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Dermokosmetik

Winterpflege für die Haut


Von Tanja Schweig / Damit die Haut ihre vielfältigen Aufgaben gut erfüllen kann, verdient sie besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung, vor allem im Winter. Denn Nässe und Kälte strapazieren sie, verschlechtern den Hautzustand und beschleunigen den Alterungsprozess.

 

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Die Haut schützt sich vor äußeren Einflüssen mit einem sich selbst regulierenden und wartungsfreien System, mit dem Hydro-Lipid-Film. Diese auf der Hornschicht der Haut aufliegende Barriere setzt sich zusammen aus Talg, Schweiß und Stoffwechselprodukten. Der Hydro-Lipid-Film überzieht als Öl-in-Wasser-Emulsion die gesamte Hautoberfläche und hält sie geschmeidig. Außerdem verhindert er das Eindringen von exogenen Schadstoffen in die Haut und den übermäßigen Verlust von Feuchtigkeit aus der Hornschicht. Der leicht saure pH-Wert unterbindet die Ansiedlung von pathogenen Mikroorganismen (Pilze, Bakterien) auf der Haut, weshalb er auch als »Säureschutzmantel« bezeichnet wird. Den Talg produzieren besondere Drüsen in der Oberhaut. Auf der Haut vermischt sich der Talg mit dem Schweiß und bildet so die Emulsion. Während sich im Gesicht, vor allem an Stirn, Nase und Kinn sowie am Rücken viele Talgdrüsen befinden, fehlen sie an Handflächen und Fußsohlen.




Foto: beautypress/Bogner



Die Schweißdrüsen gehören zur Oberhaut und erfüllen eine wichtige Funktion bei der Wärmeregulierung des Körpers. Der Schweiß besteht aus Wasser mit wenigen Mineralstoffen und organischen Verbindungen wie Harnstoff, Ammoniak, Aminosäuren und Milchsäure. Er sättigt die oberste Hornschicht der Epidermis mit Wasser ab, das jedoch schnell verdunstet, falls kein dünner Fettfilm auf der Haut vorhanden ist. Um das zu verhindern, bildet die Haut so genannte Feuchthaltefaktoren (Natural Moisturizing Factors – NMF, siehe Tabelle). Bekannte NMF sind Harnstoff, Hyaluronsäure und bestimmte Aminosäuren (vor allem Serin). Sie haben die Aufgabe, Wasser in der Hornschicht zu binden, um so die Haut feucht zu halten und den Säureschutzmantel zu stabilisieren.

Im Winter ein Problemfall

Auf Kälte reagiert die Haut besonders empfindlich, denn frostige Temperaturen registriert sie mit 300 000 Kälterezeptoren, während für die Wärmemessung nur etwa 30 000 Wärmerezeptoren auf der Haut vorhanden sind. Das Ergebnis: Kälte empfindet jeder Mensch stärker und oft auch als unangenehmer. Und das hat Folgen! Je länger sich jemand bei frostigen Temperaturen draußen aufhält, umso mehr bewirken die Minusgrade, dass die Hauttemperatur sinkt. Als Schutz vor der Kälte verengen sich die feinen oberflächlichen Blutgefäße. Dadurch werden die oberen Hautschichten nicht mehr so gut durchblutet und die Zellen entsprechend schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Bei extremer Kälte treten sogar Mikroerfrierungen auf, die die Blutgefäße für eine Zeit lang lähmen.




Im Winter wird die Haut trocken und empfindlich, was sich zunächst als ­Spannungsgefühl äußert.

Foto: Eucerin


Die Kälte beeinträchtigt auch den wichtigen Hydro-Lipid-Film. Denn bei kaltem Wetter drosseln die Talgdrüsen ihre Aktivität. Bei Temperaturen unter + 8 Grad Celsius versiegt die Talgproduktion sogar komplett. Demzufolge wird der Hydro-Lipid-Mantel immer dünner und stellenweise defekt. Dabei leidet seine Funktion als Barriere, und Wasser kann leicht aus der Haut verdunsten. Die Verdunstungsrate erhöht sich sogar noch, denn kalte Schneeluft enthält bedeutend weniger Feuchtigkeit als warme Luft. Der Rückzug in geheizte Räume ist auch keine Entlastung für die Haut. Denn auf die trockene Heizungsluft reagiert die Haut mit einem verstärkten Transport von Feuchtigkeit an die Haut­oberfläche, die aufgrund des defekten Hydro-Lipid-Films schnell verdunstet. So ist mit Beginn der kalten Jahreszeit die Haut gleich dreifach stark belastet: Feuchtigkeitsarme Winterluft, trockene Heizungsluft in Räumen und die im Winter – besonders im Gebirge – veränderte ultra­violette Sonnenstrahlung bedeuten »Stress pur« für die Haut. Im Ergebnis kommt es zu einer Schädigung des wichtigen Hydro-­Lipid-Films. Er kann sich unter diesen Bedingungen kaum noch selbst regenerieren und braucht Hilfe.

Folgen der Minus-Grade

Zwar sind vielen Menschen die Physiologie der Hautveränderungen im Winter nicht bekannt, aber dennoch bemerken sie, wie sich ihr Hautzustand zunehmend verschlechtert: Denn sogar normale Haut wird jetzt trocken und fettarm und eine trockene Haut empfindlich und spröde. Ursache sind die kalten Temperaturen, die zu einer verminderten Talgproduktion führen. Hinzu kommt die trockene Winterluft, weshalb die Haut vermehrt Feuchtigkeit verliert. Als Folge leidet der schützende Hydro-Lipid-Film. Durch die stark beeinträchtigte Barrierefunktion haben jetzt Haut schädigende Faktoren leichtes Spiel: Krankheitserreger (Pilze, Bakterien), allergieauslösende oder irritierende Stoffe werden nicht mehr abgewehrt, sondern dringen in die Epidermis ein. Viele Menschen mit empfindlicher Haut klagen in dieser Jahreszeit über Hautreizungen, Spannungsgefühl und vorzeitige Hautalterung. Erschwerend kommt hinzu, dass im Winter die Haut die Zellregeneration reduziert. Abgestorbene Hautschuppen werden nicht mehr so leicht abgestoßen, die Haut erscheint fahl und grau. Patienten mit Hautkrankheiten (Ekzem, Neurodermitis) klagen in der kalten Jahreszeit über eine Zunahme der Beschwerden. Bei älteren Menschen, die bereits eine trockene Haut haben, beschleunigt der Winter die Alterungsprozesse.

Hautpflege im Winter bedeutet vor allem, den Hydro-Lipid-Film der Haut zu stabilisieren, damit ihn die wechselhaften Witterungseinflüsse von außen nicht zerstören und die Haut feucht und geschmeidig bleibt. Pflegepräparate mit Feuchthaltefaktoren und Fetten stärken die Lipid-Schicht, und die Haut wird wieder weich und elastisch. Irritationen und Spannungsgefühl klingen ab.

Die Qual der Wahl

Die Temperaturen im Winter, aber auch die intensive UVA-Strahlung beim Winterurlaub im Gebirge fördern den Prozess der Hautalterung. Damit wird die Anwendung von Anti-Aging-Kosmetik sinnvoll. Doch was können PTA oder Apotheker empfehlen? Das Angebot an Kosmetika gegen Hautalterung ist kaum überschaubar. Hilfe bietet die Gesellschaft für Dermopharmazie (GD). Sie hat nach aussagefähigen klinischen Studien für die zahlreichen Inhaltsstoffe gefahndet und so »die Spreu vom Weizen getrennt«. Denn einen Wirksamkeitsnachweis durch placebokontrollierte Doppelblindstudien oder andere mit objektivierbaren Methoden durchgeführte Studien gibt es nur für wenige Kosmetik-Inhaltsstoffe.


Feuchthaltefaktoren in Kosmetika (Beispiele)

Feuchthaltesubstanz INCI-Name 
Elastin Elastin 
Glycerol Glycerin 
Harnstoff Urea 
Hyaluronsäure Hyaluronic Acid 
Kollagen Collagen 
Natriumlaktat Sodium lactate 
Propylenglycol Propylene 
Sorbit Glycol 

In der Leitlinie »Dermokosmetika gegen Hautalterung« wurden die Inhaltsstoffe mit nachgewiesener Wirksamkeit zusammengefasst: Vitamin A und Derivate, Vitamin C, Vitamin E, Alpha-­Liponsäure, Polypeptide, Niacinamid (Vit­amin B3), Dimethylaminoethanol (DMAE), Phytohormone (Isoflavone) sowie Hyaluronsäure und ihre Derivate. Bei der Beratung sollten PTA oder Apotheker auf diese Inhaltsstoffe achten.

Weniger waschen ist mehr!

Generell sollte man im Winter nur jeden zweiten Tag duschen, baden möglichst einmal pro Woche. Beim Duschen besser nur kühl und kurz abbrausen. Statt Seife eignen sich milde Tensid-Kombinationen, die zusätzlich auf den Haut-pH-Wert eingestellt sind. Menschen mit empfindlicher, sehr trockener Haut sollten gleich auf ein rückfettendes Duschgel oder -öl zurückgreifen (wie Eau Thermale Avène Cold Cream Rückfettendes Duschgel). Nach dem Duschen empfiehlt es sich, die Haut nur behutsam abzutupfen, damit möglichst viel Öl und eine leichte Restfeuchte darauf zurückbleiben. Menschen mit extrem trockener Haut können anschließend die halbfeuchte Haut mit rückfettenden Pflegeprodukten einreiben. Geeignet sind eine W/O-Emulsion mit hohem Fettanteil oder ein Körperöl. Bei Lotionen ist auf Feuchthaltefaktoren zu achten (siehe Tabelle). Das Eincremen sollte alle zwölf Stunden wiederholt werden, damit die Haut zweimal täglich Fett und Feuchtigkeit erhält. Weil auch die Haare unter der allgegenwärtigen Trockenheit leiden, dürfen sie nur mit lauwarmem Wasser und milden Shampoos gewaschen werden. Manche Shampoos enthalten rückfettende Lipide und Feuchthaltefaktoren (zum Beispiel Eubos 5% Urea Shampoo). Eine Haarpackung oder Kur einmal pro Woche verbessert die Geschmeidigkeit der Haare. Haarsprays wirken der elektrostatischen Aufladung entgegen (zum Beispiel Rausch Kräuter Entwirr-Spray oder Ducray Nutricerat Haarschutzspray).

Gesichtshaut braucht Lipide

Im Winter sind für die Gesichtshaut austrocknende Produkte absolut tabu. Also Finger weg von alkoholhaltigen Gesichtswässern, Seife oder rauen Peelings. Zur Reinigung sind eine Milch oder ein Öl gut geeignet (wie Weleda Mandel Wohltuende Reinigungsmilch), zum Tonisieren ein alkoholfreies Gesichtswasser oder Thermalwasser (zum Beispiel Eucerin® Sanftes Gesichts­tonic). Peelings sind erlaubt, wenn sie runde Schleifpartikel enthalten und nur einmal pro Woche benutzt werden. Anschließend die Haut mit einem intensiv pflegenden Serum verwöhnen (zum Beispiel Avène Mildes, reinigendes Peeling oder La Roche-Posay Physiologisches Peeling und danach Vichy Aqualia Thermal Serum).




Masken pflegen die Gesichtshaut intensiv.

Foto: beautypress/Avène sensible


Die Tagespflege muss einen hohen Lipidanteil enthalten, zum Beispiel Shea- oder Karité-Butter oder Nachtkerzen-, Traubenkern- sowie Borretschöl (wie La Roche-Posay Nutritic 5%). Wichtig ist auch die hohe Konzentration an Feuchthaltefaktoren in der Tagescreme (wie in Eucerin® Hautglättende Gesichtscreme 5% Urea Tag/Nacht oder Eucerin® Hyal-Urea Anti-Falten Tages-/Nachtcreme). Bei einem längeren Winterspaziergang ist die Haut durch die Nachtcreme besser geschützt als durch die Tagescreme, denn sie enthält mehr Fett. Aus demselben Grund eignen sich Augencremes im Winter besser als Augengele. Auch bei Make-ups sollte man cremigen Zubereitungen den Vorzug vor Pudern geben. Die Lippen sind mit einem Pflegestift oder Balsam mit natürlichen Wachsen oder Ölen gut geschützt (wie Dr. Hauschka Lippenkosmetikum oder Lippenpflegestift). Wer den Feuchtigkeitsgehalt seiner Gesichtshaut erhöhen möchte, sollte ihr zweimal wöchentlich eine Feuchtigkeitsmaske gönnen (wie Weleda Mandel Wohltuende Pflegemaske oder Dr. Hauschka Revitalmaske).

Vorsicht bei Kälteschäden

Einzige Ausnahme von diesem Pflegeprogramm: Bei Kälteschaden im Gesicht besser nur leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen auftragen (zum Beispiel La Roche-Posay Rosaliac Feuchtigkeitspflege gegen Rötungen) und vorerst weitere lange Kälteexpeditionen unterlassen.

Skifahrer, Langläufer oder andere Wintersportler setzen ihre Gesichtshaut oft stundenlang Frost und Fahrtwind aus. Deshalb sollten sie ihr Gesicht mit einer wasserfreien Kälteschutzcreme (zum Beispiel Excipial Fettsalbe, Balmandol® Mandelölsalbe oder Weleda Calendula-Wind- und Wetterbalsam) vor den gefürchteten Mikroerfrierungen schützen. Bei strahlendem Sonnenschein sollten Wintersportler UV-Filter-haltige Cremes auftragen (wie Ladival® Sonnen- und Kälteschutz Kombi, ilrido® Wintercreme LSF 30, Daylong® Sun & Snow SPF 30), vor allem wenn sie sich in den Bergen aufhalten. Bei der Rückkehr in geheizte Räume sollten sie zuerst die Kältecreme abwaschen, um der Haut einen Wärmestau zu ersparen.

Hände und Füße nicht vergessen

Auch die Hände müssen gepflegt und geschützt werden, denn sie kühlen besonders schnell aus. Wer nach draußen in die Kälte geht, sollte stets warme Handschuhe überziehen. Und nicht vergessen: Nach jedem Spülen, Putzen oder Händewaschen brauchen sie eine pflegende Creme (zum Beispiel Rausch Hand balm daily care oder Weleda Sanddorn-Handcreme). Gegen angegriffene oder rissige Hände hilft über Nacht eine spezielle Packung: Dazu eine harnstoffhaltige, lipidreiche Creme (wie Eucerin® repair Hand creme 5% Urea) auftragen, Baumwoll-Handschuhe darüber ziehen und die Creme im Schlaf einwirken lassen.


Maßnahmen in geheizten Räumen

Ein gesundes Raumklima soll 45 bis 55 Prozent Luftfeuchtigkeit aufweisen. Am besten prüft man in den eigenen vier Wänden regelmäßig den Feuchtigkeitsgehalt mit einem Hygrometer. Wenn die Luft zu trocken wird, kann man mit recht einfachen Mitteln für mehr Luftfeuchtigkeit sorgen:

  • Schalen mit Wasser befüllen und auf der Fensterbank oder auf der Heizung platzieren.
  • Ein ausgewrungenes Handtuch über den Heizkörper legen.
  • Verdunster mit Wasser füllen und an die Heizkörper hängen.
  • Zimmerbrunnen aufstellen.
  • Mindestens zweimal täglich die Wohnung mit vollständig geöffneten Fenstern und Türen für 5 bis 10 Minuten durchlüften (Prinzip der Stoßlüftung).


Auch die Haut an den Füßen verdient mehr Beachtung. Viele Menschen empfinden die fettreichen Salben als zu klebrig und unterlassen es daher, jeden Morgen und Abend ihre Füße einzucremen. Besser geeignet sind Cremes oder Schäume, die gut einziehen (wie Hansaplast® Samt & Seide Fußcreme oder Feuchtigkeitsspendender Fußbalsam oder Allpresan® Fuss-Schaum-Creme Intensiv-Pflege).

Bei Rissen am Fersenrand, so genannten Schrunden, haben sich Fertigpflaster mit Panthenol (wie Scholl Schrunden Akut Pflaster) bewährt. Diese sollen ein bis zwei Tage einwirken, stillen die Schmerzen und fördern den Heilungsprozess. Stark verhornte Fersen kann man vorbeugend ein- bis zweimal wöchentlich nach dem Fußbad mit einem Bimsstein oder einer Sandblattfeile behandeln und danach eine harnstoffhaltige Pflegecreme auftragen (wie Neutrogena® Fußcreme gegen Verhornung). Abschließend noch ein Tipp vor dem Zubettgehen: Füße mit einem erwärmten Hautöl massieren, Baumwollsocken darüber ziehen und das Öl über Nacht wirken lassen.

Heute kann jeder seine individuellen Hautprobleme im Winter mit Hilfe hochwertiger Kosmetika wirksam behandeln, um so Winterfreuden wirklich ungetrübt zu genießen. /


E-Mail-Adresse der Verfasserin

tschweig@online.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/2011

 

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