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POLITIK UND BERUF

Arbeitseinstellung

Mit Freude bei der Sache


Von Andreas Nagel / Freuen Sie sich auf die Arbeit, wenn Sie morgens aufwachen, oder gehen Sie eher ungern in die Apotheke, weil Sie sich nicht für Ihre Aufgaben begeistern können? Wie reagieren Ihre Kollegen, wenn Sie sagen: »Die Arbeit macht heute wieder richtig Spaß!«? Stimmen sie zu oder ernten Sie skeptische Blicke? Mit der richtigen Denk­weise und einfachen Maßnahmen können Sie die Freude an der Arbeit oft deutlich steigern.

 

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Jeder berufstätige Mensch verbringt einen erheblichen Teil seines Lebens am Arbeitsplatz. Daher sollten Sie als PTA bestrebt sein, Ihre Tätigkeit und Ihr Arbeitsumfeld stets so positiv wie möglich zu gestalten. Wenn Sie bei der Arbeit ständig unzufrieden, frustriert und gestresst sind oder sich im Hamsterrad gefangen fühlen, führt dieses Gefühl in den meisten Fällen früher oder später zu körperlichen und psychischen Konsequenzen, wie Magenbeschwerden, Schlafstörungen, Depressionen, überhöhtem Alkoholkonsum oder gar zum Burn-out.




Foto: Shutterstoch/HconQ



Im Apothekenteam zeigen sich Unzufriedenheiten oft durch ein angespanntes Betriebsklima, durch hohe Fehlzeiten wegen »Bagatellerkrankungen« und durch einen unfreundlichen oder gleichgültigen Umgang mit Kunden. Angesichts dessen kann die Antwort auf die Frage »Muss Arbeit Spaß machen?« sicherlich nur lauten: »Ja, Arbeit sollte nicht nur Spaß machen, Arbeit muss sogar Spaß machen – wenn man nicht sein körperliches und geistiges Wohlbefinden aufs Spiel setzen möchte.«

Vielleicht denken Sie jetzt: »Aber Arbeit kann doch nicht immer nur Spaß machen«. Das stimmt: Natürlich wird Arbeit nicht immer und ausschließlich nur Freude bereiten. Aber grundsätzlich sollte es schon so sein. Es gibt zwar hochqualifizierte Menschen, deren Fähigkeiten so gefragt sind, dass sie sich jederzeit ihren Wunscharbeitsplatz aussuchen und auch jederzeit wieder wechseln können, wenn er sie nicht erfüllt. Diese Menschen empfinden ihre Tätigkeit tatsächlich jeden Tag als Selbstverwirklichung statt als Arbeit. Eine derartige Rundum-Zufriedenheit dürfte jedoch sicherlich nur auf eine Minderheit zutreffen. Für viele Menschen ist Arbeit vorrangig keine Selbstverwirklichung, sondern eher eine wirtschaftliche Notwendigkeit oder sogar ein notwendiges Übel zum Geld­verdienen.

Die richtige Einstellung

Spaß an der Arbeit ist teilweise eine Frage der inneren Einstellung. Menschen, die überhöhte Erwartungen an das Berufsleben und an ihren Arbeitsplatz haben, kann bereits eine Veränderung der eigenen Sichtweise zu mehr Arbeitsfreude verhelfen. Die Erwartung, dass es am Arbeitsplatz immer problemlos, stressfrei, harmonisch und gerecht zugehen sollte, ist unrealistisch.

Akzeptieren Sie, dass kein Arbeitsplatz perfekt ist. Wer schwierige, anstrengende und unangenehme Arbeiten als normale und unvermeidbare Begleiterscheinungen des Berufslebens akzeptiert, kann auch mit den aktuellen Problemen am eigenen Arbeitsplatz meist gelassener umgehen. Akzeptieren Sie außerdem, dass an den meisten Arbeitsplätzen zu einem erheblichen Teil Routinetätigkeiten gefordert werden, die weitgehend vorgegeben und wenig gestaltbar sind und die daher auch nicht immer erfüllend oder selbstverwirklichend sein können. Diese Tätigkeiten sind deshalb auch nicht geeignet, besonders viel Spaß oder gar Sinn zu vermitteln. Dafür bekommen Sie aber für die Erledigung dieser Aufgaben auch jeden Monat ein Gehalt. Mit dieser Akzeptanz verbessert sich die Einstellung zur Arbeit oft ganz automatisch.

Beruflich fehlende Selbstverwirklichung kann man in diesen Fällen oft durch private Aktivitäten erlangen, wie durch Hobbys, Engagement in Vereinen oder in ehrenamtlicher Tätigkeit. Wenn Sie allerdings das Gefühl haben, dass Ihnen die Arbeit deshalb keinen Spaß macht, weil Sie den falschen Beruf gewählt haben, ist es sicherlich sinnvoll, über eine berufliche Neuorientierung nachzudenken, damit Sie nicht dauerhaft eine ungeliebte Tätigkeit ausüben müssen.

Spaßkiller beseitigen

Die persönlichen Gründe für fehlenden Spaß an der Arbeit können sehr unterschiedlich sein: Unangenehme oder uninteressante Tätigkeiten, hohe Arbeitsbelastung, Stress, unattraktive Arbeitszeiten, Meinungsverschiedenheiten mit Chefs oder Kollegen, fehlende Anerkennung, bürokratische Regelungen, ungenügende Fortbildungsmöglichkeiten oder ein als zu niedrig empfundenes Gehalt können die Freude an der Arbeit nachhaltig beschneiden. Wenn Sie eine Möglichkeit sehen, Ihre Arbeitsinhalte oder -abläufe zu verändern, dann sollten Sie ein persönliches Gespräch mit Ihrem Chef führen.

Notieren Sie dafür zunächst, was Sie stört, und stellen Sie mögliche Verbesserungsvorschläge zusammen. Bitten Sie Ihren Chef dann um ein Gespräch. Nennen Sie die notierten Punkte und erläutern Sie Ihre Lösungsvorschläge. Versuchen Sie dann, mögliche Veränderungen zu vereinbaren. Statt des Gesprächs mit dem Chef eignet sich häufig auch eine Teambesprechung zur Beseitigung von Ärgernissen.

Spaßfaktoren aufbauen

Überlassen Sie den Spaß an der Arbeit nicht dem Zufall, sondern werden die gezielt aktiv. Durchdenken Sie einmal Ihre Tätigkeiten und fragen Sie sich: »Wie müsste ich die Aufgabe anpacken, strukturieren oder verändern, damit sie 10, 20 oder gar 100 Prozent mehr Spaß macht?« Überlegen Sie dabei auch, wie Sie am liebsten arbeiten. Allein oder im Team? Routinetätigkeiten oder neue Aufgaben? Vorstrukturierte Aufgaben oder Aufgaben mit viel Entscheidungsspielraum? Versuchen Sie dann, Ihre derzeitigen Tätigkeiten so zu verändern, dass sie diesen Idealvorstellungen so nahe wie möglich kommen. Fragen Sie sich auch, warum Ihnen bestimmte Tätigkeiten keinen Spaß machen. Manchmal liegt es an fehlenden Kenntnissen und Fähigkeiten, schlechten Arbeitsmitteln oder einem demotivierenden Arbeitsumfeld. Beseitigen Sie diese Faktoren so schnell wie möglich.

Wenn Sie bestimmte Aufgaben überhaupt nicht mögen, so können Sie mit Chefs oder Kollegen über einen Aufgabentausch sprechen. Vielleicht gibt es jemanden, der diese Aufgabe gerne übernimmt, weil er sie nicht als unangenehm empfindet und Sie übernehmen dafür eine Aufgabe aus dem Tätigkeitsbereich dieses Kollegen.




Gute Kommunikation zwischen Kollegen und Vorgesetzten ist eine wichtige Voraussetzung für Spaß bei der Arbeit.

Foto: Fotolia/Robert Kneschke


Flow erleben

Als »Flow« bezeichnet man in der Psychologie einen als äußerst angenehm und erfüllend erlebten Arbeitsfluss. Diesen Flow erlebt jeder, der in einer Aufgabe vollkommen aufgeht und dabei alles um sich herum vergisst – alle anderen Angelegenheiten, die Zeit und vielleicht sogar das Essen und Trinken. Vielleicht haben Sie es im beruflichen oder privaten Bereich auch schon erlebt, dass Sie so in eine Tätigkeit vertieft waren, dass Sie Raum und Zeit« regelrecht vergessen haben und anschließend erstaunt waren, wie schnell die Zeit mit dieser Aufgabe vergangen ist. Der Flow stellt sich ein, wenn bei einer für sinnvoll gehaltenen Aufgabe die eigenen Fähigkeiten den Anforderungen entsprechen, sodass die Aufgabe zwar als herausfordernd, aber nicht als Überforderung wahrgenommen wird und daher weder Langeweile noch Stress entstehen.

Als PTA haben Sie dieses Gefühl vermutlich schon nach einem intensiven und guten Beratungsgespräch erlebt, in dem Sie einem Kunden durch eine gute Beratung geholfen haben, sich über die Dankbarkeit des Kunden freuen konnten und gar nicht wahrgenommen haben, wie lange diese Beratung gedauert hat. Versuchen Sie, möglichst viele Tätigkeiten zu übernehmen, bei denen sich dieses Hochgefühl bei Ihnen einstellt.

Gerade in Zeiten hoher Arbeitsbelastung ist Spaß an der Arbeit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Je höher die Arbeitsbelastung, desto mehr sollten Sie selbst für den nötigen Spaß sorgen. Stellen Sie sich regelmäßig die Frage, wie Ihnen die Arbeit (noch) mehr Spaß machen kann. Wenn Sie täglich gewohnheitsmäßig auf dem Weg von oder zur Arbeit über diese Frage nachdenken, werden Ihnen immer mehr Ideen zur Steigerung Ihrer Arbeitsfreude einfallen. Der Zeitaufwand lohnt sich angesichts der positiven Auswirkungen auf Ihr berufliches und privates Wohlbefinden fast immer. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 20/2018

 

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