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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Ergänzungslieferung

Cannabis identifizieren


Sybille Huth, Antje Lein / Die DAC/NRF-Ergänzung 2018/2 hat ihren Fokus auf Zubereitungen für die pädiatrische Anwendung. Daneben gibt es eine wichtige Änderung bei der alternativen Identifizierung von Cannabisblüten.

 

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Mit der Ergänzung 2018/1 war die Stammzubereitung S.52. »Grundlage für Suspensionen zum Einnehmen« aufgenommen worden. Die Anforderungen an eine entsprechende indus­triell gefertigte Grundlage sind nun in der gleichnamigen DAC-Mono­graphie G-105 festgeschrieben. Sie enthält apothekenpraktikable Identitätsprüfungen. Gefordert werden nach zweiter Identifikationsreihe eine Dünnschichtchromatographie auf das Konservierungsmittel Sorbinsäure, die Bestimmung des Brechungsindex und ein nass­chemischer Nachweis auf Glucose. Durch die beiden letzten Prüfungen ist die Abgrenzung zur Viskosen Grund­lösung (DAC-Monographie G-110) möglich, die ebenfalls vorgefertigt erhältlich ist. Wird die Trägerlösung im großtech­nischen Verfahren hergestellt, hat sie eine niedrigere Viskosität als bei Herstellung von Hand. Für eine vergleichbare Beschaffenheit enthält sie deshalb 0,55 Prozent Hydroxyethyl­cellulose 10000 gegenüber 0,5 Prozent in der NRF-Stammzubereitung.

Die neue Rezepturvorschrift »Pro­p­ranololhydrochlorid-Lösung 1 mg/mL (NRF 10.6.)« ist die erste Vorschrift auf Basis dieser Grundlage. Die Lösung ist für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen und der Herzinsuffizienz in der Pädiatrie vorgesehen.

Bezugsgröße und Konservierung

Nicht zu verwechseln ist die Vorschrift 10.6. mit der »Propranolol­-Lösung 5 mg/mL (NRF 11.142.)«, deren Anwendungsgebiet die Behandlung komplizierter Hämangiome im Säuglingsalter ist. Ein hierfür zugelassenes Fertig­arzneimittel bezieht im Gegensatz zu Herz-Kreislauf-Mitteln sowohl den Wirkstoffgehalt als auch die Dosie­rung auf die Propranolol-Base. Entsprechend wurde nun auch die Vorschrift 11.142. in Bezeichnung und Zusammensetzung konsequent modifiziert. Bei den Bestandteilen ist das Kaliumsorbat als Konservierungsstoff entfallen. Für Propranololhydrochlorid ist eine ausreichende antimikrobielle Wirkung beschrie­ben, die sich im Konservierungsmittelbelastungstest nach Arzneibuchtext 5.1.3 für die Vorschrift 11.142. belegen ließ. Eine Propranololhydrochlorid-Lösung 1 mg/mL ohne Konservierungsmittel war dagegen mikrobiell anfällig. Die neue NRF-Vorschrift 10.6. ist deshalb zu konservieren.

Identifizierung von Cannabisblüten

Verordnungen über Cannabisblüten sind nach wie vor ein aktuelles Thema in der Apotheke. Da es sich bei diesen um einen Ausgangsstoff handelt, muss ihre Identität geprüft werden, zum Beispiel nach Alternativer Identifizierung DAC. Diese schreibt neben der makroskopischen und mikroskopischen Prüfung der Blüten nicht ohne Grund auch die Dünnschichtchromatographie vor. Zwar können Cannabisblüten mithilfe des Mikros­kops eindeutig identifiziert werden, es lässt sich jedoch keine Aussage darüber treffen, um welche Produktgruppe es sich bei dem mikroskopierten Material handelt. Allgemein werden Cannabisblüten abhängig von ihrem Cannabi­diol- (CBD) und ∆9-­Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC) in drei Produkt­gruppen unterteilt (Tabelle 1). Die jeweiligen Gehalte sind in den Prüf­zertifikaten angegeben. Mithilfe der Dünnschichtchromatographie ist die Überprüfung der Produktgruppe ­anhand der CBD- und THC-Banden ­möglich.


Tabelle 1: Einteilung nach DAB-Monographie Cannabisblüten

Produktgruppe I THC >> CBD zum Beispiel Typ Bedrocan® 
Produktgruppe II THC ≈ CBD zum Beispiel Typ Bediol® 
Produktgruppe III THC<< CBD zum Beispiel Typ Bedrolite® 

Der DAC/NRF-Farbteil bei Cannabisblüten zeigt die Chromatogramme der drei Produktgruppen (Abbildung 1). Im Chromatogramm der Produktgruppe I, zum Beispiel Cannabisblüten des Typs Bedrocan®, ist deutlich die THC-Bande zu sehen. Oberhalb befindet sich keine oder eine nur sehr schwach gefärbte CBD-Bande. Produktgruppe II, zum Beispiel Cannabisblüten des Typs ­Bediol®, besitzt im Chromatogramm zwei Banden, die ungefähr gleich intensiv gefärbt sind. Und das Chromatogramm der Produktgruppe III, zum Beispiel der Typ Bedrolite­®, besitzt eine intensive CBD-Bande­, jedoch keine oder eine wesentlich schwächer gefärbte THC-Bande.




Abbildung 1: Referenzlösung I: Bornylacetat R (a) und Menthol R (b); Referenzlösung II: Produktgruppe I (1), Produktgruppe II (2) und Produktgruppe III (3)

Foto: DAC/NRF


Die Alternative Identifizierung der Cannabisblüten wurde optimiert und vereinfacht. Anstelle der teuren Referenzsubstanzen THC und CBD werden zwei Laufweitenmarker (Bornylacetat und Menthol) eingesetzt. Zur Herstellung der Untersuchungslösung muss die Droge erhitzt werden. Dafür eignet sich neben dem Trockenschrank auch eine Heizplatte (Abbildung 2). Die Menge der zu untersuchenden Droge und die Auftragevolumina haben sich reduziert und die Probenaufbereitung ist vereinfacht.

Für die Ausgangsstoffe Steinkohlenteerspiritus, Morphinsulfat, Dihydroepiandrosteron, Betamethason und Macrogol-4-laurylether wurden Alternative Identifizierungsmethoden nach DAC neu entwickelt. Die Prüfvorschrift für Morphinsulfat bietet nun zum Beispiel­ eine für Apotheken prakti­kablere Alternative gegenüber der nach zweiter Identifikationsreihe ­Ph. Eur. vorgeschriebenen UV/Vis-Bestimmung. Die DAC-Anlagen und -Proben sind vollständig revidiert. Beispielsweise enthält die DAC-Anlage F »Verdrängungsfaktoren für Zäpfchen und Vaginalzäpfchen« nun unter anderem Werte für die Wirkstoffe Budesonid, Omeprazol und Mesalazin in Hartfett. Des Weiteren ist die Methode A der DAC-Probe 22 »Prozessbegleitende Bestimmung der Teilchenbeschaffenheit« präzisiert. Die Mikroskopie der Pulver und Pulvermischungen ist ausführlicher beschrieben. Ob es sich um mikronisierte Ware handelt oder nicht, kann so sicher be­urteilt werden.




Abbildung 2: Aufgrund der charakteristischen Geruchsbildung empfiehlt es sich, die Droge in Wägegläschen mit aufgesetztem Deckel zu erhitzen.

Foto: DAC/NRF


Auch mehrere NRF-Rezeptur­vor­schriften und eine NRF-Stammzube­reitung wurden überarbeitet. In der Vorschrift »Dimethylsulfoxid-Creme 50 % (NRF 2.6.)« kommt neben redak­tionellen Anpassungen eine her­stellungs­tech­nische Modifikation hinzu. Die Creme war aufgrund der hohen Konzentration des Dimethylsulfoxid (DMSO) bisher physikalisch nur begrenzt stabil. Es konnte sich bereits nach einigen Wochen Flüssigkeit ­abscheiden. Nach dem Vorbild einer nieder­ländischen Rezepturvorschrift ist nun zusätzlich Carbomer 50000 enthalten, das das DMSO geliert und damit immobilisiert. Auch bei den »Hydro­chlorothiazid-Kapseln (NRF 26.3.)«, einem weiteren pädiatrischen Rezepturarzneimittel in DAC/NRF, gibt es eine sichtbare Veränderung. Die bisher vorgeschriebene Lösemethode wird von der massenbasierten Herstellung der Pulvermischung abgelöst. Da die Pulvermasse pro Kapsel vorgegeben ist, ist streng darauf zu achten, dass zur Herstellung nur ein Mannitol-Siliciumdioxid-Füllmittel im Schüttdichtebereich von 0,475 bis 0,575 g/mL verwendet wird. Ist die Schüttdichte höher, wie etwa bei Verwendung des Mannitol 60 anstelle des Mannitol 35 als Füllstoff, reicht die Pulvermenge nicht zur vollständigen Befüllung aller Kapselhüllen aus.

Einen umfassenden Überblick über neue, revidierte und gestrichene Texte­ gibt das Vorwort zur Ergänzungslieferung 2018/2. Die Zusammensetzung entfallener NRF-Vorschriften ist im Re­zepturen­finder auf dac-nrf.de archiviert.

Wichtiger Hinweis:

Im DAC/NRF-Loseblattwerk befinden sich die bisher als Anhang zur DAC-Anlage­ J geführten Defekturprüfanweisungen für NRF-Vorschriften nun direkt hinter den jeweiligen Re­zepturvorschriften. Aus technischen Gründen werden sie in der elektro­nischen Fassung vorerst weiter­ bei der DAC-Anlage J geführt. Sie sind von dort aus über eine Ver­linkung oder über den Inhaltsbaum abrufbar. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2019

 

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