Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

PTA-FORUM

Phytotherapie

Hustentee pur oder gut gemischt


Von Ernst-Albert Meyer / In der nass-kalten Jahreszeit trinken viele Menschen gerne einen heißen Tee. Heilpflanzentees erfreuen sich großer Beliebtheit, vor allem bei Erkältung und Husten. Denn Arzneipflanzen entfalten nicht nur spezifische Wirkungen gegen die einzelnen Symptome, ein heißer Kräutertee wärmt auch angenehm und schmeckt sogar Kindern.

 

Anzeige

 

Erwachsene erkranken im Durchschnitt zwei- bis dreimal jährlich an einer Erkältung, Kinder sehr viel häufiger, sechs- bis zehnmal im Jahr. Obwohl die Erkältung zu den leichten Erkrankungen zählt und auch unbehandelt vorübergeht, beeinträchtigt sie doch sehr das Wohlbefinden und die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen. Daher wünscht sich jeder, schnell wieder fit zu sein.



Neben den zahlreichen frei verkäuflichen »Erkältungsmitteln« sind Tees und Hausmittel beliebt. Hier findet eine Vielzahl von Heilpflanzen Verwendung, deren therapeutische Eigenschaften jedoch unterschiedlich sind. Bei der Wahl der richtigen Mischung gilt es zu beachten, welches Symptom gelindert werden soll. Außerdem verläuft die Erkältung und der anschließende Husten in aufeinander folgenden Stadien, die jeweils andere Behandlungen erfordern.

 

Bronchien wehren sich

 

Eine Erkältung mündet fast immer in einer akuten Bronchitis. Die Viren befallen dabei die Bronchien und stören die mukoziliäre Clearance, das Selbstreinigungssystem der Atemwege. Als Hauptsymptome folgen Husten und Auswurf, denn der Körper versucht, sich vom Erreger zu befreien: Mit einem schnellen Hustenstoß sollen Reizstoffe, Fremdkörper und Mikroorganismen – aber auch zähflüssiger Schleim – aus dem Bronchialsystem hinaus befördert werden. Im ersten Stadium ist der Husten unproduktiv.



Meist quält ein heftiger Hustenreiz die Betroffenen ständig oder anfallsartig. Kalte oder zu trockene Luft können heftige Hustenanfälle auslösen, häufig verbunden mit Schmerzen hinter dem Brustbein. Nach einigen Tagen geht der Reizhusten in das zweite Stadium über. Durch verstärkte Bildung eines zähflüssigen Schleims versucht der Körper die Bronchien zu schützen. Der Husten wird dann produktiv und befördert zähen Schleim aus den Bronchien.

 

Erst einige Tage später wird das Sekret dünnflüssiger und kann leichter abgehustet werden. Damit werden die Bronchien wieder frei, und die mukoziliäre Clearance normalisiert sich.

 

Welche Droge oder Drogenmischung sich im Einzelfall eignet, richtet sich nach Ursache und Stadium der akuten Bronchitis. Die verwendeten Pflanzen können folgende Wirkungen besitzen:

 

  • antitussiv und reizlindernd,
  • antimikrobiell,
  • antiphlogistisch,
  • bronchospasmolytisch,
  • expektorierend (sekretolytisch und sekretomotorisch)

 

Reizhusten lindern

 

Antitussiva werden vor allem bei Reizhusten eingesetzt. Hier finden die sogenannten Schleimdrogen Anwendung. Sie überziehen die gereizten Mund-, Rachen- und Bronchialschleimhäute inklusive der Hustenrezeptoren (Mechanorezeptoren) in den oberen Bronchien mit einem Schleimfilm und schützen diese mechanisch. Dadurch lässt der Hustenreiz nach, und die belastenden Hustenanfälle nehmen ab.




Tees aus Fenchel, Königskerze und Spitzwegerich haben sich als Einzelaufguss oder in Mischungen bei Husten bewährt.

Fotos: Ullrich Mies


Zu den Antitussiva zählen Eibischwurzel und -blätter, Huflattichblätter, Isländisches Moos, Malvenblätter und -blüten, Spitzwegerichkraut und Lindenblüten. Wichtig ist, dass die Schleimdrogen nur im Stadium 1 bei Reizhusten verwendet werden. Sobald sich der Husten zu lösen beginnt, sind Schleimdrogen nicht mehr angebracht. In allen Hustenstadien sind Heilpflanzen mit entzündungswidrigen, bronchospasmolytischen und antimikrobiellen Eigenschaften zu empfehlen. So wirken Huflattichblätter auch bronchospasmolytisch, Isländisches Moos zusätzlich entzündungshemmend. Spitzwegerich zeichnet sich durch reizlindernde, antibakterielle und entzündungswidrige Eigenschaften aus. Lindenblüten wirken schweißtreibend, bronchospasmolytisch, reizlindernd und regen die Verflüssigung des Bronchialsekrets an. Bei Reizhusten werden die Arzneipflanzen einzeln oder mit anderen Schleimdrogen kombiniert, um den heftigen Hustenreiz zu lindern. Die einzelnen Zubereitungsempfehlungen stehen im Kasten "Einzelne Teedrogen".

 

Schleim verflüssigen

 

Als Expektorantien werden alle Arzneimittel und -pflanzen bezeichnet, die den Auswurf fördern. Dieser Effekt kommt über eine Verbesserung der mukoziliären Clearance zustande. Der Erfolg der Therapie mit Expektorantien hängt auch von der ausreichenden Flüssigkeitszufuhr ab: Pro Tag müssen Betroffene 2 bis 3 Liter trinken, damit die Heilpflanzen richtig wirken können. Expektorantien werden in drei Untergruppen eingeteilt: Mukolytika verflüssigen den zähflüssigen Bronchialschleim, Sekretolytika fördern die Produktion eines dünnflüssigen Schleims, und Sekretomotorika sorgen für den effektiven Abtransport des Bronchialschleims. Saponin-Drogen führen reflektorisch zur verstärkten Bildung eines dünnflüssigen Bronchialsekrets. Außerdem vermindern Saponine die Viskosität des vorhandenen Sekrets, indem sie die Oberflächenspannung des Schleims herabsetzen. Damit können die Patienten das Bronchialsekret leichter abhusten und ihre Bronchien werden wieder frei. Saponine sind seifenähnliche Verbindungen und gehören zu den Glykosiden.


Teemischungen

Neben den Einzeldrogen lassen sich die Arzneipflanzen in Teemischungen sinnvoll kombinieren. Falls nicht anders angegeben, sollen die Patienten drei- bis fünfmal täglich 1 Tasse trinken.

 

Bei Reizhusten

 

Tee-Mischung 1

Malvenblüten 30 g

Anisfrüchte 20 g

Primelwurzel 30 g

Süßholzwurzel 20 g

 

Teezubereitung: 1 Esslöffel Tee mit einer Tasse siedendem Wasser über- gießen und 10 Minuten ziehen lassen.

 

Der Tee wirkt antibakteriell, expektorierend und Hustenreiz lindernd

 

Tee-Mischung 2

Huflattichblätter 50 g

Eibischwurzel 20 g

Malvenblüten 20 g

Thymiankraut 30 g

 

Teezubereitung: 1 Esslöffel Tee mit einer Tasse siedendem Wasser über- gießen und 10 Minuten ziehen lassen.

 

Tee-Mischung 3

Spitzwegerichkraut 30 g

Wollblumen 30 g

Isländisches Moos 20 g

 

Teezubereitung: 1 Esslöffel Tee mit einer Tasse siedendem Wasser über- gießen und 10 Minuten ziehen lassen.

 

Bei akuter und chronischer Bronchitis

Hagebutten 20 g

Huflattichblätter 30 g

Wollblumen 20 g

Thymiankraut 20 g

 

Teezubereitung: 1 Esslöffel Tee mit einer Tasse siedendem Wasser über- gießen und 15 Minuten ziehen lassen.

 

Bei Reizhusten und gleichzeitiger Halsentzündung

Isländisches Moos 20 g

Eibischwurzel 20 g

Malvenblüten 10 g

Fenchelfrüchte, zerstoßen 10 g

Salbeiblätter 10 g

 

Teezubereitung: 1 Esslöffel Tee mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen und eine Stunde ziehen lassen. Dann auf Trinktemperatur erhitzen und abseihen.

 

Dosierung: 3-mal täglich 1 Tasse in kleinen Schlucken trinken.

 

Bei akuter Bronchitis

Schlüsselblumenwurzel 10 g

Süßholzwurzel 10 g

Spitzwegerichkraut 20 g

Thymiankraut 20 g

 

Teezubereitung: 2 Teelöffel Tee mit einer Tasse siedendem Wasser über- gießen und 15 Minuten ziehen lassen.

 

Dosierung: 2- bis 3-mal täglich 1 Tasse mit Honig gesüßt trinken.

 

Die Mischung wirkt desinfizierend und expektorierend.

 

Ein typischer Erkältungstee

Holunderblüten 10 g

Lindenblüten 10 g

Thymiankraut 20 g

Huflattichblätter 20 g

Melissenblätter 10 g

 

Teezubereitung: 2 gehäufte Teelöffel Tee mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.


Saponin-Drogen sind Wollblumenblüten (Königskerze), Efeublätter und die Süßholzwurzel. Wollblumenblüten enthalten außer Saponinen auch Schleim. Efeublätter zeichnen sich durch expektorierende und spasmolytische Eigenschaften aus. Sie werden heute vorwiegend in Form von pflanzlichen Extrakten eingesetzt, zum Beispiel in Instant-Tee oder Hustensaft. In einer Teezubereitung sind die Wirkstoffmengen zu gering.

 

Die angenehm schmeckende Süßholzwurzel besitzt expektorierende, entzündungswidrige und bronchospasmolytische Effekte. Die Heilpflanze wird schon seit langem mit Erfolg bei Katarrhen der oberen Luftwege eingesetzt. Die einzelnen Zubereitungsempfehlungen enthält ebenfalls der Kasten.

 

Bestimmte Heilpflanzen enthalten in ihren Früchten oder Blättern viel etherisches Öl, das sich durch entzündungshemmende, spasmolytische und antimikro­bielle Eigenschaften auszeichnet. Hinzu kommt noch ein expektorierender Effekt. Wegen ihres angenehmen Geschmacks sind Anis- und auch Fenchelfrüchte im Tee bei Jung und Alt beliebt.

 

Thymian regt nicht nur die Speichel- und Magensaftproduktion an, sondern ist auch eine therapeutisch wertvolle Hustendroge. Die Heilpflanze vereint bronchospasmolytische, expektorierende, antiphlogistische, antibakterielle und antivi­rale Eigenschaften. Das im etherischen Öl enthaltene Thymol hemmt 20-mal stärker eingedrungene Keime als Phenol. Deshalb ist Thymian die einzige Arzneipflanze, die laut Monographie neben dem Anwendungsgebiet Bronchitis auch bei Keuchhusten empfohlen wird.

 

Bei trockenem Husten (Reizhusten) setzen Kinderärzte vor allem Malvenblüten und -blätter, Wollblumen, Isländisches Moos, Eibischwurzel und Thymian ein. Aufgrund seines guten Geschmacks trinken Säuglinge und Kleinkinder gern Tee aus Wollblumenblüten. Die Zubereitung der Tees erläutert der Kasten.

 

Hustentees für Kinder

 

Kaum bekannt, aber wegen seiner guten Verträglichkeit für Kinder geeignet, ist das Hohlzahnkraut (Galeopsidis herba). Diese Heilpflanze enthält Gerbstoffe, Saponine und Flavonoide und zeichnet sich durch adstringierende und expektorierende Eigenschaften aus. Bei einer Erkältung trinken Kinder auch gern Lakritz in heißer Milch aufgelöst. Wichtig für die Eltern: nur kurzfristig, über wenige Tage geben.

 

Thymiankraut besitzt in der Pädiatrie eine große Bedeutung, da es bronchospasmolytische, expektorierende und antibakterielle Eigenschaften vereint und auch bei Keuchhusten hilft. Meist wird Thymian als Hustensaft verordnet. Aufgrund seines angenehmen Geschmacks mögen Kinder aber auch den Tee.

 

Bei der Zubereitung müssen die Eltern die altersabhängige Dosierung beachten. Sie wurde in einer Anwendungsbeobachtung in 110 Kinderarztpraxen ermittelt. Für eine Tasse Tee werden folgende Drogenmengen benötigt:

 

Kinder von 0 bis 1 Jahr 0,5 bis 1,0 g

Kinder von 1 bis 4 Jahre 1,0 bis 1,5 g

Kinder von 4 bis 12 Jahre 1,5 bis 2,0 g

Kinder ab 12 Jahre 2,0 g

 

Zubereitung: Entsprechende Menge mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.

 

Dosierung: bis 5-mal täglich 1 Tasse trinken, bei Bedarf mit Honig gesüßt. /


Einzelne Teedrogen

Falls nicht anders angegeben, sollen die Patienten mehrmals täglich 1 Tasse Tee trinken, auf Wunsch mit Honig gesüßt.

 

Schleimdrogen

Eibischwurzel und -blätter

1 Esslöffel Blätter oder 1 Teelöffel zerkleinerte Wurzel mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen und unter häufigem Umrühren eine Stunde ziehen ­lassen. Nach dem Abseihen schwach erwärmen.

 

Huflattichblätter

1 bis 2 Teelöffel fein geschnittene ­Blätter mit einer Tasse heißem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen ­lassen. Wegen des Gehaltes an Pyrrolizidinen nicht länger als vier bis sechs Wochen im Jahr anwenden! Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder.

 

Isländisches Moos

1 bis 2 Teelöffel fein geschnittene ­Droge mit einer Tasse siedendem ­Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.

 

Malvenblätter oder -blüten

1 Esslöffel fein geschnittene Blüten oder 2 Esslöffel fein geschnittene ­Blätter mit einer Tasse kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen und 10 Minuten ziehen lassen.

 

Spitzwegerichkraut

2 Esslöffel fein geschnittenes Kraut mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen.

 

Lindenblüten

1 Teelöffel fein geschnittene Blüten mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen.

 

Expektorantien

Wollblumenblüten

1 Esslöffel fein geschnittene Blüten mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen.

 

Süßholzwurzel

1 gehäufter Teelöffel zerkleinerte Süßholzwurzel mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Dosierung: 3-mal täglich 1 Tasse trinken. Kontraindikationen: Lebererkrankungen, Hypertonie, Hypokaliämie, schwere Niereninsuffizienz sowie Schwangerschaft. Anwendungsdauer: ohne ärztlichen Rat wegen der Gefahr einer Hypokali-ämie nicht länger als vier bis sechs Wochen anwenden.

 

Schlüsselblumenblüten

1 Teelöffel fein geschnittene Blüten mit einer Tasse heißem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen ­lassen.

 

Bibernellwurzel

2 Teelöffel fein zerschnittene Wurzel mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen und kurz aufkochen.

 

Etherisch-Öl-Drogen

Anisfrüchte

1 Teelöffel frisch zerquetschte Früchte mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und abgedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen.

 

Fenchelfrüchte

1 Teelöffel frisch zerquetschte Früchte mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und abgedeckt 15 Minuten ziehen lassen.

 

Quendelkraut

2 Teelöffel fein zerschnittenes Kraut mit einer Tasse heißem Wasser übergießen und abgedeckt 5 Minuten ziehen lassen.

 

Thymiankraut

2 Teelöffel fein zerschnittenes Kraut mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen.

 

Hohlzahnkraut

1 Esslöffel Kraut (für Säuglinge 1 Teelöffel) mit einer Tasse siedendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen.


E-Mail-Adresse des Verfassers

MedWiss-Meyer@t-online.de 



Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2010

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2018 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=1269