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BERATUNGSPRAXIS

Inhalieren

Mehr als heiße Luft


Von Annette Immel-Sehr / Inhalieren ist ein uraltes Therapie­verfahren. Noch heute wissen Kranke seine angenehme Wirkung zum Beispiel bei Erkältung oder Bronchitis zu schätzen. Auch wenn das Prinzip seit Jahrhunderten das­selbe ist, hat sich die Technik weiterentwickelt.

 

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Die angenehme, heilende Wirkung der Inhalation beruht auf dem eingeatmeten heißen Wasserdampf. Er reinigt die Schleimhäute in den Atemwegen und steigert ihre Durchblutung. Dies wiederum unterstützt die körpereigene Reinigungs­- und Abwehrfunktion. Die Befeuchtung gereizter Schleimhäute lindert den Hustenreiz. Hartnäckig festsitzender Schleim in Nase und Bronchien löst sich. Dadurch fällt es leichter, das Sekret durch Schnäuzen beziehungsweise Husten herauszu­befördern­. Inhalieren hilft demnach bei Schnupfen, Nasennebenhöhlen­beschwerden und Husten.




Eine Inhalation ist nicht nur wohltuend: Die Schleimhäute werden gereinigt und ihre Durchblutung gefördert.

Foto: iStock/plprod


Wie bei einer pharmakologischen Behandlung kommt es auch bei dieser physikalischen Therapie auf die ­richtige Dosierung an: Um einen ­guten Effekt zu erzielen, sollte mehrmals täglich 15 bis 20 Minuten inhaliert werden. Der wohltuende Effekt von heißem Wasser lässt sich durch den Zusatz von Heilpflanzen, ätherischen Ölen oder Kochsalz weiter steigern. Für erkältete Patienten ist es wichtig, nach dem Inhalieren Kälte und Zugluft zu meiden. Um den Kreislauf nicht zu sehr zu belasten, sollten sich Kranke – vor allem ältere Patienten – nach dem Einatmen des heißen Dampfes eine Weile schonen und gut zugedeckt ­hinlegen. Menschen mit sehr niedrigem Blutdruck und anderen Kreislauf­störungen, mit entzündlichen Hauterkrankungen oder Augenleiden sollten nicht inhalieren.

Prinzipiell geht Inhalieren ganz einfach: Man füllt heißes Wasser (60 bis 70 Grad Celsius) in eine große Porzellanschüssel, fügt eventuell Inhalationszusätze hinzu und stellt das Ganze auf einen Tisch. Nun setzt sich der Kranke davor, breitet ein Handtuch über Kopf und Schüssel und atmet den auf­steigenden Dampf ein. Auf diese Weise inhalierten schon unsere Vorfahren. Allerdings nahmen sie bei dieser einfachen ­Methode einige Nachteile in Kauf: Die Augen werden durch den heißen Dampf und die möglicherweise zu­gesetzten ätherischen Öle meist so ­gereizt, dass die Inhalation zu früh abgebrochen­ wird. Nicht zu unterschätzen ist auch das Gefahrenpoten­zial. Denn wenn die Schüssel umkippt, führt dies nicht selten zu schweren Verbrühungen­. Kinder mit ihrem Bewegungsdrang und ungelenke ältere Pa­tienten sind hier besonders gefährdet.

Gefahrlos nutzbar

Deswegen sollten PTA und Apotheker Kunden in der Apotheke empfehlen, stattdessen einen Dampfinhalator zu benutzen. Diese einfachen Geräte aus Kunststoff sind allein oder in Kombinationspackungen zusammen mit einem Inhalationszusatz erhältlich, zum Beispiel­ Pinimenthol, Kamillosan, Soledum oder Wick Dampf Inhalator. Dabei wird das heiße Wasser mit oder ohne Zusatz in ein sicher verschließbares Gefäß­ eingefüllt, auf dem ein maskenartiger Aufsatz angebracht ist. Der ­Anwender beugt sich darüber und drückt das Gesicht fest an den Aufsatz, sodass Nase und Mund umschlossen sind, die Augen aber frei bleiben. So kann er den Dampf in Ruhe einatmen, ohne dass seine Augen gereizt werden. Die meisten­ Dampfinhalatoren haben eine wärmeisolierende Doppelwand und/oder Tragegriffe, sodass sich ­niemand daran verbrennen kann. Dennoch sollten Kinder nicht ohne Aufsicht inhalieren. Für Kleinkinder empfiehlt sich aller­dings aus Gründen der korrekten Anwendung und der Sicherheit ­ohnehin ein elektrisch betriebener ­Inhalator. Hier gibt es handliche Geräte – zum Teil mit Batterie – die sich auch für die kleinen­ Patienten gut eignen.

Als Zusätze für die Dampfinhalation kommen Drogen wie Pfefferminzblätter, Kamillenblüten oder Thymiankraut sowie ätherische Öle infrage, beispiels­weise Latschenkiefer- oder Eukalyptusöl. Für Säuglinge und Kleinkinder gilt allerdings beim Inhalieren genauso wie beim Einreiben, dass keine Menthol- oder Kampher-haltigen Zusätze verwendet werden sollen. Andernfalls ­besteht die Gefahr eines Stimmritzenkrampfes.

Auswahl treffen

Die Arzneipflanzen beziehungsweise die daraus gewonnenen ätherischen Öle wirken je nachdem schleimlösend, keimtötend und/oder entzündungshemmend. Vor der Empfehlung eines solchen Inhalationszusatzes, sollten PTA und Apotheker allerdings nach­fragen, ob der Patient möglicherweise gegen die Pflanze oder deren Inhaltsstoffe allergisch reagiert. In diesem Fall ist auf die Anwendung zu verzichten. Auch bei einigen anderen Erkrankungen ist der Zusatz von ätherischen Ölen kontraindiziert. So empfinden Asthmatiker, Keuchhustenpatienten und Kinder­ mit Pseudokrupp insbesondere Eukalyptusöl häufig als sehr stark ­reizend. Der Reiz kann so stark sein, dass es zu einer Bronchokonstriktion kommt.




Sollen die Tröpfchen bis in die Bronchien gelangen, ist ein Inhaliergerät nötig.

Foto: Fotolia/ruslanshug


Bei der Dampfinhalation setzen sich die eingeatmeten Wassertröpfchen in Nase und Rachen ab. Das Verfahren ist deshalb zur Behandlung von Schnupfen­, Nasen­neben­höhlenbeschwerden, Halsschmerzen und Reizhusten geeignet. Um aber eine Bronchitis behandeln zu können, müssen die Tröpfchen wesentlich kleiner sein, damit sie bis tief in die Lunge dringen können. Dazu braucht es Inhaliergeräte mit Vernebler­funktion. Je nach Technik wird zwischen Düsen-, Ultraschall- und Schwingmembran­vernebler unterschieden. Düsenvernebler – auch als Druckluftinhalatoren ­bezeichnet – sind die derzeit am weitesten verbreiteten Geräte. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie nicht ganz leise arbeiten. Ultraschallver­nebler sind meist batteriebetrieben. Sie liegen gut in der Hand. Schwing­membran-Inhalatoren sind sehr leistungsstark, sodass die Behandlungszeit im Vergleich zu anderen Techniken kürzer­ ausfallen kann. Sie eignen sich deswegen sehr gut für den Einsatz bei Babys und Kleinkindern.

Immer reinigen

Vernebler sind die idealen Geräte, um isotonische Kochsalzlösung zu in­halieren und damit die Atemwege zu befeuchten und Schleim zu lösen. Einfache­ Dampfinhalatoren taugen dazu nicht. Denn das Salz würde im Topf zurückbleiben und lediglich der Wasserdampf aufsteigen. Isotonische Kochsalzlösungen zur Inhalation lassen sich auch von Laien selbst herstellen. Dazu lösen sie 0,9 Gramm Speisesalz ohne weitere Zusätze in 100 Milliliter abgekochtem Wasser. Wer zu Hause über keine genaue Waage verfügt oder es bequemer haben möchte, kann fertig­ abgefüllte Ampullen verwenden, etwa von Pari, Emser oder Belair.

Drogen, Erkältungssalben oder zähe Flüssigkeiten sollten nicht in die Vernebler gegeben werden, weil sie die Geräte beschädigen können. Ätherische Öle sind meist kein Problem, doch sollte der Anwender zur Sicherheit zuvor die Herstellerangaben lesen.

Ein wichtiger Hinweis, den PTA und Apotheker bei der ­Abgabe von Inhala­tionsgeräten geben sollten, betrifft die Reinigung. Dampfinhalatoren sowie Vernebler sind nach jedem Gebrauch­ gründlich auszu­spülen – manche Teile eige­nen sich auch für die Spül­maschine. Anschließend­ müssen sie vollständig trocknen, damit sich keine Bakterien ­ansiedeln können­. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 23/2018

 

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