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BERATUNGSPRAXIS

Blauer Dunst

Nur Abstinenz ist gesund


Von Nicole Schuster / Die Raucherzahlen gehen zwar immer weiter zurück, doch bezieht sich das vor allem auf die klassische Zigarette. Alternative Formen wie Shishas oder E-Produkte erfreuen sich indes einer zunehmenden Beliebtheit. Unbedenklich sind sie jedoch ebenfalls nicht. Tabakerhitzer sollen zwar eine risikoreduzierende Alternative darstellen, die Datenlage ist aber bisher nur mäßig.

 

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Tabakkonsum steht ganz oben auf der Liste der Gesundheitsrisiken. Weltweit sterben mehr als sieben Millionen Menschen jährlich an den Folgen. In Deutschland verbleibt dennoch der Verbrauch von Tabakprodukten auf einem­ sehr hohen Niveau. Am beliebtesten ist nach wie vor die klassische Zigarette, die aus von Papier um­hüllten, klein geschnittenen Tabak­stücken besteht. Kostengünstiger als die fertigen Zigaretten sind Produkte zum Selberdrehen. Bei Zigaretten hält angeblich der Filter Giftstoffe zurück – das funktioniert aber nur in äußerst begrenztem Maß. Ebenso trügerisch ist die durch die Tabakindustrie geförderte Vorstellung, dass Produkte, denen Aroma­ oder Pfefferminzöl beigefügt ist, gesünder seien.




120 000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr vorzeitig an den Folgen ihres Tabakkonsums.

Foto: iStock/nensuria



Stark im Kommen ist Pfeifentabak, dessen Verbrauch letztes Jahr außer­ordentlich stark zugenommen hat. Der Raucher zieht dabei den Rauch des verbrennenden Tabaks durch ein Mundstück ein. Anders als bei Zigaretten, wird der Rauch nicht direkt inhaliert, sondern verbleibt einige Sekunden im Mundraum. Auch der Zigarrenkonsum ist weiterhin ein Thema. Die ganzen oder zugeschnittenen Tabakblätter enthalten wie Zigaretten zahlreiche Giftstoffe.

Bei Kautabak handelt es sich nach EU-Recht um rauchfreie Tabak­­­­­er­zeugnisse, die ausschließlich gekaut konsumiert werden können. Entsprechende Produkte werden in Form von losen Blättern, Pastillen oder in Stücken in den Mund gelegt, wo der Speichel Nikotin und andere Giftstoffe herauslöst.

Trend aus dem Orient

Eine weitere Alternative: die orientalische Wasserpfeife, auch als Shisha ­bezeichnet. Anders als bei Zigaretten verbrennt der Tabak nicht, sondern verschwelt bei niedrigeren Temperaturen. Die Konsumenten atmen den Rauch ein, der zuvor ein wassergefülltes Gefäß­ durchwandert hat. Der Tabak ist oft mit Früchten, Fruchtessenzen, Sirup und anderen Substanzen aromatisiert und enthält Feuchthaltemittel – diese Zusätze bringen weitere Gesundheitsrisiken mit sich.

Seit gut zehn Jahren erweitert die E-Zigarette­ die Auswahl an Rauch­systemen. Das Gerät besteht aus ­einem Akku als Stromquelle, einem elektrischen Vernebler und einer auswechselbaren Kartusche mit einer darin enthaltenen Flüssigkeit. In diesem »Liquid« befinden sich Stoffe wie Propylenglykol oder Glyzerin als Vernebelungsmittel, Wasser, Ethanol, Nikotin – es gibt auch nikotinfreie Alternativen – und Aromastoffe. Die Flüssigkeit wird beim Ziehen am Mundstück vernebelt, und der ­Anwender inhaliert­ den entstehenden Dampf. Die Produkte simulieren auf diese Weise das klassische Rauchen.

Neben E-Zigaretten gibt es auch ­E-Shishas­. Dabei handelt es sich um ­Einwegprodukte, die wegen ihres fruchtigen oder süßen Geschmacks der enthaltenen Liquids an Shishas erinnern.

Ernste Folgen für die Gesundheit

Beim Konsum von Zigaretten, Zigarre, Pfeife und Shishas entsteht Tabakrauch. »Dabei handelt es sich um ein komplexes Gemisch aus über 5300 Substanzen mit zahlreichen giftigen und etwa 90 (möglicherweise) krebser­zeugenden Stoffen, die beim Inhalieren durch die Lunge sehr schnell und ef­fizient aufgenommen werden«, erklärt Michaela Goecke, Leiterin des Referats Prävention des Substanzmissbrauchs von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Gespräch mit dem PTA-Forum. »Tabakrauch schädigt nahezu jedes Organ des Körpers und ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für chronische Krankheiten wie Atemwegserkrankungen (COPD), Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes. Das enthaltene ­Nikotin führt in kurzer Zeit zu einer physischen und psychischen Abhängigkeit«, warnt die Expertin.

Die einzelnen Produkte unter­scheiden sich leicht in ihrem Gefährdungspotential. Für Konsumenten von Zigarre/Zigarillo oder Pfeife ist beispielsweise das Risiko, an bestimmten Krebsarten im Mundraum zu erkranken, besonders groß. »Der Rauch dieser Produkte verbleibt länger im Mundraum (»Paffen«) und kann so an Gaumen, Rachen, Zahnfleisch und Zunge Tumore verur­sachen«, berichtet Goecke. »Zudem werden hierbei krebserregende Stoffe mit dem Speichel ­verschluckt und über die Mundschleimhaut aufgenommen. Dies kann dazu führen, dass Tumore im Verdauungssystem oder in der Blase entstehen.«




E-Zigaretten bringen gegenüber den klassischen Varianten keinen gesundheitlichen Vorteil.

Foto: iStock/gawriloff


»E« bedeutet nicht harmlos

Die gute Nachricht: Immer weniger Jugend­liche in Deutschland rauchen. Aktuell greifen nur weniger als 10 Prozent regelmäßig zu klassischen Tabakprodukten wie Zigaretten. Der Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas zeigte im Vergleich zu 2012 beziehungsweise 2015 keine statistisch bedeutsamen Unterschiede. Anders jedoch bei den jungen Erwachsenen: In der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen sind E-Inhalationsprodukte und die orientalische Wasserpfeife auf dem Vormarsch. Die ­gesundheitlichen Auswirkungen dieser vermeintlich unbedenklicheren Alternativen zur Tabakzigarette sind noch unklar, es fehlen Erkenntnisse zu Langzeitschäden. Kurzfristig können die entstehenden Aerosole zu Atemwegs­irritationen, Entzündungsreaktionen in den Bronchien, trockenem Husten, ­zu einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion sowie Kopfschmerzen und Übelkeit führen. E-Zigaretten gelten außerdem als möglicher Einstieg in das Rauchen klassischer Zigaretten. Wegen ihrer unabsehbaren Folgen für die Gesundheit­ sind die Produkte für Kinder­, Jugendliche, Schwangere und Personen mit geschädigter Lunge oder Herz-Kreislauferkrankungen ungeeignet. Für Jugendliche unter 18 Jahre ­besteht seit dem 1. April 2016 in Deutschland daher auch ein Abgabe- und Anwendungs­verbot selbst für ­nikotinfreie Geräte.

Gekühlt, nicht gefiltert

Das Inhalieren mit einer Wasserpfeife ist ebenfalls nicht zu verharmlosen. »Beim Konsum kommen Gefahren etwa durch die Feuchthaltemittel und weitere Zusätze im Wasserpfeifen­tabak hinzu. Zu bedenken ist auch, dass durch das Wasser der Tabakrauch lediglich gekühlt und nicht, wie viele ver­muten, gefiltert wird«, sagt die ­Leiterin des BZgA-Referats Sucht­prävention. Besonders kritisch sei das Rauchen in geschlossenen Räumen, wenn diese nicht gut gelüftet werden: »Beim Er­hitzen des Tabaks entsteht Kohlenmon­oxid, ein unsichtbares, ­geruchloses Gas, das zu Vergiftungen führen kann.«

Seit 2016 gilt in Deutschland eine Richtlinie der Europäischen Union zur Regelung der Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen für E-Zigaretten und Liquids. E-Zigaretten dürfen nur noch höchstens 20 mg Nikotin pro ml enthalten, die genauen Inhaltsstoffe müssen auf der Verpackung ange­geben sein. Verpflichtend ist ein Beipack­zettel. Die Werbebeschrän­kungen, die für klassische Tabakerzeugnisse gelten, sind auch für E-Zigaretten umzusetzen.

Tabakerhitzer – die gesündere Alternative?

Als Innovation und risikoreduzierte Neuheit feiert die Industrie den Tabak­erhitzer. Hier wird der Tabak elektronisch verdampft, wobei Nikotin freigesetzt, aber kein Verbrennungsprozess mit Entstehung weiterer kanzerogener Stoffe in Gang gesetzt werden soll. Der Konsument nimmt dabei zwar Nikotin auf, laut Studien, unter anderem unter Mitwirkung des Bundesinstituts für ­Risikobewertung (BfR), weist aber das Aerosol im Vergleich zur Verbrennungszigarette eine geringere Menge an ­karzinogenen Stoffen auf. Da gesundheitliche Beeinträchtigungen dennoch nicht auszuschließen sind, können ­Experten noch nicht endgültig bewerten, wie risikoreduzierend die Geräte wirklich sind.

Der Verzicht auf Zigaretten und Co. bleibt der Gesundheit zuliebe also weiterhin alternativlos. Oder, wie es die BzgA-Expertin formuliert,: »Gesund ist nur der Verzicht auf jegliche Form von Tabakkonsum.« /


Weg vom Qualmen

Der Weg zur Abstinenz ist oft lang und beschwerlich. Wichtigste Voraussetzung: ein fester Wille. Beschwerden wie Konzentrations­­- s­törungen, Zittern, Schwitzen, Schweißausbrüche oder Kopfschmerzen vergehen meistens bereits nach den ersten drei rauchfreien Tagen. Unterstützen können Nikotinersatzmittel aus der Apotheke, die den Giftstoff etwa in Form von Kaugummis, Lutschtabletten, Inhalatoren, Sprays oder Pflastern zuführen.

Schwerer ist es, der lebenslang bestehenden psychischen Sucht gegenüber standhaft zu bleiben. Dabei hilft: für Stresssituationen neue Kompensationsmechanismen suchen, Situationen, die mit dem Rauchen verbunden sind, wie ein Besuch in der Stammkneipe, meiden. Auch kann es helfen, den Griff zur Ziga­rette bei starkem Verlangen erst einmal aufzuschieben, da die Lust meistens­ nach einiger Zeit wieder ver­schwindet. Auch Ablenkung ist gut, etwa Tätigkeiten ausführen, die wie Duschen nicht mit dem Rauchen vereinbar sind. Hilfe bieten zudem Seminare zur Raucherentwöhnung oder spezielle alternative Behand­lungen wie Akupunktur oder Hypnose. Apps können den Weg in ein qualmfreies Leben unterstützen.



Beitrag erschienen in Ausgabe 23/2018

 

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