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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Ibuprofen und Koffein

Neue Kombination gegen Schmerz


Von Christina Hohmann-Jeddi, Mannheim / Ende des Jahres soll ein neues OTC-Analgetikum auf den Markt kommen. Das Präparat Thomapyrin® Tension Duo von Sanofi enthält 400 mg Ibuprofen und 100 mg Koffein. Daten dazu stellten Experten auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim vor.

 

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»Warum noch eine Kombination?«, fragte Dr. Stefanie Förderreuther von der Ludwig-Maximilians-Universität München zu Beginn eines von Sanofi organisierten Symposiums. Der Grund sei, dass Ibuprofen derzeit die beliebteste analgetische Substanz sei und die Kombination mit Koffein deren Wirkung noch unterstütze. Koffein selbst sei kein Schmerzmittel, aber es erhöhe die Resorption von Ibuprofen, sorge somit für einen schnelleren Wirkeintritt und verlangsame zudem die Metabo­lisierung, wodurch die Wirkung länger anhalte.




In Kombination mit Koffein lindert Ibuprofen Schmerzen schneller als allein. Die Wirkung hält zudem länger an.

Foto: Shutterstock/goodluz


Dies zeigten auch die Daten der Zulassungs­studie, die die Neurologin präsentierte. An der doppelblinden, placebokontrollierten Untersuchung hatten 562 Patienten mit einer Weisheitszahnextraktion, dem Standardmodell für Akutschmerzen, teilgenommen. Die Patienten hatten entweder die Fixkombination, Ibuprofen allein (400 mg), Koffein allein (100 mg) oder ein Placebo nach der Operation erhalten. In kurzen zeitlichen Abständen wurden ihre Schmerzen erfasst. »Die Kombination war der Monosubstanz Ibuprofen deutlich überlegen«, berichtete Förderreuther.

Schneller wirksam

Über einen Zeitraum von acht Stunden zeigte eine Einzeldosis 30 Prozent bessere Schmerzlinderung, heißt es in der Publikation im »European Journal of Pain«. Die Wirkung trat zudem schneller ein: Eine bedeutsame Schmerzlinderung wurde unter der Kombination im Durchschnitt in 1,13 Stunden und unter der Monosubstanz in 1,78 Stunden erreicht. Zudem hielt die Wirkung länger an. Eine zweite Dosis war unter der Kombination im Schnitt nach 7,33 Stunden und unter Ibuprofen allein nach 7,11 Stunden notwendig. Dabei nahmen 16 Prozent der Kombinations-Patienten und 32 Prozent der Ibuprofen-Patienten eine zweite Dosis ein. Die Kombi­nation war gut verträglich, berichtete Förderreuther. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.

Mit einer höheren Ibuprofen-Dosis sei die Fixkombination nicht verglichen worden, weil die Substanz für die analgetische Wirkung einen »Ceiling«-Effekt zeigt: Dosen von mehr als 400 mg bringen keine zusätzliche Schmerz­linderung, berichtete die Medizinerin.

Zusatz-Effekt

Der Einsatz von Kombinationsprä­paraten wurde zeitweise sehr kritisch diskutiert, berichtete Professor Dr. Thomas Tölle von der Technischen Universität München. Ende der 1990er-Jahre galten sie als »Teufelszeug«. Von diesem­ Standpunkt sei man aber inzwischen abgekommen, vor allem durch Daten, die einen zusätzlichen Effekt von ­Kof­fein in Schmerzmitteln belegen. So kommt ein Cochrane-Review von 2014 zu dem Ergebnis, dass die Zugabe von Koffein (≥ 100 mg) zu einer Standard­dosis eines Analgetikums eine »kleine, aber wichtige Steigerung der Personenzahl, die eine gute Schmerzlinderung erfahren, bedingt«. Dass sich die Zu­gabe von Koffein schädlich auswirken könne, sei unwahrscheinlich, so die Cochrane-Autoren.

Sichere Kombinationen

Die in der Vergangenheit vor­gebrachten Argumente gegen Kombinationsanalgetika mit Koffein – Nieren­toxizität und Verstärkung des Sucht­effekts – seien inzwischen widerlegt, informierte Dr. Charly Gaul von der Mi­gräne- und Kopfschmerzklinik König­stein auf dem Symposium. Die früher häufige, gefürchtete Analgetika-Nephro­pathie, die durch einen langjährigen Missbrauch von Misch-Anal­getika verursacht wurde, ging auf die enthaltene Substanz Phenacetin zurück. Als diese vom Markt genommen wurde, war das Problem beseitigt. Koffein­ selbst sei kein eigenständiger Risikofaktor für Nephropathien. Auch das Suchtpotenzial oder das Risiko für einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK) werde durch den Zusatz von Koffein nicht erhöht, so Gaul. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2018

 

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