Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

BERATUNGSPRAXIS

Ausgangsstoffe prüfen

Planvoll vorgehen


Von Andreas Melhorn / Die Eingangsprüfung von Ausgangsstoffen stellt häufig eine ungeliebte Aufgabe in der Apotheke dar. Sie ist jedoch vorgeschrieben, und hat man sich erst einmal einen Überblick über die Tätigkeit verschafft, stellt man schnell fest, dass sie nicht so aufwändig ist, wie zunächst gedacht.

 

Anzeige

 

Die PTA Gabi Galenik sieht sich eines Morgens unerwartet mit der Aufgabe der Eingangsprüfung konfrontiert, weil ihre Kollegin, die sonst die Prüfungen durchgeführt hat, für längere Zeit ausfällt. Wie immer forscht Gabi erst ein wenig nach, bevor sie sich an die Arbeit macht. Sie findet eine BAK-Leitlinie mit dem Titel »Prüfung und Lagerung der Ausgangsstoffe«, in der ein übersichtliches Fließdiagramm den Arbeitsablauf erklärt.




Nasschemische Nachweise sind in der Regel unkompliziert.

Foto: Getty Images/Portra


Die erste Prüfung findet bereits während des Wareneingangs statt. Eine intakte Verpackung, korrekter Lieferschein, korrekte Beschriftung und Einhaltung der Transportbedingungen sind Voraussetzung für die weiteren Schritte. Ein Prüfzertifikat und gege­benenfalls ein Sicherheitsdatenblatt müssen vorhanden sein. Stimmt alles, kommt der Stoff zunächst in die Quarantäne.

Im Labor prüft die PTA, ob eine Monographie oder ein anerkanntes Prüfverfahren vorliegen. Wenn ja, kann es ­weitergehen, wenn nicht, darf die ­Substanz nicht zum Einsatz kommen. ­Vereinzelte Ausnahmen sind nur nach strenger Nutzen-Risiko-Bewertung möglich. Anschließend wird das Prüfzertifikat kontrolliert. Sollte keines vorliegen, muss die PTA das komplette Prüfverfahren durchführen, was sich in einer Apotheke meist nicht bewerkstelligen lässt. Stehen alle notwendigen Angaben zufriedenstellend auf dem Prüfzertifikat, genügt es, die Identität festzustellen.

Das ist in jedem Fall notwendig und nach einem anerkannten Prüfverfahren durchzuführen. Die Monographien in DAB oder Ph. Eur. enthalten entsprechende Methoden. Die sogenannte erste Identifikationsreihe ist für Hersteller und Lieferanten bestimmt. Häufig benutzen sie dort ein IR-Verfahren oder eine HPLC-Analyse. Manche Mono­graphien – aber bei weitem nicht alle – bieten eine zweite, für Apotheken ­bestimmte Identifikationsreihe.

Einfachere apothekentaugliche Methoden sind die »Alternativen Identifizierungen« des DAC/NRF. Sie sind im Gegensatz zur ersten Identifikationsreihe der Arzneibücher auf Apotheken zugeschnitten und im Apothekenlabor gut durchzuführen. Zusätzlich befinden sich im DAC viele Monographien für Stoffe, die keine entsprechenden Einträge in den Arzneibüchern haben.

Laut der BAK-Leitlinie sind die Identitätsprüfungen des DAC das Mittel der Wahl. Beschreibt das DAC keine Identitätsprüfung, muss die PTA nach Arzneibuch untersuchen. Sie muss alle jeweils angegebenen Identifizierungen durchführen, um ausreichend sicher zu gewährleisten, dass die Identität stimmt. Die Ergebnisse werden im Prüfprotokoll dokumentiert.

Validität gewährleisten

Damit ein Prüfzertifikat als valide eingestuft werden kann, muss es bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

  • Das Zertifikat muss nach Vorgaben einer gültigen Monographie (Ph. Eur, DAB, DAC, …) erstellt worden und die Quelle der Monographie angegeben sein. In Ausnahmefällen kann auch eine interne Prüfvorschrift des Herstellers akzeptiert werden, solange sie den allgemeinen Vorschriften des Ph. Eur. entspricht.
  • Auf dem Zertifikat werden sowohl die von der Monographie vorgegebenen Inhalte aufgelistet als auch die eindeutigen Ergebnisse.
  • Es muss geprüft werden, ob die Charge auf dem Behältnis und auf dem Zertifikat übereinstimmen.
  • Verfalldatum und Lagerbedingungen sind angegeben.
  • Das Zertifikat muss von einer Sachkundigen Person (Qualified Person) unterschrieben sein. Manchmal sind die Unterschriften von einem Kontroll- oder Qualitätsleiter. Auch das kann akzeptiert werden, wenn es sich eindeutig um ein pharmazeutisches Unternehmen handelt.
  • Handelt es sich um einen Wirkstoff, muss die Herstellung GMP-gerecht durchgeführt werden. Eine entsprechen­de Angabe auf dem Prüfzertifikat soll vorhanden sein. Ist ein Wirkstoff nicht in GMP-Qualität erhältlich, kann er nur im Einzelfall nach strenger Nutzen-Risiko-Bewertung verwendet werden.
  • Zuletzt sind Angaben zur Restkonzentration von Lösungsmitteln, der mikrobiologischen Qualität und die Einstufung nach GHS/CLP ebenfalls hilfreich und wichtig.

Protokoll führen

Aktuell liegt der PTA Gabi Galenik der Wirkstoff Neomycinsulfat zur Prüfung vor. Es gibt eine »Alternative Identifizierung« im DAC , die folgende Punkte vorsieht:

  • Aussehen: weißes bis gelblich weißes Pulver
  • Eine Dünnschichtchromatographie nach DAC-Probe 11 (vertikale Entwicklung)
  • Ein nasschemischer Nachweis von Sulfat
  • Eine mikroskopische Untersuchung des mikrofeinen Pulvers, falls diese verlangt ist (DAC-Probe 22, Methode A)

Das Aussehen ist schnell geprüft. Auch der Nachweis von Sulfat stellt sich unkompliziert dar. Die Ionen werden mit Bariumchlorid aus einer wässrigen, mit Salzsäure angesäuerten Lösung als ­Bariumsulfat ausgefällt. Ein weißer Niederschlag entsteht. Beide Ergebnisse trägt Gabi im Prüfprotokoll ein.




Ohne langes Suchen: Alle DC-Utensilien an einem Platz zu lagern, erleichtert die Arbeit.

Foto: DAC/NRF


Zeit einplanen

Für die Durchführung der DC braucht die PTA etwas mehr Zeit und einige ­Laborgeräte. Das DAC bietet zwei verschiedene Proben für DC an: Zum ­einen die Probe 11, die hier durchgeführt werden soll, und zum anderen die Probe 10, die in Zukunft größere Verbreitung ­finden wird. Bei letzterer wird eine kleinere HPTLC-Platte verwendet. Die Entwicklung findet horizontal statt. Das bietet Vorteile: Die Kammern sind viel kleiner, und es wird wesentlich weniger Fließmittel be­nötigt. Außerdem geht die Entwicklung schneller.

Zurzeit wird Neomycinsulfat aber noch nach Probe 11 untersucht. Dafür benötigt Gabi eine vertikale Entwicklungskammer, Filterpapier und Kapillaren zum Auftragen der Probelösungen. Zur Herstellung des Fließmittels verwendet sie einen Messzylinder. Das Fließmittel besteht aus 55 Volumenteilen 1-Propanol R, 25 Volumenteilen konzentrierter Ammoniak-Lösung R und 20 Volumenteilen Wasser R. Zu guter Letzt benötigt Gabi Galenik eine DC-Platte mit Kieselgel R. Für die Detektion wird die Platte entweder besprüht oder getaucht, wofür die jeweiligen Geräte vorhanden sein müssen.

Für eine DC benötigt man stets eine Vergleichs- oder Referenzsubstanz. Ein CRS, ein Chemical Reference Standard, ist eine offizielle Referenzsubstanz, die hauptsächlich über den Herausgeber der Ph. Eur., das Europäische Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM), vertrieben wird. Manche ­Firmen verkaufen meist günstigere ­sekundäre Standards. Als Vergleichssubstanzen bezeichnet man bereits ­geprüfte Reste der Substanz aus einer alten Charge. Ebenso ist es möglich, Reste ­einer geprüften Charge aus einer Filial­apotheke oder sogar einer kollegialen anderen Apotheke zu benutzen.

Gabis Kollegin hat alle für eine DC benötigten Utensilien in einen Schrank geräumt, was die Arbeit sehr erleichtert. Gabi kleidet die Entwicklungs­kammer mit Filterpapier aus, stellt das Fließmittel her und füllt es ein. Nun muss die Kammer bis zur Kammersät­tigung 15 Minuten stehen bleiben. In der Zwischenzeit bereitet Gabi die DC-Platte vor. Sie markiert den Startpunkt und das Ende der Laufstrecke mit Bleistift, stellt die Lösungen von Vergleichs- und Prüfsubstanz her und tüpfelt jeweils 2 µl punktförmig auf die Kieselgelplatte. Sie lässt diese gut trocknen. Nachdem die 15 Minuten Wartezeit vergangen sind, öffnet sie kurz die Entwicklungskammer und stellt die Kieselgelplatte möglichst senkrecht hinein. Das sollte schnell geschehen, damit die Kammersättigung erhalten bleibt. Wenn die Entwicklung abgeschlossen ist, wird die Platte aus der Kammer genommen und bei 100 °C bis 105 °C getrocknet.

Die Detektion der Substanzen erfolgt mit Ninhydrin-Lösung R, entweder, indem es aufgesprüht oder indem die Platte eingetaucht wird. Gabis Kollegin hat eine Tauchkammer bei den Gerätschaften für DCs stehen, weshalb sie diese benutzt. Die DC-Platte wird anschließend bei 100 °C bis 105 °C erhitzt und beobachtet. Neomycinsulfat zeigt sich als rotvioletter Fleck im unteren Drittel.

Einer mikroskopischen Untersuchung bedarf es in diesem Fall nicht, weil die eingekaufte Substanz nicht mikrofein ist und eine solche auch für die aus­stehende Rezeptur nicht benötigt wird. Gabi füllt das Prüfprotokoll aus und legt es der diensthabenden Apothekerin zur Unterschrift vor. Mit ein wenig Routine lassen sich die Prüfungen recht schnell durchführen. Nun kann der Wirkstoff verarbeitet werden. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 05/2019

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2019 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=12611