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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Arzneipflanzenporträt

Cayennepfeffer


Capsicum frutescens Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Weiterer Name: Chili

 

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Merkmale

  • Mehrjähriger, 0,5 bis 1 m hoher buschiger Halbstrauch
  • ovale bis oval-lanzettliche Blätter
  • weiße, gruppenweise stehende Blüten mit violetten Staubblättern
  • Blütezeit Juni bis September
  • kegelförmige, leicht gebogene, rote Früchte mit weißen, runden Samen




Foto: GettyImages/Mumemories


Heimat

  • tropisches Süd- und Mittelamerika
  • Droge stammt vorwiegend aus tropischen Ländern Afrikas

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

Getrocknete, reife Früchte (Capsici fructus)

Im Europäischen Arzneibuch des Weiteren festgelegt:

  • quantifiziertes und raffiniertes Cayennepfefferölharz (Capsici oleoresina raffinata et quantificata)
  • eingestellte Cayennepfeffertinktur (Capsici tinctura normata)
  • eingestellter Cayennepfefferdickextrakt (Capsici extractum spissum normatum)
  • Pharmazeutisch werden die kleinfruchtigen Varie­täten von C. frutescens und C. annuum L. var. minimum (Mill.) Heiser verwendet.

Inhaltsstoffe

  • Capsaicinoide (hauptsächlich Capsaicin)
  • Carotinoide
  • Flavonoide

Anerkannte medizinische Anwendung

  • Muskelschmerzen im unteren Rücken (HMPC, ESCOP)
  • Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen und rheumatoider Arthritis (ESCOP)
  • Nervenschmerzen als Folge einer Gürtelrose oder bei diabetischer Neuropathie (ESCOP)
  • Juckreiz verschiedener Ursachen (ESCOP)
  • schmerzhafter Muskelhartspann im Schulter-Arm- Bereich sowie im Bereich der Wirbelsäule (Kommission E)




Foto: Shutterstock/Flower Studio


Empfohlene Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage

Nebenwirkungen

Hautreizung

Wechselwirkungen

Nicht mit anderen äußerlich anzuwendenden Arzneimitteln kombinieren.

Kontraindikationen

  • Kindes- und Jugendalter
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Abgabehinweise

  • zum Auftragen von Cayennepfefferzubereitungen Handschuhe benutzen oder nach der Anwendung Hände sorgfältig mit Seife waschen
  • Kontakt mit Augen und Nase unbedingt vermeiden
  • nicht auf geschädigter Haut und nicht auf Schleimhäuten anwenden
  • bei empfindlicher Haut Wirkung zunächst an kleinerer Hautpartie ausprobieren

Präparate

Beispiele Monopräparate:

  • ABC Wärme-Pflaster/-Creme Capsicum
  • Capsamol Salbe
  • Finalgon CPD Wärmecreme
  • Hot Thermo dura C Creme
  • Rheumamed Salbe

Beispiele Kombipräparate:

  • Allgäuer Latschenkiefer Knie Spezialsalbe
  • Tonsipret Tabletten/Tropfen (homöopathisch)

Achtung: scharf!

Früchte und Samen des Cayennepfeffers schmecken brennend scharf – daher der Name »Pfeffer«. Sie sind Basis für zahlreiche Gewürzsoßen wie Tabasco (Mexiko), Sambal Oelek (Indonesien) und die rote Chilisauce der chinesischen Küche. Durch Auslese und Kreuzung gibt es eine große Vielfalt von Sorten, die sich in Größe, Gestalt, Farbe und Schärfe der Früchte unterscheiden.




Foto: GettyImages/Helaine Weide



Mit aller Schärfe gegen Schmerz

Zubereitungen mit Capsaicin eignen sich zur Behandlung neuropathischer Schmerzen. Nach dem Auftragen wird neben einem­ intensiven Wärmegefühl auch ein Schmerzreiz spürbar. Beides lässt mit der Zeit nach. Denn nach der anfänglichen Erregungsphase hemmt Capsaicin die Weiterleitung der Nerven­impulse, da Botenstoffe wie Substanz P aus den Speichern entleert wurden. Darüber hinaus bilden sich die Enden der betroffenen Nerven­fasern zurück. Die Regeneration des Gewebes benötigt Zeit – so lange ist der Patient an der behandelten Stelle schmerzfrei.

Bei Verordnung einer Capsaicin-Creme als Rezeptur ist darauf zu achten, ob der Arzt Capsaicinoide, Capsaicin oder Cayenne­pfeffer-Extrakt als Wirkstoff angegeben hat. Dies ist entscheidend für die Dosis. Capsaicinoide sind die Naturstoffe, die aus ge­trock­neten Cayennepfeffer-Früchten und -Samen gewonnen werden. Capsaicin ist der Hauptbestandteil.



Beitrag erschienen in Ausgabe 02/2019

 

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