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POLITIK UND BERUF

Lernpsychologie

Leichter lernen – aber richtig


Von Andreas Nagel / Eine hohe Fach- und Beratungskompetenz ist für jede Apotheke ein wichtiger Erfolgsfaktor. Es bedeutet ­allerdings eine große Herausforderung, sich das erforderliche ­Wissen anzueignen und dauerhaft auf dem aktuellen Stand zu halten. Jede PTA sollte daher über eine individuelle Lernstrategie für die persönliche Aus- und Fortbildung verfügen.

 

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Die heutige Zeit ist von einem immer schnelleren Wandel geprägt. Der persönliche Lernprozess endet daher nicht mit der Schul- und Berufsausbildung, sondern dauert in den meisten Berufen lebenslang an. Wer sich regelmäßig weiterbildet und zusätzliche Qualifikationen aneignet, sichert damit nicht nur seinen Arbeitsplatz. Die Arbeit macht auch mehr Spaß, wenn Kunden, Kollegen und Chefs häufiger ein positives Feedback geben. Außerdem wirken sich qualifizierte Leistungen meist auch auf das Gehalt aus. Trotzdem fällt vielen Menschen das Lernen nicht immer leicht. Es kostet oft große Überwindung, Fachliteratur zu lesen, Lehrgänge und Seminare zu besuchen oder sich im Selbststudium neues Wissen anzueignen. Mit der richtigen Vorgehensweise und einigen bewährten Techniken kann der Lernprozess meist deutlich einfacher und angenehmer gestaltet werden. Wählen Sie aus den folgenden Vorschlägen diejenigen Maßnahmen aus, die am besten zu Ihnen und Ihrer persönlichen Situation passen.




Konzentration fällt in Zeiten smarter Ablenkung noch schwerer.

Foto: Getty Images/EMS- Forster-Productions


Zeitplan erstellen

Der umfangreichste Lernstoff steht meist bei der Vorbereitung auf eine Prüfung an. Erstellen Sie daher in diesem Fall zunächst eine vollständige Übersicht über den gesamten Prüfungsstoff. Fragen Sie sich dann anhand Ihrer Zusammenstellung: »Welche Themen sind besonders prüfungsrelevant?« Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Bereiche, die für die Praxis besonders wichtig sind und von denen Sie erwarten, dass sie in der ­Prüfung mit hoher Wahrscheinlichkeit ­abgefragt werden. Vielleicht gelingt es Ihnen, den Prüfungsstoff durch eine Auswertung zurückliegender Prüfungsaufgaben, durch Gespräche mit Lehrern oder durch eine Befragung früherer Prüflinge etwas einzugrenzen. Manchmal sind Themengebiete erkennbar, die besonders häufig geprüft werden. Diese Themen sollten Sie dann vorrangig und intensiv bearbeiten. Tragen Sie den Prüfungstermin in Ihren Terminkalender ein und rechnen Sie von diesem Datum bis zum heutigen Tag zurück. So erkennen Sie, wie viele Tage Ihnen für die Prüfungsvorbereitung zur Verfügung stehen. Teilen Sie den Lernstoff dann in kleine Einheiten auf, und legen Sie für jedes Themengebiet einen Termin fest, bis zu dem Sie die jeweilige Lerneinheit bearbeiten wollen. Halten Sie diesen Zeitplan unbedingt ein, um Lernrückstände und Stress in der Endphase der Prüfungsvorbereitung zu vermeiden.

Ort und Zeiten

Schaffen Sie sich einen möglichst ungestörten Ort, an dem Sie in den Lernphasen nicht durch andere Personen oder sonstige Ablenkungen unterbrochen werden. Das muss nicht unbedingt nur ein einziger Ort sein. Neben einem häuslichen Lernzimmer eignet sich oft auch ein ungestörter Platz in der örtlichen Stadt- oder Universitätsbibliothek. Einige Menschen können auch in der entspannten Atmosphäre eines ruhigen Cafés sehr konzentriert lernen.

Planen Sie regelmäßige und feste Lernzeiten. Aus der Lernpsychologie weiß man, dass die geistige Leistungsfähigkeit bei den meisten Menschen vormittags am größten ist. Nach dem Mittagessen entsteht häufig ein Leistungstief. Allerdings gibt es auch »Nachtmenschen«, die abends am besten lernen können. Probieren Sie aus, welche Lernzeit am besten zu ­Ihnen und zu Ihrem Berufs- und Privat­leben passt und wählen Sie so oft wie möglich die optimale Tageszeit zum Lernen. Planen Sie auch regelmäßige Pausen ein, und achten Sie auf genügend Schlaf. Das Gehirn kann nicht ­ununterbrochen neue Informationen aufnehmen und verarbeiten. Pausen fördern seine Aufnahmefähigkeit, am besten eignen sich fünf bis zehn Minuten nach jeder Stunde an der frischen Luft und in Bewegung.

Lerntypen und -methoden

Manche Menschen lernen am besten, wenn sie den Stoff lesen und die wichtigsten Aussagen markieren. Wer sich Inhalte besser durch Zuhören merkt, kann eine Zusammenfassung des Lernstoffs auf ein Aufnahmegerät sprechen und sich die wichtigsten Aussagen immer wieder anhören. Viele Menschen bevorzugen es, den Stoff mit eigenen Worten zu formulieren oder Übersichten und Schaubilder anzufertigen. Zur Visualisierung besonders komplexer Themen können Sie sogenannte Mindmaps verwenden. Dabei wird das Thema in die Mitte eine Blattes geschrieben. Alle Unterthemen, wichtige Fakten und Details werden dann um dieses Wort frei assoziiert und dadurch zueinander in Beziehung gesetzt. Wenn Sie im Internet den Begriff »Mindmap« eingeben, finden Sie vielfältige Informationen zu dieser Lern- und Visualisierungstechnik. 




Ein ungestörter Platz in der örtlichen Stadt- oder Universitätsbibliothek kann ein idealer Ort zum Lernen sein.

Foto: Getty Images/vgajic


Manche Menschen bevorzugen auch das gemeinsame Lernen in Gruppen. Hier können die Teilnehmer wichtige Themen gemeinsam besprechen, Fragen diskutieren und sich gegenseitig abfragen. Die Diskussion festigt das neu erworbene Wissen, und Unverstandenes lässt sich gemeinsam oft schneller klären als alleine. Probieren Sie die verschiedenen Möglichkeiten einmal aus. Dann merken Sie schnell, welche Methode am besten zu Ihnen passt. Sie können auch einmal mit folgendem ungewöhnlichen Tipp experimentieren: Sie lesen bestimmte Formeln, Fakten oder Begriffsdefinitionen nicht nur, sondern singen sie. Unser Gehirn kann offenbar Melodien und gesungene Texte leichter behalten als gesprochene Worte. Bestimmt haben Sie diesen Effekt schon mehrfach bei älteren Musiktiteln erlebt, deren Text Sie jederzeit mitsingen können, obwohl Sie das Lied schon lange Zeit nicht mehr gehört haben.

Immer wiederholen

Schaffen Sie sich geeignete Wieder­holungsmöglichkeiten für alle bereits bearbeiteten Themengebiete. Erstellen Sie dazu kompakte Zusammenfassungen der einzelnen Themen, die Sie mit geringem Zeitaufwand immer wieder durchlesen können. Zum auswendig lernen eignet sich häufig eine Lernkartei. Sie besteht aus Karteikarten im A6-Format. Auf der Vorderseite der Karten steht eine Frage und auf der Rückseite die Antwort oder auf den Karten werden wichtige Aussagen in Stichworten zusammengefasst. Die Karteikarten können Sie dann jederzeit und überall zu kurzen und schnellen Wiederholungen verwenden. Wer häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann die Fahrtzeit zum Lernen nutzen. Oder Sie können sich mit den Karteikarten auf den Balkon, in einen Park oder in ein Café zurückziehen, die Karten dort in entspannter Atmosphäre durchgehen und das Lernen auf diese Weise etwas abwechslungsreicher gestalten. Wartezeiten können Sie auf diese Weise ebenfalls sinnvoll nutzen. Es gibt auch »Karteikarten-Apps«, mit denen sich der Lernstoff auf dem Smartphone wiederholen lässt. Geben Sie im Internet dazu den Suchbegriff »App Karteikarten lernen« ein.

Motivation steigern

Leider können wir uns den Lernstoff nicht immer aussuchen. Wenn wir nur Themen lernen müssten, die uns interessieren und Spaß machen, hätten wir sicherlich keine Motivationsprobleme. Eine bewährte Maßnahme zur Motivation: kleine Belohnungen für die erfolgreiche Bewältigung einzelner Lerneinheiten festlegen, etwa einen Kinobesuch oder ein Essen in Ihrem Lieblingsrestaurant. Die Aussicht auf die Belohnung führt oft dazu, dass konzentrierter und zügiger gearbeitet wird. /


Checkliste: Leichter lernen

  1. Übersicht über den Lernstoff ­verschaffen
  2. Individuellen Zeitplan erstellen
  3. Ungestörten Lernort finden
  4. Lernzeiten festlegen
  5. Beste Lernmethode ermitteln
    • Lesen? Hören? Aufschreiben?
    • Alleine? Lerngruppe?
  6. Wiederholungsmöglichkeiten schaffen
    • Zusammenfassungen
    • Lernkartei
    • Mindmaps
  7. Belohnungen für Lernerfolge ­festlegen



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/2019

 

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