithel an und rufen eine Entzündung hervor. Die bekannten Folgen: Schmerzen, Brennen und häufiger Harndrang schon bei minimalem Füllungsgrad der Blase.




Bei einer akuten Blasenentzündung tut Wärme gut, um den verkrampften Unterleib zu entspannen.

Foto: iStock/nensuria


Um einen unkomplizierten Harnwegsinfekt handelt es sich, wenn keine funktionellen oder anatomischen Ano­ma­lien vorliegen, keine Nierenfunktions­­störung, kein Diabetes oder Aids und wenn es sich bei dem Patienten nicht um einen Mann handelt. Blasenent­zündungen bei Männern sind selten und werden immer als kompliziert eingestuft.

Bei unkomplizierten Harnwegs­infekten verordneten Ärzte früher stets ein Antibiotikum. Heute wägen sie genau ab. Bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden kann der Arzt eine rein symptomatische Therapie vertreten. Bei starken Beschwerden empfehlen die Leitlinien die kurzfristige Gabe eines­ geeigneten Antibiotikums. Symptome bekämpfen – das gelingt mit Ibuprofen­ recht gut. Im Rahmen einer Studie zeigte sich, dass 70 Prozent der Frauen, die Ibuprofen einnahmen, nach einer Woche keine Blasenbeschwerden mehr hatten, gegenüber 80 Prozent der Frauen, die mit Fosfomycin behandelt wurden. Die Unterschiede: Die Symptome hielten bei den mit Ibuprofen behandelten Frauen einen Tag länger an, binnen 14 Tagen trat häufiger ein Rezidiv auf, und die Rate derer, die eine Nierenbeckenentzündung ent­wickelten, war erhöht. Deshalb müssen Frauen, die Ibuprofen statt eines Antibiotikums nehmen, besser auf sich aufpassen, sich warmhalten, ausreichend trinken und sofort einen Arzt auf­suchen, wenn sich die Beschwerden verschlechtern.

Nach zwei Wochen erneut zum Arzt

Ein Antibiotikum kommt auf jeden Fall zum Einsatz, wenn die Keime über die Harnleiter in das Nierenbecken auf­gestiegen sind. In aller Regel stellen sich die Symptome dann auch anders dar: Fieber und eine allgemeine starke Schwäche kommen hinzu.

Klingen die Symptome eines unkomplizierten Harnwegsinfekts binnen zwei Wochen nicht ab, kann das an einer­ schlechten Compliance der Patientin liegen, aber auch an resistenten Erregern oder Gegebenheiten, die das Risiko für eine Blasenentzündung er­höhen. Hier muss sich die Patientin nochmals dem Arzt vorstellen, damit der Urin erneut untersucht und eine Kultur angelegt werden können. Eventuell findet dann ein Wechsel des Antibiotikums statt. Als Antibiotika bei unkomplizierter Zystitis empfehlen die Leitlinien Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam und Trimethoprim. Fluorchinolone und Cephalosporine sind heute nicht mehr erste Wahl.

Nicht zuviel trinken

Der Rat, bei einer Blasenentzündung sehr viel zu trinken, gilt nicht uneingeschränkt. Die Konzentration von Antibiotika wie Fosfomycin wird durch große­ Flüssigkeitsmengen in der Blase verdünnt. Das Medikament verliert so an Schlagkraft gegen die Bakterien. Zudem­ können sich durch einen starken Dehnungsreiz der Blase infolge von reichlich Flüssigkeit die Symptome auch verschlimmern. Nichts falsch machen­ Patientinnen, wenn sie die für gesunde Menschen empfohlenen eineinhalb Liter Flüssigkeit pro Tag trinken beziehungsweise den Beipackzettel eines­ Antibiotikums auf Hinweise zu abweichenden Trinkmengen studieren.

Regeln einhalten

Betroffene Frauen können mitunter selbst dazu beitragen, die Rezidivrate zu senken. Stellen sie fest, dass sich eine Cystitis meist in Folge sexueller Aktivität entwickelt, sollten sie bereits vor dem Sex darauf achten, dass sie ausreichend trinken, nach dem Geschlechtsverkehr steht umgehend der Gang auf die Toilette an, um mög­licherweise eingetragene Erreger auszuspülen, und im Anschluss sollten sie erneut ein großes Glas Wasser trinken.

Frauen, die in den Wechseljahren vermehrt unter Blasenentzündungen leiden, helfen lokal anzuwendende Östrogenpräparate. Entsprechende Vaginalovula oder -tabletten werden meist zu Beginn einige Tage hintereinander angewendet, dann regelmäßig ein- bis zweimal die Woche. Die enthaltenen Arzneistoffe, wie zum Beispiel Estriol in Oekolp®, sorgen dafür, dass die Schleimhäute wieder widerstandsfähiger gegenüber Keimen werden.

Diabetiker gelten als Risikogruppe für eine Blasenentzündung und können­ die Gefahr senken, indem sie für eine normnahe Blutzuckereinstellung sorgen. Damit nähert sich die Infektionsgefahr derjenigen von gesunden Menschen­ zumindest an. Hohe Zuckerwerte hingegen bieten Bakterien in der Blase einen idealen Nährboden. Außerdem beeinflussen sie Teile des Immunsystems negativ, was wiederum die Infekt­anfälligkeit sowie das Risiko für komplizierte Verläufe erhöht.




Wer häufig eine Blasenentzündung hat und sich auskennt, kann zuhause sticksen.

Foto: iStock/10174593_258


Ein weiteres Thema: die Intimpflege. Von speziellen Reinigungsprodukten ist bei Frauen mit Neigung zu Blasenentzündung abzuraten, warmes Wasser reicht aus, um den Urogenitalbereich zu säubern. Bei rezidivierender Zystitis kommen auch längerfristig Antibiotika zum Einsatz, zumeist Nitrofurantoin. In einer randomisierten, kontrollierten Studie der Forscher Bojanna Kranjcec und Kollegen vom Zabok General Hospital und vom Clinical Hospital Center Zagreb im Jahr 2013 zeigte sich, dass D-Mannose einen vergleichbaren protektiven Effekt­ bietet wie Nitrofurantoin – bei geringeren Nebenwirkungen.

Dosis individuell

D-Mannose gelangt über Blut und Nieren in die Blase, wo es an die Pili von Enterobakterien bindet und damit verhindert, dass die Keime ans Uroepithel andocken können. Sie werden mitsamt der D-Mannose ausgeschieden. Es gibt immer­ noch viele Patientinnen, für die die Wirksamkeit von D-Mannose eine Neuigkeit ist. Deshalb lohnt es, diese wirkungsvolle Alternative anzusprechen. Wichtig dabei: Auch wenn in der Studie zwei Gramm D-Mannose pro Tag eingenommen wurden – Dosierungen darunter können ebenfalls aus­reichen, das ist individuell verschieden. Wichtig: D-Mannose kann in hoher Dosierung­ auf den Magen schlagen und Blähungen verursachen. Gut, wenn Patientinnen das wissen. D-Mannose steckt auch in Cranberrys, auf die manche Patientin schwört. Die Studienlage zur Wirksamkeit der groß­früchtigen Moosbeeren zeigt sich jedoch uneinheitlich, weshalb sie in den Leitlinien im Gegensatz zu D-Mannose nicht empfohlen werden.

Natürliche Antibiose

Aus der Therapie des unkomplizierten Harnwegsinfekts sind Phytopharmaka nicht mehr wegzudenken. In Angocin® Anti-Infekt N findet sich eine Kombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Die enthaltenen Senföle wirken antibiotisch ohne das bakterielle Gleichgewicht im Darm zu stören. Es liegen auch keine Resistenzen vor. Menschen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt sollten das Präparat nicht auf nüchternen Magen einnehmen, sondern immer nach dem Essen. Ebenfalls mild antibakterielle Eigenschaften haben Bärentraubenblätter, etwa in Arctuvan® oder Cystinol® akut. Phytopharmaka mit Tausendgüldenkraut, Goldrutenkraut oder Birken- oder Rosmarin­blättern sowie mit Liebstöckelwurzel wirken harntreibend und sorgen so für eine gute Durchspülung der Blase.

Generell lohnt es bei einer Blasenentzündung, den Harn anzusäuern, denn Bakterien gedeihen in diesem Milieu­ schlechter. Dazu stehen die Präparate Acimethin® und Utiro® plus zur Verfügung. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2018

 

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