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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Arzneimitteltherapie

Doppelpack im Februar


Von Sven Siebenand / Anfang Februar kommen zwei neue Wirkstoffe in den Handel. Zum einen handelt es sich um den ersten Antikörper zur Prophylaxe von hereditären Angioödem- Attacken, zum anderen um ein neues Medikament für Männer mit einer bestimmten Form des Prostatakarzinoms.

 

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Charakteristisch für das hereditäre Angio­ödem (HAE) sind Schwellungen der Haut in verschiedenen Bereichen des Körpers sowie der inneren Organe und der Atemwege. Letzteres kann lebensbedrohlich sein, da die Patienten ersticken könnten. Eine wichtige Rolle bei der Erweiterung und Durchlässigkeit der Blutgefäße spielt die Substanz Bradykinin. Der neue Antikörper Lanadelu­mab (Takhzyro 300 mg Injektions­lösung, Shire) hemmt die proteo­lytische Aktivität von aktivem Plasmakallikrein, was letztlich die Produktion von Bradykinin drosselt. Es handelt sich um eine weitere Therapieoption für diese Erkrankung.

Dosisreduktion möglich

Zugelassen ist das Präparat bei Patienten ab zwölf Jahren zur routinemäßigen Prophylaxe von wiederkehrenden HAE-Attacken. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 300 mg Lanadelumab subkutan alle zwei Wochen. Bei Patienten, die unter einer Behandlung frei von Attacken sind, kann der Arzt eine Dosisreduzierung von 300 mg Lanadelu­mab alle vier Wochen in Erwägung ziehen, insbesondere bei Patienten mit geringem Körper­gewicht. Die Injektion ist auf die empfohlenen Injektionsstellen zu beschränken: das Ab­domen, die Oberschenkel und die äußeren Oberarme. PTA und Apotheker können dem Patienten raten, die Injektionsstellen turnusmäßig zu wechseln. Zur Behandlung akuter HAE-Attacken ist das neue Medikament nicht vor­gesehen.




Reaktionen an der Injektionsstelle treten sehr häufig auf. Allergische Reak­tionen und Muskelschmerzen zählen zu den häufig beobachteten Neben­wirkungen.


Neue Option bei Prostatakrebs

Das Prostatakarzinom gilt als eine der wichtigsten Erkrankungen des männ­lichen Geschlechtes. In Deutschland ist es mit circa 58 000 Neuerkrankungen im Jahr 2014 die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Das nicht-metastasierte kastrationsresistente Prostatakarzinom macht etwa 7 Prozent aller Prostatakarzinomfälle in Europa aus und liegt vor bei Auftreten eines Re­zidivs unter der sogenannten Androgendeprivationstherapie (ADT) trotz eines Serum-Testosteronspiegels auf Kastrationsniveau (<50 ng/dl), wenn sich zugleich in der Bildgebung keine Fernmetastasen nachweisen lassen.




Der neue Arzneistoff Apalutamid ­(Erleada® 60 mg Filmtabletten, Janssen-Cilag) ist zugelassen für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit nicht-metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom und hohem­ Metastasierungsrisiko.

Wie Enzalutamid (Xtandi®) ist auch Apalutamid ein oraler Hemmer von Androgen­rezeptoren (AR), der den Androgen­-Signalweg in Prostatakrebszellen blockiert. Der Wirkstoff hemmt das Wachstum von Krebszellen wahrscheinlich auf mehrere Arten: Er verhindert­, dass Androgene wie Testosteron an die AR bindet­, wodurch die AR nicht mehr in die Krebszellen ge­langen können. Dadurch werden die AR auch daran ge­hindert, an die DNA der Krebszelle zu binden.

Die empfohlene Dosierung von Apalutamid beträgt einmal täglich 240 mg oral, also vier Tabletten. Sie müssen von den Patienten unzerteilt geschluckt und können mit oder ohne eine Mahlzeit eingenommen werden.

Apalutamid ist ein potenter Enzym­induktor und kann die Wirksamkeit vieler häufig verwendeter Arzneimittel verringern. Deshalb sollte zu Beginn der Behandlung eine Über­prüfung der bestehenden Begleitmedikation erfolgen. Die gleichzeitige Anwendung von Apalutamid mit Arznei­mitteln, die empfindliche Substrate für viele meta­boli­sierende Enzyme oder für Transporter sind, sollte generell vermieden werden, wenn deren­ therapeutischer Effekt für den Patienten von großer Wichtigkeit ist und wenn Dosis­anpassungen nicht einfach durch Monitorierung der Wirksamkeit oder der Plasmaspiegel erfolgen können.

In der Fachinformation von Erleada finden sich einige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung des neuen Präparats. Diese beziehen sich zum Beispiel auf Patienten mit Krampfanfällen in der Anamnese oder einer entsprechenden Prädisposition dafür, auf kürzlich aufgetretene kardiovaskuläre Erkrankungen sowie auf Patien­ten mit einer QT-Zeitverlängerung am Herzen in der Anamnese oder mit Risikofaktoren dafür.

Zu den am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen von Apalutamid gehören Ermüdung, Hautausschlag, Gewichts­verlust, Arthralgie und Stürze­. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2019

 

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