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POLITIK UND BERUF

Resilienz

Die innere Stärke


Von Andreas Nagel / Fast jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens mit seelisch belastenden Situationen, Lebenskrisen oder Schicksalsschlägen konfrontiert. Auf derartige Ereignisse reagieren Betroffene unterschiedlich. Manche Menschen zerbrechen daran und werden körper­lich oder psychisch krank. ­Andere richten sich nach einer Krise annähernd unversehrt ­ wieder auf – wie ein Stehaufmännchen. Woran liegt es, dass Menschen so unterschiedlich reagieren?

 

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Der Begriff Resilienz (lateinisch resilire: zurückspringen, abprallen) stammt ursprünglich aus der Physik und bezeichnet die Fähigkeit elastischer Materialien, nach einer Verformung wieder ihre ursprüngliche Form anzunehmen, wie etwa ein Schaumstoff. Die Psychologie hat diesen Begriff auf den Menschen übertragen. Hier versteht man unter Resilienz die Fähigkeit, Lebenskrisen und Extremsituationen, zum Beispiel den Tod nahestehender Menschen, schwere Krankheiten, Scheidung, Arbeitslosigkeit, Misshandlung, Vergewaltigung, Eintritt körperlicher Behinderungen oder Kriegserlebnisse ohne dauerhafte psychische Beeinträchtigung zu überstehen und danach wieder ein normales Leben zu führen.




Foto: iStock/alvarez



Der Begriff wird zunehmend auch für Menschen verwendet, die hohe berufliche Belastungen bewältigen, ohne von Burn-out oder anderen Stresssymptomen betroffen zu sein. Resilienz ist allerdings nicht nur für Einzelpersonen relevant, sondern auch für Unternehmen. Ein Resilienztraining im Unternehmen kann dazu beitragen, die Belastungsfähigkeit des Teams und die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen und Fehlzeiten zu reduzieren. In der Psychologie werden häufig sieben Faktoren unterschieden, die zu einer hohen Resilienz führen. Je ausgeprägter diese Eigenschaften bei einer Person sind, desto besser kann derjenige mit Belastungen und Krisensituationen umgehen.

Akzeptanz

Akzeptanz bezeichnet die Fähigkeit, belastendende Ereignisse, Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge als normale Begleitumstände des menschlichen Lebens anzunehmen. Man kann nicht erwarten, dass das Leben immer harmonisch und problemlos verläuft. Resiliente Menschen betrachten Lebenssituationen wie den Wechsel der Jahreszeiten. Nach einem schönen Sommer kommt ein kalter Winter, nach hellem Tag kommt dunkle Nacht und auf warme Sonne folgt kalter Regen. Man kann solche Wechsel nicht vermeiden, man kann sich nur darauf vorbereiten, etwa indem man rechtzeitig Winterbekleidung oder einen Regenschirm kauft. Akzeptanz bedeutet außerdem, unangenehme Ereignisse und Situationen, die nicht mehr zu ändern sind, anzunehmen und gedanklich damit abzuschließen. Es ist in diesen Fällen nicht hilfreich, sich selbst zu bemitleiden und mit der Frage »Warum muss das gerade mir passieren?« im Kummer zu ver­sinken. Wer das unangenehme Ereignis immer wieder durchdenkt, gibt ihm dadurch­ dauerhaft eine zu große Bedeutung in seinem Leben.




Foto: Shutterstock/ mimagephotography


Optimismus

Optimismus ist die Fähigkeit, hoffnungsvoll und positiv in die Zukunft zu sehen. Optimisten glauben, dass Schwierigkeiten und Krisen immer nur vorübergehend sind, und sie gehen davon aus, dass es danach eine bessere Zukunft geben wird. Diesen Menschen gelingt es, auch in schwierigen Situa­tionen noch positive Aspekte zu er­kennen. Sie fragen sich: »Was ist trotz der derzeitigen Krisensituation gut in meinem Leben? Wofür bin ich dankbar?« »Welche Probleme habe ich in der Vergangenheit bereits erfolgreich gelöst und warum kann es mir auch in der derzeitigen Situation gelingen?« Diese bewusste Konzentration auf positive Aspekte verleiht Kraft zur Lösung der aktuellen Probleme. Wer seine konstruktiven Gedanken und Ideen schriftlich festhält, kann bei Bedarf jederzeit darauf zurückgreifen und bei Stimmungstiefs neue Energie gewinnen.

Lösungsorientierung

Lösungsorientierung bedeutet, systematisch nach Lösungen für die aktuelle Problemsituation zu suchen und Wege zur Realisierung zu finden. Re­siliente Menschen betrachten schwierige Situationen als Herausforderung an ihre Problemlösungsfähigkeiten. Sie fragen nicht »Warum trifft es gerade mich?«, sondern: »Jetzt hat es mich getroffen! Wie kann ich nun das Beste aus dieser Situation machen?« Ideen entstehen dann je nach Situation durch eigenes Nachdenken, durch Gespräche mit Freunden, Beratern, Fachleuten und Gleichgesinnten oder durch eigene Recherchen im Internet und in der Literatur.




Foto: iStock/Nikada


Selbstvertrauen

Selbstvertrauen ist der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und die Über­zeugung, negative Situationen durch eigenes Handeln verändern zu können. Wer sich hingegen als wehrloses Opfer widriger Umstände oder anderer Personen sieht, fühlt sich meist machtlos und alleine gelassen. Diese Opferrolle versperrt die Möglichkeit, konstruktiv nach vorne zu schauen und die eigene Zukunft selbst zu gestalten.

Eigenverantwortung

Eigenverantwortung bedeutet, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, und zwar für die Ver­gangenheit, die Gegenwart und die Zukunft­. Eigenverantwortliche Menschen fragen sich selbstkritisch, durch welche Handlungen, Entscheidungen und Verhaltensweisen sie selbst zu ihrer derzeitigen Situation beigetragen haben. Sie versuchen nicht, nachträglich anderen Menschen die Schuld für die eigenen Entscheidungen zuzuschieben. Eigenverantwortliche Menschen glauben auch, dass die persönliche Zukunft vorrangig von ihren eigenen Entscheidungen und Handlungen abhängt – und nicht von anderen Personen. Sie sagen sich: »Der wichtigste Schlüssel für eine bessere Zukunft bin ich selbst!«

Soziale Kontakte nutzen

Netzwerkorientierung bezeichnet die Fähigkeit, ein soziales Kontaktnetzwerk zu knüpfen und zu nutzen. Ein solches Beziehungsnetzwerk erweist sich in schwierigen Zeiten als besonders wertvoll. Wer Freunde hat, mit denen er schwierige Situationen besprechen kann und die bei der Problemlösung behilflich sind, hat das positive Gefühl, mit seinen Problemen nicht alleine zu sein und erlangt dadurch ein Gefühl der Stärke. Ohne ein soziales Netzwerk führen Krisen oft zu einem immer stärkeren Rückzug und zur Vereinsamung.




Foto: iStock/ Kouichi Chiba


Zukunftsplanung

Resiliente Menschen formulieren Ziele und Pläne für ihr zukünftiges Leben und schaffen sich auf diese Weise eine Vision von einer besseren, lebenswerten Zukunft. Aus dieser Vorstellung entsteht die Kraft, trotz einer aktuell schwierigen Lebenssituation weiterzumachen und keinesfalls aufzugeben. Besonders vorausschauende Menschen denken bereits in positiven Lebensphasen darüber nach, was sie tun würden, wenn wirklich einmal denkbare Krisensituationen wie Krankheit, Verlust des Lebenspartners oder Arbeitslosigkeit eintreten würden. Wenn die Situation tatsächlich eintreten sollte, ist der Betroffene nicht unvorbereitet und kann das Ereignis deutlich leichter bewältigen.

Die eigene Resilienz kann durch die Stärkung der einzelnen Resilienzfaktoren bewusst trainiert und verbessert werden. Das ist sicherlich eine große Herausforderung, da häufig eine Veränderung bisheriger Denk- und Verhaltensweisen erforderlich ist. Aber es lohnt sich, denn es entsteht das positive Gefühl, auch großen Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein, mit Stress gut umgehen zu können und sich dadurch ein wenig wie der »Fels in der Brandung« zu fühlen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 24/2018

 

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