Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

PANORAMA

Das sagt der Schlafforscher


Professor Dr. Ingo Fietze leitet das Interdiszipli­näre Schlafmedizinische Fach­zentrum an der Charité Berlin. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Schlafverhalten des Menschen

 

Anzeige

 

Wie viel Schlaf brauche ich nachts?

Fietze: Mindestens sechs Stunden pro Nacht braucht der Körper, um auf­zutanken. Fällt der Schlaf zu kurz aus, kommen die Reparaturmechanismen nicht richtig zum Zug. Die Wohlfühl-Schlafmenge liegt durchschnittlich bei 7,2 Stunden. Länger muss man nicht unbedingt in den Federn liegen, da die Reparaturvorgänge der Haut nach sieben Stunden weitestgehend erfolgt sind. Alles was zwischen sechs und neun Stunden liegt, ist normal.

Lassen sich überflüssige Kilos wegschlafen?

Fietze: Fakt ist, dass Schlafmangel zu Über­gewicht führen kann. Die US-amerikanische Schlafakademie und das Schlafforschungs-Zentrum berichteten im Fachjournal »Sleep«, dass Perso­nen mit höchstens sechs Stunden Schlaf mehr an Gewicht zulegen als solche mit mindestens sieben Stunden.

Woran könnte das liegen?

Fietze: Durch den wenigen Schlaf ändert sich das Essverhalten. Es wird vor allem­ in den Abendstunden und morgens­ mehr und ungesünder ge­gessen. Nachts hat man keinen Hunger auf ein Salatblatt. Und der Stoffwechsel, insbesondere der Fettabbau, braucht den gesunden Schlaf.

Warum das?

Fietze: Weil der Körper dann alle Zellen »reinigt«, die tagsüber in Mitleidenschaft gezogen wurden und in denen noch Stoffwechselprodukte »festsitzen«. Dafür benötigt er vor allem Ruhe und Entlastung. Als Energiequelle für diese Tätigkeiten und für die Erhaltung der Körpertemperatur dienen ihm hauptsächlich Kohlenhydrate und dann das Fett aus den Fettzellen. Esse ich abends wenig Kohlenhydrate und schlafe gut, dann kann ich Fett abbauen. Ist der Schlaf jedoch gestört, wird nicht Fett, sondern eher Eiweiß abgebaut.

Kann ich Schlaf auch nachholen?

Fietze: Ja. Wenn Sie unter der Woche zu wenig Nachtruhe hatten, können Sie den Schlaf am Wochenende nach­holen. 50 Schlaf­stunden sollten es Ende der Woche mindestens gewesen sein.

Welche anderen Faktoren können den Schönheitsschlaf noch unterstützen?

Fietze: Der ideale Schönheitsschlaf findet in einem gut durchlüfteten, und nicht überheizten Schlafzimmer statt. Neuerdings wissen wir, dass die opti­male Raumtemperatur zum Schlafen zwischen 18 und 23 Grad liegt, also deutlich­ wärmer als früher empfohlen. Auf Duftstoffe im Schlafzimmer sollte verzichtet werden, da diese auch immer potenzielle Allergene darstellen können. Die Ma­tratze sollte individuell auf die physiologischen Bedürfnisse, zum Beispiel bei Rückenschmerzen, ausgerichtet sein, um einen ruhigen und ungestörten Schlaf zu ermöglichen. Auch regelmäßige Bettzeiten helfen enorm. Zwei Stunden vor dem Zubettgehen sollte man keinen anstrengenden Sport mehr treiben.

Dann auch keinen Sex vor dem Einschlafen?

Fietze: Doch. Sex kann sogar helfen. Die meisten Menschen schlafen danach besser ein.

Wie steht es mit Alkoholgenuss vor dem Schlafengehen?

Fietze: Wer zu viel trinkt, wird nachts häufig wach. Ein Glas Wein ist aber in Ordnung. Eine Flasche Bier ist besser – denn Hopfen ist von Natur aus einschlaffördernd.

Und wie sieht das ideale Schlaf­zimmer aus?

Fietze: Ruhig und dunkel. Und möglichst frei von elektronischen Geräten wie Computer, Fernseher und Radio. Der Wecker sollte nur dezent beleuchtet sein, damit man nachts nicht ständig­ hinschaut. Das Verfolgen der Uhrzeit in der Nacht kann zu Frust, Besorg­nis und Verärgerung führen und den Schlaf negativ beeinflussen.



Beitrag erschienen in Ausgabe 02/2019

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2019 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=12495