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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Mannose

Zucker mit Potential


Von Isabel Weinert / Der Einfachzucker D-Mannose kommt er­folgreich gegen Blasenentzündung zum Einsatz. Darüber hinaus scheint er die Behandlung von Krebserkrankungen unterstützen zu können. Dabei ist die Substanz ungiftig und verursacht nur geringe Nebenwirkungen.

 

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D-Mannose gehört in die Gruppe der sogenannten FimH-Antagonisten, Wirk­­stoffen, die einer Blasenent­zündung vorbeugen beziehungsweise in deren Behandlung eingesetzt werden­ sollen. Derzeit ist D-Mannose der einzige auf dem Markt befindliche Vertreter der FimH-Antagonisten. Synthetische Substanzen befinden sich noch in der klinischen Entwicklung.




Escherichia coli werden von D-Mannose gebunden und ausgeschieden.

Foto: Shutterstock/ Tatiana Shepeleva


FimH-Antagonisten binden an das Protein FimH, das sich an der Spitze von Typ-1-Pili der Bakterien befindet, die potenziell eine Blasenentzündung auslösen. Mit Hilfe der Pili heften sich die Bakterien an das Blasenurothel und bereiten damit den Weg für die Infektion. D-Mannose verhindert diesen ersten Infektionsschritt, bindet die Bakterien über ihre Pili, so dass sie mit dem Harn ausgeschieden werden.

Damit D-Mannose wirkt, muss die Dosis höher gewählt werden als beim Drug Target. Zwei Gramm D-Mannose täglich, gelöst in Wasser, werden empfohlen. Blähungen, Übelkeit und weicher­ Stuhlgang sind mögliche Neben­wirkungen. Wem die hohe D-Mannose-Dosis nicht bekommt, dem können­ PTA raten, selbst die Dosis zu finden, unter der die Beschwerden weniger­ werden beziehungsweise ausbleiben. Täglich angewendet, kann D-Mannose einer erneuten Blasenentzündung ebenso gut vorbeugen wie die tägliche Einnahme des Antibiotikums Nitrofurantoin, das ebenfalls in der Cystitis-Prophylaxe eingesetzt wird. ­D-Mannose­ wird auch in der S3-Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfekten empfohlen.

Bei Tumoren in Mäusen wirksam

Einer ganz anderen Eigenschaft von Mannose kamen Wissenschaftler aus Glasgow auf die Spur. Im vergangenen Jahr wurden ihre Untersuchungsergebnisse in der Zeitschrift Nature publiziert.

Mannose kann in den Zellen die Verwertung seines Epimers Glucose hemmen – womöglich führt diese Erkenntnis zu einer neuen Option, um Tumoren ergänzend damit zu behandeln. Krebszellen können ohne Glucose nicht existieren. Nachdem sich gezeigt hat, dass es nicht gelingt, Tumoren durch eine kohlenhydratarme Kost, eine so­genannte ketogene Diät, auszuhungern, weil Glucose per Gluconeogenese in der Leber rasch neu synthetisiert wird, rückte Mannose in den Blickpunkt der Wissenschaftler um Professor Kevin­ Ryan vom Beatson Institute in Glasgow. Denn der Zucker ist ein Epimer von Glucose und kann deshalb mit Hilfe der gleichen Transporter in die Zellen gelangen. Dort bringt Mannose allerdings im Gegensatz zu Glucose keine­ Energie, sondern bildet Mannose-6-Phosphat, das den Krebszellen schadet. Die Forscher zeigten das an Mäusen mit Bauchspeicheldrüsen-, Lungen- oder Hautkrebs. Die Tiere tranken mit Mannose versetztes Wasser, woraufhin sich das Tumorwachstum verlangsamte. Dabei war die Wirkung des Zuckers vergleichbar mit der­jenigen der häufig eingesetzten Zyto­statika Cisplatin und Doxorubicin.

Auch in der Kombination mit Doxo­rubicin schlug sich Mannose gut: Sie verstärkte die Wirkung des Chemotherapeutikums, verlangsamte das Tumor­wachstum, verringerte die Größe der Tumoren, und einige Mäuse lebten­ ­länger. Allerdings bestätigte sich die Wirkung nicht bei allen untersuchten Tumor­arten, zu denen im Verlauf noch Leukämie, Osteosarkom, Darm- und Eierstockkrebs gehörten. Damit Mannose wirksam werden kann, darf in den Tumor­zellen nicht zu viel des Enzyms Phosphomannose-Isomerase (PMI) vorhanden sein, denn es baut Mannose ab, so dass Glucose wieder ungehindert Energie liefern kann.

Im nächsten Schritt möchten die Wissenschaftler untersuchen, ob auch an Krebs erkrankte Menschen von Mannose profitieren können. Studienleiter Ryan: »Die Forschung steht noch am Anfang, aber wir hoffen, dass Krebspatienten künftig Mannose in einem perfekten Gleichgewicht ver­abreicht werden kann, um die Chemo­therapie zu verbessern, ohne die ­allgemeine Gesundheit zu beein­trächtigen.« /



Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2019

 

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