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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Operation von Fettschürzen

Körperstraffung per Skalpell


Von Carina Steyer / Schlaffe, überdehnte Haut, die am Körper he­rabhängt, ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Solche Haut­lappen schränken die Beweglichkeit ein, zwischen den Hautfalten können außerdem Pilzinfektionen, Ekzeme oder Entzündungen entstehen. Abhilfe schafft eine Straffungsoperation.

 

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Eine Hautüberdehnung durch eine Schwangerschaft, ein altersbedingter Verlust der Hautelastizität und eine starke Gewichtsabnahme sind die häufigsten Ursachen für den Wunsch nach einer Straffungsoperation. Vor allem der Bauch steht dabei im Fokus. So wurden laut der Operations- und Behandlungsstatistik der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) im Jahr 2017 rund 1800 Bauchstraffungen durchgeführt. Sie sind damit die am häufigsten ausgeführten Straffungsoperationen zur Körperformung in Deutschland und gehören zu den Top 5 der Schönheits­operationen.




Foto: Shutterstock/Africa Studio



Besonders ausgeprägt sind die Hautüberschüsse bei Patienten nach einer bariatrischen Operation wie einer Magenverkleinerung oder der Entfernung von Dünndarmteilen. Ein Gewichtsverlust von bis zu 70 kg innerhalb eines Jahres ist nach einem solchen Eingriff keine Seltenheit. Für die Haut und das Bindegewebe ist eine so starke Gewichtsabnahme aber deutlich zu viel. Die Gewebe sind durch die extreme Dehnung während des Übergewichts stark überdehnt, haben an Elastizität verloren und können sich der neuen Körperform nicht wieder anpassen.

Die Haut hängt wie eine zu große Hülle am Körper herab und sorgt bei den Patienten nach dem Diäterfolg für große Ernüchterung. Außerdem ziehen die sogenannten Fettschürzen auch medizinische Probleme nach sich. So ist die Beweglichkeit oftmals stark eingeschränkt. Vor allem im Brust- und Bauchbereich kommt es zu Überlappungen der verschiedenen Hautschichten. Das feuchte Klima in den Hautfalten begünstigt Pilzerkrankungen, durch die Reibung kommt es zu Hautirritationen und dauerhaften Entzündungen in den Umschlagfalten. Neben den körperlichen Auswirkungen kann das neue Erscheinungsbild auch eine schwere psychische Belastung sein. Die Betroffenen fühlen sich durch den Hautüberschuss permanent an das frühere Körpergewicht erinnert und können ihr neu gewonnenes Körpergefühl nicht ausleben. Sie vermeiden weiterhin Schwimmbadbesuche oder kurze oder eng geschnittene Kleidung. Manchmal löst die Frustration über das Körperbild auch eine erneute Gewichtszunahme aus, weil die Betroffenen die erschlaffte Haut wieder »füllen« möchten.

Chirurgische Hilfe

Damit die Euphorie nach der Gewichtsabnahme nicht einer tiefen Verzweiflung weicht, raten Experten vielen Adipositaspatienten, sich bereits vor der Gewichtsabnahme mit dem wahrscheinlichen Ausmaß der körperlichen Veränderungen zu beschäftigen. In Adipositaszentren ist die Aufklärung über das zu erwartende Hautbild in der Regel fixer Bestandteil der Beratung. Darüber hinaus plädieren die federführenden Fachgesellschaften der Leitlinie »Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen« aufgrund ihrer klinischen Erfahrungen dafür, die Rekonstruktion der Körperform nach einer adipositaschirurgischen oder metabolischen Operation als festen Bestandteil der Therapie zu sehen. Nach Ansicht der Experten sollte jeder Adipositaspatient, der nachhaltig an Gewicht verloren und dieses über mehrere Monate konstant gehalten hat, bei medizinischer Indikation und bestehendem Operationswunsch die Möglichkeit für eine Straffungsoperation erhalten.

Welche Körperbereiche operiert werden, ergibt sich aus dem Beschwerdebild und den Wünschen des Patienten. Manchmal reicht eine Bauchstraffung, in anderen Fällen müssen auch Brust, Oberarme, Oberschenkel oder Gesäß gestrafft werden. Nach einer bariatrischen Operation kann der Arzt auch zum sogenannten Bodylift raten. Dabei werden neben Bauch- und Brustbereich der seitliche Oberschenkel, die Rückenregion und die Gesäßpartie in einer einzigen Operation gestrafft. Der Vorteil dieses Vorgehens besteht darin, dass nicht nur die horizontale, sondern auch die vertikale Überdehnung der Haut berücksichtigt und angepasst werden kann. Ergänzend kann ein Facelift mit gezielter Straffung von Hals und Stirn in Erwägung gezogen werden.

Unabhängig vom operierten Körperbereich folgen alle Straffungsoperationen einem ähnlichen Prinzip. Der Chi­rurg löst das überdehnte Gewebe von der darunterliegenden Schicht, strafft es, entfernt den Gewebeüberschuss und vernäht abschließend die einzelnen Schichten wieder. Die Schnitte werden dabei möglichst so gesetzt, dass sie später unter der Kleidung verborgen bleiben. Operiert wird unter Vollnarkose, die Operationszeit richtet sich wie die Länge des Krankenhausaufenthaltes nach dem Ausmaß des Eingriffes.

Nach einer Straffungsoperation können die meisten Patienten etwa zwei bis drei Wochen später ihre berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen. Von Sport und körperlich anstrengenden Arbeiten raten Mediziner für etwa sechs Wochen ab. Zudem muss eine spezielle Kompressionskleidung getragen und UV-Einstrahlung im Narbenbereich vermieden werden.

OP mit Risiken

Straffungsoperationen sind wie alle anderen Operationen mit Risiken verbunden. Dazu gehören Nachblutungen, Infektionen, Asymmetrien im Narbenverlauf sowie Empfindungsstörungen und Taubheitsgefühle in den gestrafften Bereichen. Letztere sind Folge der Durchtrennung und Verletzung von Nerven und verschwinden häufig innerhalb der folgenden Monate wieder, können aber unter Umständen auch dauerhaft bestehen bleiben.

Der Rahmen für die Kostenüber­nahme von Schönheitsoperationen durch die gesetzliche Krankenversicherung ist eng gesteckt. Solange keine medizinische Indikation vorliegt, müssen die Patienten die Kosten für die Operation – diese können je nach Umfang zwischen 3500 und 15 000 Euro liegen – selbst tragen. Dazu können die Kosten für Anästhesie und Krankenhausaufenthalt kommen. Anders sieht es aus, wenn eine Indikation für die OP vorliegt: Im Fall von Hautüberschüssen nach massiver Gewichtsabnahme sind das etwa schwer therapierbare Pilzerkrankungen, Ekzeme und mechanische Beeinträchtigungen. Das ermöglicht häufig eine Kostenübernahme oder zumindest eine Teilerstattung. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) rät, entsprechende Anträge bereits vor der Operation bei der Krankenkasse einzureichen, um unschöne Überraschungen zu vermeiden.

Kritische Arztwahl

Patienten sollten bei der Suche nach einem geeigneten Arzt kritisch sein. Die Begriffe »Schönheitschirurg« und »Schönheitsoperation« sind rechtlich nicht geschützt und lassen keinen Rückschluss auf die Qualifikation des Arztes zu. Ein objektives Qualitätsmerkmal ist laut DGÄPC der Titel »Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie«. Da­rüber hinaus sei es wichtig, auf die Spezialisierung, die Erfahrung und die Qualität der Beratung zu achten. So sollte ein seriöser Facharzt zum Beispiel auf die Erwartungen des Patienten und deren Machbarkeit eingehen, die Preisgestaltung im individuellen Fall erläutern und einen Kostenvoranschlag erstellen. Um abzuschätzen, ob es sich um ein vernünftiges Angebot handelt, können Patienten die von den Fachgesellschaften veröffentlichten Durchschnittspreise heranziehen. Bei starken Abweichungen – vor allem nach unten – raten Experten zur Vorsicht. /


Weitere Informationen

Auf Anfrage vermittelt die Geschäftsstelle der DGÄPC qualifizierte Fachärzte in der Nähe des eigenen Wohnortes. Zudem stellt sie Beratungshilfen für die Bauchdecken-, Oberarm- und Oberschenkelstraffung sowie den Face- und Bodylift zur Verfügung. Die Listen sollen Patienten durch das Gespräch mit einem Facharzt leiten und helfen, die Qualität der Beratung und Aufklärung zu sichern.

www.dgaepc.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2018

 

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