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BERATUNGSPRAXIS

Hypotonie

Nicht immer harmlos


Von Annette Immel-Sehr / Wenn es plötzlich vor den Augen schwarz wird und die Welt wankt, könnte ein zu niedriger Blutdruck die Ursache sein. Eine Hypotonie ist zwar unangenehm, doch meist kein Grund zur Sorge. Einfache Tipps für den Alltag können dem Betroffenen oft helfen, den Blutdruck anzukurbeln. Niedriger Blutdruck kann aber auch auf eine Organerkrankung hinweisen.

 

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Ein zu hoher Blutdruck ist bekanntlich ein bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ganz anders der zu niedrige Blutdruck – er gilt als ungefährlich, denn er schont Herz und Gefäße. Das tröstet Betroffene nur bedingt. Denn Menschen mit niedrigem Blutdruck fühlen sich oft schlapp und verspüren wenig Kraft, die alltäglichen Aufgaben in Angriff zu nehmen. Typische Symptome sind des Weiteren Schwindel, Augenflimmern beim Aufstehen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel, kalte Hände und kalte Füße, Zittern, ­Bewusstseinsstörungen oder sogar Ohnmacht. Wer in so einem Moment unglücklich fällt, kann sich verletzen. Somit geht auch von der Hypotonie eine gewisse Gesundheitsgefahr aus.




Morgens mit einer Runde Radfahren in der Luft in den Tag zu starten, bringt den Kreislauf in Schwung.

Foto: Shutterstock/Elnur


Als Hypotonie bezeichnen Mediziner Blutdruckwerte unterhalb von 100/60 mmHg. Der erste Wert, der systolische Druck, entspricht dem Druck beim Herzschlag, wenn das Blut in die Arterien gepumpt wird. Der diastolische Druck – der zweite Wert – gibt den Druck in den Arterien an, wenn sich das Herz entspannt. Grundsätzlich ist der Blutdruck keine feste Größe, sondern schwankt je nach Situation. Bei körperlicher Anstrengung und Stress steigt er, in Ruhephasen sinkt er. Bei manchen Menschen ist der Blutdruck von Natur aus grundsätzlich etwas niedriger eingestellt als bei anderen. Ursache dafür sind vermutlich die Gene. Mediziner bezeichnen dies als primäre Hypotonie. Der persönliche »Normalwert« des Blutdrucks wird allerdings durch äußere Faktoren wie den Lebensstil nach oben oder nach unten beeinflusst. So bringen beispielsweise körperliche Aktivität und frische Luft den Blutdruck in Schwung.

Die Ursache finden

Von der primären Hypotonie ist die sogenannte orthostatische Hypotonie zu unterscheiden. Der menschliche Körper verfügt über einen Regulationsmechanismus, der es ihm ermöglicht, aus dem Liegen oder Sitzen zum Stehen zu kommen, ohne dass das Blut in den Beinen versackt. Diese Fähigkeit wird als ­Orthostase-Reaktion bezeichnet. Der Sympathikus reagiert dabei blitzschnell und führt beispielsweise zu einer Engstellung der Blutgefäße. Bei der orthostatischen Hypotonie funktioniert ­dieser Regulationsmechanismus nicht ausreichend. Das zeigt sich in Schwindelgefühl, Ohrensausen, herabgesetzter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit und schlimmstenfalls in Bewusstseinsstörungen.

Bei der sekundären Hypotonie ist der niedrige Blutdruck die Folge einer anderen Erkrankung oder aber beruht auf einer unerwünschten Arzneimittelwirkung. Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit niedrigem Blutdruck einhergehen, beispielsweise bestimmte hormonelle Erkrankungen wie eine Unterfunktion der Schilddrüse oder der Nebennierenrinde. Auch Störungen im Herz-Kreislauf-System können eine Hypotonie verursachen, zum Beispiel Venenschwäche. Bei einer ­Venenschwäche sacken die Venen­wände mit der Zeit aus, Krampfadern werden sichtbar. Hier kann das Blut besonders beim Stehen »versacken«. Dadurch sinkt der Blutdruck. Eine andere Störung im Herz-Kreislauf-System, die zu niedrigem Blutdruck führt, ist das sogenannte Karotissinussyndrom. So bezeich­nen Mediziner eine Störung in einem Bereich der Halsschlagader, die zahlreiche Barorezeptoren enthält und deswegen bei der Blutdruckregulation eine wichtige Rolle spielt. Auch eine verminderte Auswurfleistung des Herzens bei Herzschwäche kann zu niedrigem Blutdruck führen. Weitere mögliche Ursachen sind starke Flüssigkeits- beziehungsweise Blutverluste. In schweren Fällen mündet das in einem Kreislaufkollaps oder Schock.

An Arzneimittel denken

Darüber hinaus können auch Medikamente den Blutdruck senken. An erster Stelle sind hier die Antihypertonika zu nennen, die ja gerade wegen dieser Wirkung zur Behandlung der Hypertonie verordnet werden. Bei zu hoher Dosis sinkt der Blutdruck jedoch zu stark. Patienten, die neu mit einem Antihypertonikum eingestellt werden und über Müdigkeit, Konzentrationsmangel oder kalte Hände klagen, leiden möglicherweise an einer übermäßigen Wirkung ihres Medikaments. Sie sollten ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren und Rücksprache mit ihrem Arzt halten, wenn der Blutdruck durch die Therapie tatsächlich zu stark abgesenkt wird.

Auch einige trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva sowie Neuroleptika aus der Reihe der Phenothiazine können den Blutdruck senken.

Wie sieht die Behandlung der Hypotonie aus? Bei einer sekundären Hypotonie wird der Arzt sinnvollerweise versuchen, die auslösende Erkrankung zu behandeln beziehungsweise die Pharmakotherapie anzupassen, indem er die Dosis senkt oder den Arzneistoff wechselt.

Eine primäre oder orthostatische Hypotonie wird meist durch eine Kombination diätetischer und physiotherapeutischer Maßnahmen behandelt. Dazu zählen: ausreichende Flüssigkeitszufuhr, salzreiche Ernährung, koffeinhaltige Getränke, regelmäßige Bewegung, Konditionssportarten und Kneipp-Anwendungen, wie beispielsweise Wechselduschen. Patienten mit Venen- oder Herzleiden sollten allerdings ihren Arzt sicherheitshalber vorher um Rat fragen, bevor sie viel trinken oder abwechselnd heiß und kalt duschen. Unter Umständen könnten solche Maßnahmen das Herz zu stark belasten.

Langsam starten

Bei orthostatischen Störungen helfen Übungen zum Training der Venenpumpe. PTA und Apotheker können den Pa­tienten beispielsweise raten, morgens im Bett im Liegen die Füße zu strecken und wieder zu sich heranzuziehen oder in der Luft »Radzufahren«. Danach sollten sie sich langsam aufsetzen, eine Zeitlang im Sitzen verharren und erst dann vorsichtig aufstehen.

Arzneimittel spielen in der Behandlung der Hypotonie nur eine untergeordnete Rolle. Sie werden meist erst dann eingesetzt, wenn die nichtmedikamentösen Maßnahmen nicht ausreichend wirken. Die Auswahl an Antihypotonika ist relativ gering. Ein Klassiker ist das Sympathomimetikum Etilefrin, das sowohl α- als auch β-Rezeptoren stimuliert. Es fördert so eine Tonisierung der Blutgefäße und steigert die ­Kontraktilität des Herzens. Das verschreibungspflichtige Midodrin regt ausschließlich die α-Rezeptoren an und tonisiert Arterien und Venen. Beide Arzneistoffe zeigen zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen häufig eingesetzten Medikamenten. Besser verträglich sind pflanzliche Präparate mit Campher als Monopräparat oder in Kombination mit Weißdornfrüchte-Extrakt. In der Volksmedizin wird Campher eine belebende Wirkung zugeschrieben. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/2019

 

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