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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Kopfschmerzen

Wie viel ist zu viel?


Von Verena Arzbach, München / Beim Thema Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch gibt es noch viele Wissens­lücken und Informationsbedarf, auch in den Fachkreisen. Das zeigt eine Online-Befragung aus dem Sommer 2017 des Doc-Check-Panels, an der 150 Allgemeinmediziner, 151 Apotheker und 154 PTA teilnahmen. Privatdozent Dr. Charly Gaul von der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein stellte im Oktober bei der Pharma-World auf der Expopharm die Ergebnisse der Umfrage vor.

 

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Kopfschmerzen werden per Definition als chronisch bezeichnet, wenn sie an 15 oder mehr Tagen im Monat bestehen. »Betroffen sind 3 bis 4 Prozent der Bevölkerung, davon haben 1,5  Prozent Kopfschmerzen, weil sie zu viele Me­dikamente einnehmen«, berichtete Gaul. Wichtig: Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch (MOH von englisch: Medication Overuse Head­ache) ist abzugrenzen vom medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Letzterer bezeichnet Kopfschmerzen, die durch Medikamente ausgelöst werden, die nicht zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden, beispielsweise durch Nitro­präparate oder Phosphodi­este­­rase-Hemmer.




Ein Übergebrauch von Schmerzmitteln lässt sich durch geschicktes Fragen eruieren.

Foto: Shutterstock/ESB Professional


Ein MOH kann laut Gaul entstehen, wenn Mischanalgetika, Triptane und Opioide als Akutmedikation länger als drei Monate an mehr als zehn Tagen eingenommen werden. Bei Paracet­amol und nicht steroidalen Antirheumatika liegt die Grenze bei 15 Tagen. »Die Grenze für einen Medikamentenübergebrauch wird in den Fachkreisen häufig niedriger vermutet«, sagte Gaul. Ein großer Teil der Umfrage-Teilnehmer glaubte etwa, Analgetika sollten nicht häufiger als an vier Tagen pro Monat eingenommen werden.

Häufiger bei Frauen

Für die Beratung in der Apotheke sei es auch wichtig, Risikofaktoren für das Entstehen eines Kopfschmerzes durch Medikamentenübergebrauch zu kennen, betonte Gaul. »Der typische MOH-Patient ist unter 50 Jahre alt, Raucher und hat meist neben Kopfschmerzen noch eine weitere Schmerzerkrankung, etwa eine Fibromyalgie. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer«, so der Mediziner. Auch Depressionen oder Angsterkrankungen, die viele Patienten mit chronischen Schmerzen entwickeln, sind Risikofaktoren, einen MOH zu entwickeln.

Wirkstoff wechseln

Bei Schmerzpatienten, die eine gut wirksame Akutmedikation bekommen, sei das Risiko für einen MOH geringer als bei Patienten, die nicht zufrieden mit der Wirkung der Schmerzmittel sind. »Fragen Sie die Kunden, die in der Apotheke regelmäßig Analgetika kaufen, ob diese auch ausreichend wirken«, riet Gaul PTA und Apothekern. »Wenn die Patienten sagen, dass sie drei Tabletten­ einnehmen und immer noch keine ausreichende Wirkung verspüren, sollte eine andere Akutmedikation ausprobiert werden.«

Die verschiedenen Analgetika seien in der Befragung von vielen Ärzten, Apothekern und PTA bezüglich ihres spezifischen Risikos für einen Über­gebrauch über- oder unterbewertet worden, berichtete Gaul weiter. Das höchste Risiko sprachen die Umfrageteilnehmer Koffein-haltigen Kombina­tionspräparaten zu, Naratriptan und Paraceta­mol wurde das niedrigste Risiko zugesprochen. Tatsächlich liegt laut Gaul die Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein be­züglich des Übergebrauch-Risikos auf dem gleichen Niveau wie das Triptan.

Patienten, bei denen ein MOH festgestellt wurde, werden zunächst über die Zusammenhänge informiert und beraten. »Oft hilft das schon, den Medikamentengebrauch deutlich zu reduzieren«, sagte Gaul. Bei ausbleibendem Erfolg sollte der Patient Maßnahmen zur nichtmedikamentösen Migräneprophylaxe ergreifen, zum Beispiel Sport und Vermeiden von Triggern. Der Arzt kann auch eine medikamentöse Prophylaxe verordnen, beispielsweise mit Topiramat oder Amitriptylin. Allerdings: »Die Rückfallquote zum Medikamentenübergebrauch liegt nach einem Jahr bei etwa 30 Prozent«, so Gaul. Es sei daher für die Beratung wichtig, ­regelmäßig nachzufragen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 21/2018

 

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