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BERATUNGSPRAXIS

Chronisches Handekzem

Jeder Griff tut weh


Von Nicole Schuster / Rötungen, Entzündungen, offene Wunden, blutende Einrisse und Verhornungen an den Händen stören nicht nur optisch, sondern sind auch äußerst schmerzhaft. Die Symptome kennzeichnen ein chronisches Handekzem, unter dem etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden. Als chronisch gilt die Hautkrankheit, wenn sie länger als drei Monate andauert oder mindestens zweimal pro Jahr wiederkehrt.

 

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»Einem chronischen Handekzem können verschiedene Auslöser zugrunde liegen«, sagt Professor Dr. med. Christoph Skudlik, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Allergologie, Ernährungsmedizin und Berufsdermatologie (ABD) im Gespräch mit dem PTA-Forum. »In vielen Fällen ist es anlagebedingt, zum Beispiel bei Neurodermititis. Dem irritativen Kontakt­ekzem hingegen liegt als Ursache oft der beruflich bedingte ständige Umgang mit reizenden Stoffen wie Reinigungs-, Lösungs- oder Desinfektionsmitteln zugrunde.« Angehörige bestimmter Berufsgruppen wie Friseure, Putzpersonal oder auch Angestellte in der Pflege, der Nahrungsmittelbranche oder in Automobilwerkstätten gehören zu den Risikogruppen. Davon abzugrenzen ist noch ein dritter Typ des chronischen Handekzems und zwar das allergisch bedingte, das seinen Ausgang in Autoimmunreaktionen nimmt.




Foto: Shutterstock/Ternavskaia Olga Alibec


Es lassen sich verschiedene Schweregrade unterscheiden. Bei einem leichten Ekzem liegen nur wenig störende Symptome wie eine trockene und zart gerötete Haut vor. »Beim Fortschreiten verändert sich die Haut strukturell«, weiß Skudlik. Es bilden sich entzündliche, juckende Bläschen, die Empfindlichkeit nimmt zu, und die Haut reißt an verhornten Stellen ein. An den Einrissen nässt es, und es entstehen immer wieder blutende Wunden. Schmerzhafte und schlecht abheilende Schrunden sind die Folge. »Offene Stellen sind ideale Einstiegspforten für Viren und Bakterien«, warnt der Experte. »Infektionen können schnell zu chronischen Entzündungen führen, auch die Entstehung einer Wundrose ist möglich.«

Tätigkeiten wie Hausarbeit, Freizeit­­akti­vitäten oder Arbeiten im beruflichen Umfeld, aber auch schon ein Händedruck zur Begrüßung können zur Tortur werden. »Beachtlich ist auch, wie stark die Lebensqualität abnimmt«, berichtet der leitende Arzt am Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) der Universität Osnabrück. »Der Leidensdruck ist zum Teil vergleichbar mit dem bei lebensbedrohlichen Krankheiten.«

Zur Diagnose gehören neben einer sorgfältigen Anamnese eine klinische Untersuchung sowie ein Epikutantest, um mögliche Kontaktallergene als Ursache festzustellen.

Behandlung je nach Art und Schwere

Insbesondere bei chronischen Formen des Handekzems stellt die Therapie eine Herausforderung dar. Als Mittel der Wahl gelten topische Corticosteroide. »Sie wirken in der Akutphase sehr effektiv, sollten jedoch nicht länger als vier bis sechs Wochen angewendet werden«, erklärt der Experte. »Andernfalls drohen chronische Hautschäden.« Die Wirkstoffe verzögern nämlich auch Reparaturmechanismen der Haut, verursachen Hautatrophien und beeinflussen die Langzeitheilung negativ. Äußerlich kommen auch die Calcineurininhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus zum Einsatz. Alitretinoin stellt eine systemische Therapieoption für das schwere chronische Handekzem dar und kann in Erwägung gezogen werden, wenn topische Corticosteroide nicht oder nur unzureichend wirken. Tritt nach drei Monaten keine Besserung ein, muss der Arzt die Therapie überdenken. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Kopfschmer­zen sowie ein Anstieg des Plasmacholesterinspiegels und der Triglyzeride. Patientinnen müssen eine wirksame Verhütung sicherstellen.

Im Akutfall können kurzzeitig auch außerhalb der Zulassung systemische Corticosteroide zur Therapie des chronischen Handekzems zum Einsatz kommen. Von einer Langzeiteinnahme ist allerdings wegen der Gefahr ernsthafter Nebenwirkungen wie Osteoporose, Immunsuppression, Hyperglykämie oder Bluthochdruck abzusehen. Einen Therapieversuch kann der behandelnde Arzt auch – ebenfalls off-label – mit systemischem Ciclosporin, Acitretin, Azathioprin und Methotrexat vornehmen. Eine ausreichende Evidenz aus Studien für die Effektivität fehlt allerdings. Systemische Antihistaminika können gegen Juckreiz wirken, verbessern aber nicht den Krankheitsverlauf. Von der Anwendung topischer Antihistaminika raten Experten wegen des Sensibilisierungsrisikos ab.

Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen können helfen, etwa bei ­einem gegenüber äußerlich angewendeten Corticosteroiden therapieresistenten Handekzem eine UVB-Phototherapie oder PUVA-Therapie (Psoralen plus Ultraviolettlicht des langwelligen Bereichs A) der Hände. Der Nachteil: Das Risiko für kutane Malignome steigt bei einer Langzeitanwendung.

Linderung oft nicht von Dauer

Grundsätzlich gilt: Je früher die Behandlung einsetzt, desto leichter gelingt die Therapie und desto schneller stellen sich Erfolge ein. Voraussetzung für eine langfristige Besserung des irritativen oder allergischen Ekzems ist allerdings, dass Patienten nicht mehr weiterhin den Noxen ausgesetzt sind. Viele Betroffene suchen daher auch aus Angst vor Berufsunfähigkeit erst nach Jahren einen Arzt auf.

Den Beruf aufzugeben, ist heute dank moderner Therapie- und Präventionsmaßnahmen jedoch oft nicht erforderlich. »Eine wichtige Maßnahme ist das sogenannte Hautarztverfahren mit begleitenden kostenlosen Schulungen zum Hautschutz«, weiß Skudlik. Ein­leiten können es Hautärzte, Arbeitsmediziner oder Ärzte mit der Zusatzbezeichnung »Betriebsmedizin«. Es handelt sich dabei um eine Kooperation zwischen den Berufsgenossenschaften und den Dermatologen, durch die Betroffene­ bei beruflich bedingten Haut­erkrankungen optimal behandelt werden und unter anderem konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen ­bekommen. Werden Hilfsmittel oder Therapeutika ver­ordnet, fallen für den Patienten im Rahmen­ der Teilnahme an dem Ver­fahren keine Rezeptgebühren oder Zuzahlungen­ an. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bietet zudem kosten­lose Seminare und Schulungen zum Thema Hautschutz« und »Stress­bewältigung an.

Hände pflegen und schützen

Für Patienten, die ständig Umgang mit ätzenden oder sauren Chemikalien haben­ oder deren Hände immer wieder dem Kontakt mit Wasser ausgesetzt sind, ist es wichtig, die natürliche Schutzfunktion der Haut zu unter­stützen. Die PTA sollte daher nicht nur Menschen mit empfindlicher Haut raten­, bei Feucht­arbeiten – dazu zählen auch Hausarbeiten wie Geschirrspülen – Schutzhandschuhe anzuziehen. Auf eine trockene und saubere Innenseite ist dabei zu achten, bei längerer Tragedauer sind Baumwollhandschuhe für darunter empfehlenswert. Betroffene sollten die bloßen Schutzhandschuhe nur so kurz wie möglich anbehalten, da sonst durch Okklusionseffekte Hautschäden drohen. Auch bei der Handreinigung kann einiges falsch gemacht werden: nie mit heißem, sondern immer nur mit lauwarmem Wasser waschen­, möglichst hautschonende Reinigungsmittel nutzen und danach gründlich ab­trocknen. Sind die Hände nicht mit grobem­ Schmutz versehrt, kann eine alkoholische­ Desinfek­tion das Waschen mit Wasser und Seife ersetzen. Die Anwendung von Hautpflegemitteln ist das A und O. Während der Arbeit sind speziell entwickelte Industriehandcremes, die schnell einziehen, von Vorteil. Sie verhindern, dass schädigende Stoffe in die Haut eindringen. Zu Arbeitsende und vor dem Schlafen sollten Patienten zu parfümfreien Salben, Cremes oder Gels mit einem hohen Lipid­anteil greifen­, um die Abheilung von Haut­irritationen zu beschleunigen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 21/2018

 

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