Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Tiermedizin

Herzkranke Haustiere


Von Carina Steyer / Herzerkrankungen sind in der Tierarztpraxis keine Seltenheit. Im Durchschnitt zeigt jeder zehnte Hund entsprechende Anzeichen. Katzen sind zwar seltener betroffen, befinden sich aber meist in einem weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium, wenn sie erste Symptome zeigen.

 

Anzeige

 

Hund, Katze oder Mensch – in der Funktionsweise und vom Aufbau des Herzens unterscheiden wir uns kaum von unseren Haustieren. Die auffälligsten Unterschiede finden sich in der Herzgröße. Während das etwa faustgroße menschliche Herz um die 250 bis 300 Gramm wiegt, sind es bei der Katze maximal 19 Gramm. Bei Hunden hängt das Herzgewicht stark von der Rasse ab und kann enorme Unterschiede aufweisen. So kommt ein schwerer Bernhardiner durchaus auf 500 Gramm Herzgewicht, ein kleiner Spitz hingegen nur auf 15 Gramm.




Foto: Shutterstock/visivastudio



Trotz seines unterschiedlichen Gewichts ist das Herz der Muskel, der am stärksten arbeitet. Ein krankes Herz wirkt sich auch bei Hunden und Katzen auf den gesamten Organismus aus, beeinträch­tigt die Lebensqualität der Tiere und verkürzt unbehandelt die Lebens­erwartung.

Die mit Abstand häufigste erworbene Herzerkrankung des Hundes ist die Mitralklappenendokardiose, eine degenerative Verdickung der Herzklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Die Folge: Die Klappe wird undicht und kann das Zurückströmen von Blut in den Vorhof nicht mehr vollständig verhindern. Betroffen sind vor allem ältere Hunde und kleine Rassen wie Dackel oder Pudel.

Große Hunde wie der Dobermann, der Boxer oder die Dogge erkranken hingegen meist an der ebenfalls häufigen dilatativen Kardiomyopathie, einer Pumpschwäche der Herzmuskulatur. Als Folge der Erkrankung gelangt zu wenig Blut in den Körperkreislauf, der Blutdruck sinkt. Durch Flüssigkeits­resorption in der Niere versucht der Organis­mus gegenzusteuern und das Blutvolumen zu erhöhen. Dadurch steigt zwar der Blutdruck, das Herz kann die Mehrbelastung durch das höhere Blutvolumen jedoch nicht bewältigen. Es dilatiert, das heißt, die Herzmuskulatur wächst auseinander, was den Herzmuskel zusätzlich schädigt. Auch Katzen waren früher häufig von einer dilatativen Kardiomyopathie betroffen. Seit erkannt wurde, dass die Ursache der Erkrankung in einem Taurinmangel liegt, konnte sie durch die Anreicherung des Katzenfutters mit Taurin erfolgreich zurückgedrängt werden. Heute diagnostizieren Tierärzte in der Mehrzahl der Fälle eine hyper­trophe Kardiomyopathie. Dabei handelt es sich um eine asymmetrische Verdickung der Muskulatur der linken Herzkammer. In der Folge verzerrt sich der Klappenapparat, die Herzklappen schließen nicht mehr richtig, und Blut fließt zurück. Typisch für Herzerkrankungen bei Katzen ist, dass weibliche Tiere und langhaarige Rassen seltener betroffen sind.

Angeborene Herzfehler

Wie der Mensch können Hunde und Katzen von angeborenen Herzerkrankungen betroffen sein. Bei Tieren dominieren der persisitierende Ductus arteriosus botalli (PDA), die Subaortenstenose und die Pulmonalstenose. Während es sich bei der Pulmonalstenose und der Subaortenstenose um eine Verengung im Bereich der Pulmonalklappe beziehungsweise der Aortenklappe handelt, ist der PDA ein Überbleibsel aus der Fetalzeit. Bei ungeborenen Säugetieren fließt das Blut über eine Gefäßverbindung, den sogenannten Ductus arteriosus, aus der Lungenarterie direkt in die Aorta. Sie verschließt sich normalerweise einige Stunden bis Tage nach der Geburt. Bleibt dies aus, sprechen Mediziner von einem PDA, der dafür verantwortlich ist, dass ein Teil des aus der Lunge und dem linken Herzen kommenden Blutes von der Aorta in die Lungenarterie fließt, erneut die Lunge passiert und wieder zum linken Herzen gelangt. Dadurch vergrößert sich die linke Herzhälfte. Bei einem ausgeprägten PDA kann sich Blut zurückstauen und Wasser in der Lunge sammeln.

Herzgeräusche sind wegweisend

Im frühen Anfangsstadium zeigen die meisten herzkranken Tiere keine Symptome. Entdeckt wird die Erkrankung in der Regel nur beim Tierarzt, wobei dem Abhören mit dem Stethoskop eine besondere Bedeutung zukommt. Die Untersuchung ist deshalb fester Bestandteil jeder Diagnostik. Überprüft werden Frequenz, Rhythmus und Intensität der Herztöne. Der Tierarzt achtet darauf, ob die Herztöne deutlich voneinander getrennt sind und ob er zusätzliche Herzgeräusche hört. Erfahrene Tierärzte können oft schon auf Grundlage der Herzgeräusche eine Verdachtsdiagnose aussprechen, eine genaue Abklärung ist dennoch unerlässlich. Anatomische Veränderungen am Herz oder den Herzklappen, Herzrhythmusstörungen und der Blutstrom während der Herztätigkeit lassen sich nur auf Röntgenbildern, im Ultraschall und anhand eines EKGs abschließend beurteilen.




Bei herzkranken Hunden ist von ausgelassenem Herumtoben eher abzuraten.

Foto: Shutterstock/Rob van Esch


Symptome einer Herzerkrankung zeigen sich erst, wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, seinen Funktionsverlust zu kompensieren. Bei Hunden ist dies relativ früh der Fall. Husten, unge­wohnte Leistungsschwäche und eine schnellere Atmung können eine Herzerkrankung anzeigen und sollten beim Tierarzt abgeklärt werden. Im fortgeschrittenen Stadium können plötzliche Ohnmachtsanfälle, eine bläuliche Verfärbung von Zunge und Schleimhäuten, Atemnot, ein dicker Bauch als Folge von Flüssigkeits­ein­lagerungen sowie Husten und Ermüdung bereits in Ruhe auftreten. Dass Hunde mit fortgeschrittenen Symptomen erstmals zum Tierarzt gebracht werden, kommt relativ selten vor. Anders ist das bei Katzen. Sie gelten als »Meister des Kompensierens«, die häufig erst im Endstadium einer Herz­erkrankung spezifische Anzeichen zeigen. Aufmerksam sollten Besitzer werden, wenn die Katze sich nur noch in einer dunklen, ruhigen Ecke aufhalten will, auf Spielaufforderungen durch andere Katzen zunehmend aggressiv reagiert oder länger anhaltenden Appetitverlust zeigt. Husten ist bei Katzen allerdings kein Anzeichen einer Herz­erkrankung, sondern fast immer auf ein felines Asthma zurückzuführen.

Operation und Medikamente

Erkennt der Tierarzt ein PDA oder eine Pulmonalstenose frühzeitig, kann eine Operation das Herz vor Folgeschäden bewahren und dem Tier ein gesundes Leben mit normaler Lebenserwartung ermöglichen. Beide Erkrankungen lassen sich heute mit Hilfe eines Katheters beheben, das heißt, der Brustkorb wird nicht mehr geöffnet. Bei einem PDA wird der Katheter durch die Arterie an der Schenkelinnenseite bis zum Herzen vorgeschoben und verschlossen. Pulmonalstenosen werden mit einem Ballonkatheter aufgedehnt, der über die große Halsvene in das rechte Herz und durch die Pulmonalarterie über die Stenose hinweg in Richtung Lunge geschoben wird.

Obwohl auch die Subaortenstenose angebo­ren ist, wird diese nicht operiert. Mittel der Wahl sind hier Beta-Blocker, welche die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels verbessern, die Herzfrequenz senken und dem Herz eine effizientere Leistung ermöglichen. Die Prognose ist bei leichten bis mittelschweren Fällen sehr gut. In schweren Fällen versterben bis zu 80 Prozent der Tiere in den ersten drei Lebensjahren an einem Sekundentod.

Große Eingriffe wie der Ersatz einer Herzklappe werden bei Tieren in Deutschland in der Regel nicht vorgenommen. Stattdessen werden bei Klappenerkrankungen und Kardiomyopathien entwässernde, kreislaufunterstützende und die Herzkraft fördernde Medikamente eingesetzt. Eine Heilung ist damit zwar nicht möglich, aber in den meisten Fällen kann die Lebens­erwartung bei guter Lebensqualität verlängert werden.

Bei der Behandlung von herzkranken Tieren tragen auch die Tierbesitzer eine besondere Verantwortung. Die Tiere brauchen ihre Medikamente täglich, was gerade bei Katzen nicht immer einfach zu bewerkstelligen ist. Mit ein paar Tricks – Tabletten in Leckerlies verstecken oder pulverisiert unter Futter mit starkem Eigengeschmack mischen – klappt dies nach einigen Versuchen aber oft ganz gut.

Hundebesitzern empfehlen Tierärzte zudem regelmäßige und möglichst gleichmäßige Bewegung für den Hund. Von ausgelassenem Herumtoben und Spielen mit dem Ball oder Frisbee raten sie dagegen ab. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/2019

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2019 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=12453