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BERATUNGSPRAXIS

Abnehmmittel

Von wegen natürlich schlank


Von Verena Arzbach / Verschreibungspflichtige Arzneimittel zur Gewichtsabnahme sind schweren Fällen von Adipositas vor­­behalten. Wer lediglich ein paar Kilogramm abnehmen und dazu unterstützend ein – möglichst natürliches – Präparat einnehmen will, findet in Apotheken und Drogerien verschie­dene Möglichkeiten. Oft versprechen diese Mittel große Effekte und einen schnellen Diäterfolg. Welche Produktgruppen haben tatsächlich eine Wirkung?

 

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Wer sich näher über freiverkäufliche Abnehmmittel informiert, stößt zunächst auf sogenannte Fettblocker oder Fettbinder, beispielsweise Formoline L112 oder XLS-Medical Fett­binder. Sie sollen die Fettresorption verringern, indem sie Nahrungsfette binden und wieder ausscheiden. Formoline L112 enthält den Faserstoff Polyglucosamin (L112) aus Krebstier­panzern. XLS-Medical und vergleich­bare Produkte aus dem Drogeriemarkt enthalten als Wirkstoff Lipoxitral™ oder Litramine™, einen Faserkomplex aus dem Feigenkaktus.




Foto: Shutterstock/caimacanul


Da es sich in der Regel um Medizinprodukte handelt, sind die Hersteller nicht verpflichtet, klinische Studien durchzuführen. Für Formoline L112 und das höher dosierte Formoline L112 extra, die exklusiv über Apotheken ver­trieben werden, wirbt der Hersteller zwar mit Daten aus kleineren doppelblinden, placebokontrollierten Studien. Sie zeigen, dass der Faserkomplex die Gewichtsabnahme bei einer Diät im Vergleich zu Placebo etwas erhöhen kann und positive Effekte auf den Blut-Cholesterol-Wert hat. Auch zu Litramine, dem Inhaltsstoff von XLS-Medical Fettbinder, gibt es einzelne Studien, die auf bessere Abnehmerfolge als mit Placebo­ schließen lassen könnten. Tatsächlich­ ist die Datenlage aber eher dünn: Das Verbrauchermagazin Öko-Test, das Anfang 2018 verschiedene Schlankheitsmittel getestet hat, sieht die Wirkung der Fettbinder als nicht ausreichend bewiesen an.

Ein wichtiger Hinweis für Kunden: Werden Fette aus der Nahrung ge­bunden, können auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K nicht mehr ausreichend aufgenommen werden. Gleiches gilt bei lipophilen Arzneistoffen, etwa Hormonpräparaten oder hormonellen Kontrazeptiva. Patienten sollten hier einen zeitlichen Abstand von mindestens vier Stunden bei der Einnahme einhalten. Auch sollte auf eine aus­reichend hohe Trinkmenge geachtet werden, sonst kann es zu gastrointes­tinalen Beschwerden wie Blähungen oder Verstopfung kommen. Patienten mit chronischen Verdauungsproblemen oder chronischen Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis­ ulcerosa oder Reizdarm-Syndrom sollten vor der Einnahme ihren Arzt befragen.

Ähnlich wie Fette sollen auch Kohlenhydrate aus der Nahrung gebunden werden können. Der Kohlenhydrat­blocker von XLS-Medical und entsprechende Drogeriemarkt-Zubereitungen enthalten beispielsweise einen Glykoproteinkomplex aus Bohnen, als PhaseLite™ oder GlycoLite™ patentiert. Dieser reduziert die Aktivität des Enzyms α-Amylase, das während der Verdauung Kohlenhydrate in Glucose aufspaltet. So soll der Körper weniger Glucose aufnehmen. Ob das tatsächlich beim Ab­nehmen hilft, ist fraglich: Die Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Größere klinische Studien gibt es nicht.

Durch Quellung satt

Besser ist die Datenlage bei Präparaten mit Glucomannan aus der Knolle der asiatischen Konjak-Pflanze (zum Beispiel Bionorm Sättigungskapseln, Formoline­ Mannan). Die enthaltenen Ballaststoffe quellen – werden sie vor einer Mahlzeit eingenommen – im Magen­ auf und wirken sättigend. Auch auf den Cholesterolspiegel und die Darmgesundheit soll sich Glucomannan positiv auswirken können. Glucomannan wird übrigens in Asien in zahlreichen Lebensmitteln wie Stärke verarbeitet, zum Beispiel in Gelees oder Glasnudeln. Auch in der EU ist es als Lebensmittel-Zusatzstoff unter der Nummer E 425 zugelassen.

Die Europäische Behörde für Lebens­mittelsicherheit (EFSA) bescheinigt Glucomannan eine belegte gewichtsreduzierende Wirkung im Rahmen einer kalorienreduzierten Diät. Produkte mit Glucomannan dürfen also mit dieser Aussage, einem entsprechenden Health Claim, werben – aber nur, wenn pro Portion 1 g Glucomannan enthalten ist und täglich 3 g Glucomannan in drei Portionen vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Der zweite zugelassene Claim »Glucomannan trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei« darf nur bei einer Aufnahme von 4 g pro Tag verwendet werden.




Es bleibt dabei: Wer gesund abnehmen will, kommt an einer ausgewogenen Ernährung mit viel Obst und Gemüse nicht vorbei.

Foto: iStock/caimacanul


Langzeiterfolg fraglich

Wie viel Wirkstoff die entsprechenden Medizinprodukte tatsächlich enthalten­, ist meist nicht deklariert. Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale sehen die Produkte kritisch­: Gerade zu Beginn einer Diät könnten die aufgequollenen Ballaststoffe zwar das Hungergefühl reduzieren und so den Gewichtsverlust unterstützen. Langzeit­erfolge seien jedoch nicht zu erwarten, schreibt die Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite. Es lägen keine Ergebnisse von Studien vor, die länger als drei Monate andauerten. Der Körper könne sich an das erhöhte Nahrungsvolumen gewöhnen, und das Hungergefühl könne über einen gefüllten Magen nur gedämpft, nicht ausgeschaltet werden, so die Kritikpunkte.

PTA und Apotheker sollten Anwender darauf hinweisen, dass die Kapseln mit ein bis zwei Gläsern Wasser eingenommen werden müssen. Eine zu hohe Verzehrmenge kann wie bei anderen Ballaststoffen zu Völle­gefühl, Bauchschmerzen und Blähungen führen.

Fettverbrennung angeregt

Eine weitere Gruppe der natürlichen Schlankheitsmittel sind Fatburner: Substanzen, die den Stoffwechsel anregen und vermehrt Fett verbrennen sollen. So beworbene Mittel­ werden in der Regel über Drogeriemärkte und Reformhäuser vertrieben. Sie enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, etwa Polyphenole aus Zitrusfrüchten, Flavonoide aus Süßholzwurzeln und/oder Koffein, grünen Tee oder Guarana (zum Beispiel Alsiroyal® Figura Fat­burner).

Wirkung nicht belegt

Wirkversprechen solcher Nahrungs­ergänzungsmittel sind wissenschaftlich nicht belegt und EU-rechtlich auch nicht erlaubt. Die Verbraucherzentrale warnt online: »In vielen Fatburnern wird eine Vielzahl von Pflanzen­extrakten zusammengemischt. Selbst wenn die einzelnen Substanzen nicht in gesundheitsgefährdenden Mengen enthalten sind, ist die Wirkung dieser Stoffmischungen nicht einzuschätzen, und es kann zu unerwarteten gefährlichen Wirkungen kommen.« Dazu kommt, dass viele Fatburner für Lebens­mittel verbotene Substanzen enthalten. Ein hohes Risiko besteht, wenn sie über dubiose Quellen aus dem Ausland über das Internet bezogen werden (siehe Kasten). /


Warnung vor Mitteln aus dem Internet

Wer vermeintlich natürliche Schlankheitsmittel über dubiose Quellen im Internet bestellt, kann mitunter böse Überraschungen erleben. Das Landesuntersuchungsamt (LUA) Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren in mehreren solcher Mittel gesundheitsschädliche Substanzen nachgewiesen und rät daher grundsätzlich vom Kauf solcher Produkte über das Internet ab.

Immer wieder enthielten vermeintlich harmlose Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen Arzneistoffe, die nicht auf der Verpackung deklariert waren, warnt das LUA auf seiner Webseite. Besonders häufig fanden die Wissenschaftler in der Vergangenheit Sibutramin. Der selektive Noradrenalin- und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer war bis Anfang 2010 in Europa zur Behandlung von Adipositas unter ärztlicher Aufsicht­ zugelassen. Da unter der Einnahme teils gravierende Nebenwirkungen wie kardiovaskuläre Zwischen­fälle auftraten, ruht die Zulass­ung inzwischen. Sibutraminhaltige Produkte dürfen daher in Deutschland nicht verkauft werden, der Handel damit ist strafbar.

Auch Phenolphthalein wird immer wieder in Schlankheitsmitteln nachgewiesen. Die Substanz wirkt abführend, so soll ein schneller Gewichtsverlust vorgetäuscht werden. Phenolphthalein steht unter Verdacht, krebserregende Neben­wirkungen zu haben.

Eine Auflistung der Mittel, vor denen das LUA warnt, finden Interessierte hier: lua.rlp.de/de/unsere-themen/lexikon/lexikon-s/schlankheitsmittel/.



Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2018

 

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