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Periorale Dermatitis

Die Stewardessen-Krankheit


Von Tanja Schweig / Kein Theaterschauspieler betritt die Bühne, ohne geschminkt zu sein. Auch in anderen Berufen ergänzt Make-up die professionelle Kleidung, beispielsweise bei Stewardessen. Leider fördert die trockene Luft im Flugzeug in Kombination mit der dekorativen Kosmetik die periorale Dermatitis. Obwohl auch andere stark geschminkte Frauen an diesem Hautausschlag rund um Mund und Nase erkranken, wird dieser umgangssprachlich als Stewardessen-Krankheit bezeichnet.

 

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Typischerweise bildet sich bei den betroffenen Frauen ein Ring mit Papeln im Gesicht, sodass die Erkrankung den wissenschaftlichen Beinamen »perioral« (= um den Mund herum) erhielt. Laien bezeichnen die Dermatitis auch als Mundrose. Zu Beginn der Erkrankung entstehen um den Mund herum zahlreiche kleine, rötliche Knötchen. Einige der entzündlichen Papeln stehen so dicht nebeneinander, dass sie wie ein großer geröteter Fleck aussehen. Manchmal bilden sich auch einzelne Eiterbläschen. Charakteristisch für das Erscheinungsbild der Dermatitis ist ein dünner Saum direkt am Rand der Lippen, der immer verschont bleibt. Bei manchen Frauen breitet sich der Ausschlag über die seitlichen Zonen des Kinns hinab oder über die Nasenflügel hoch bis auf die Stirn aus. Auch die äußeren Augenwinkel und Unterlider können betroffen sein. In einigen Fällen jucken oder brennen die Stellen ein wenig.

Empfindlicher Hauttyp

Was den Ausschlag verursacht, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Zurzeit kennen die Dermatologen lediglich eine Reihe von Faktoren, die das Auftreten fördern. Immer haben die betroffenen Frauen von Natur aus eine sehr empfindliche Haut. Weil et­liche gleichzeitig zu Allergien oder Neurodermitis neigen, rechnen Forscher die periorale Dermatitis aktuell der atopischen Dermatitis zu.




Zwei Anzeichen sind typisch für die periorale Dermatitis: der ringförmige Ausschlag um den Mund und die schmale freie Zone rund um die Lippen.

Foto: Professor Dr. Gerd Plewig


Alle Patientinnen haben vor der Erkrankung sehr regelmäßig Kosmetika, vor allem Feuchtigkeitscremes, angewendet. Die meisten benutzten zudem täglich und großflächig Make-up.

Dies erklärt, warum die periorale Dermatitis gerade unter jüngeren Frauen und Frauen mittleren Alters am weitesten verbreitet ist. Gelegentlich erkranken Kinder und ältere Frauen sowie in Einzelfällen auch Männer.

Haut wird »überpflegt«

Die periorale Dermatitis entsteht vor allem dann, wenn die Frauen ihre Haut eine Zeit lang mit falschen Produkten gepflegt oder zu oft gereinigt haben. Manche Patientinnen berichten dem Hautarzt, sie hätten eine neue Pflegeserie oder dekorative Produkte ausprobiert. Frauen mit empfind­licher Haut verspüren häufig ein Spannungsgefühl und tragen daher wiederholt Feuchtigkeitscremes auf. Obwohl sie mit den Cremes ihre Haut pflegen wollen, schaden sie ihr mehr als sie nutzen, denn die oberste Hornschicht wird so regelrecht »überfeuchtet«. Wasser dringt aber nicht nur aus den Cremes zwischen die Hornzelllagen, auch jedes Abschminken lässt sie weiter aufquellen. Die Rückstände von Reinigungscreme oder Gesichtswasser verändern die Zusammensetzung des Hornzellkitts zusätzlich. Im Endeffekt quillt die äu­ßere Hautschicht auf, und die natürliche Barrierefunktion der Hornschicht bricht zusammen.

Wenn nun Irritationen von außen hinzukommen, ist die Haut der Belastung nicht mehr gewachsen. So strapaziert zum Beispiel die trockene Luft am Arbeitsplatz, ob in Flugzeugkabinen, klimatisierten Verkaufs- oder Büroräumen, die Haut zusätzlich. Jeder Reiz, sei es durch Kosmetika, Hautreinigungsmittel, Gesichtswässer, aber auch Sonnenlicht und Kälte verschlechtern den Hautzustand. Schließlich entzünden sich die Wurzeln der feinen Flaumhaare im Gesicht , was die rötlichen Papeln erklärt. Breiten sich dort noch Bakterien aus, entstehen mit Eiter gefüllte Pusteln. Diese erwecken bei Laien oft den irrtümlichen Eindruck, es handle sich um eine Akne.

Gefahr Cortison

Einige Frauen behandeln die betroffenen Bereiche fälschlicherweise mit einer Cortison-haltigen Creme. Glucocorticoide lindern zwar tatsächlich die Hauterscheinungen, doch sobald die Betroffenen das Corticoid absetzen, flammen die Entzündungen wieder auf – und meist heftiger als zuvor.




Nach den Stewardessen, stets gepflegt und geschminkt, ist die Erkrankung benannt.

Foto: Fotolia/OGering


Im Unterschied zu früher, als alle Cortison-Präparate in Deutschland noch der Verschreibungspflicht unterlagen, können die betroffenen Frauen seit etwa drei Jahren Hydrocortison- und Hydrocortisonacetat-haltige Cremes und Salben in einer Konzentration von 0,5 Prozent auch hierzulande ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Von einer Anwendung im Gesicht sollten PTA oder Apotheker den Frauen allerdings abraten, denn die meisten unterschätzen die Gefahren einer solchen Therapie: Weil die Gesichtshaut viel dünner ist als die der meisten anderen Körperstellen, sollte niemand Glucocorticoide ohne ärztliche Verordnung im Gesicht auftragen. Diese Arzneistoffe machen bei längerer Anwendung die Haut dünner, verletzlicher und transparenter; außerdem erweitern sich feine Äderchen, die dann sichtbar hervortreten. Diese Veränderungen bleiben auch nach Absetzen der Therapie dauerhaft bestehen.

Experten empfehlen den Betroffenen als einzige sinnvolle Maßnahme: Sie sollen sofort alle Kosmetika, auch die dekorativen Präparate, absetzen und der Haut eine Ruhephase ganz ohne Behandlung gönnen. Das fällt den meisten Patientinnen sehr schwer. Zum einen haben sie über Jahre hinweg intensiv ihre Haut gepflegt, zum anderen verschlechtert sich ihr Hautbild nach Absetzen aller Pflegemaßnahmen häufig während der ersten Tage oder Wochen. Hier müssen PTA oder Apotheker Überzeugungsarbeit leisten und vor jeder erneuten Versuchung warnen, das Gesicht einzucremen oder zu salben.

Umschläge mit Gerbstoffen

In der akuten Phase haben sich Umschläge mit schwarzem Tee oder mit synthetischen Gerbstoffen (wie in Tannolact® Bade­zusatz, Tannosynt® flüssig oder Delagil® ­Pulver) bewährt. Die Gerbstoffe ­hemmen die Entzündung, lindern Juckreiz und unterstützen die Wundheilung. Ein Aufguss mit schwarzem Tee sollte mindestens 10 Minuten ziehen, um die Konzentration an Gerbstoffen zu erhöhen. Mit dem abgekühlten Tee kann die Patientin ein Baumwolltuch oder einen Waschlappen tränken und für circa 10 Minuten auf das Gesicht legen.




Die Haut verträgt am besten erst einmal nur Wasser und gerbstoffhaltige Umschläge.

Foto: Fotolia/Foxy A


Synthetische Badezusätze werden direkt in kaltem Wasser gelöst oder damit verdünnt. Im Unterschied zum Tee haben sie eine standardisierte pharmazeutische Qualität und sind frei von unerwünschten Begleitstoffen. Damit getränkte Kompressen legt die Frau am besten triefend nass für 10 bis 15 Minuten auf ihr Gesicht und wiederholt die Umschläge zwei- bis dreimal täglich.

Antibiotika und Zink

Je nach Schweregrad der Hauterscheinungen verordnen Hautärzte zusätzlich ein orales Antibiotikum, in der Regel ein Präparat mit einem Tetracyclin wie Minocyclin, alternativ auch Erythromycin. Im Normalfall dauert die Therapie vier bis sechs Wochen, manchmal einige Monate. Bei eher milden Verläufen oder bei Schwangeren greift der Hautarzt auf antibiotika- oder zinkhaltige, lokal anzuwendende Zubereitungen zurück. Nach einer solchen Behandlung bessert sich das Hautbild meist innerhalb von zwei Monaten. Bis der Ausschlag schließlich ganz heilt, ohne Narben zu hinterlassen, vergehen häufig einige Monate.

Sofern es der Arzt erlaubt und die Haut sehr spannt, dürfen die Patienten auch wieder Pflegecremes anwenden. Allerdings sollten die Produkte absolut reizfrei sein und möglichst »übersichtlich« zusammengesetzt. In dieser Phase können PTA und Apotheker zu sehr hautverträglichen Präparaten raten wie Physiogel A.I., Tannolact® Creme und Imlan® Creme Pur. Nach einer gewissen Zeit können die Patienten auch wieder Kosmetika anwenden, jedoch nur Produkte, die für eine empfindliche Haut konzipiert wurden. Meist sind diese frei von Parfüm, Konservierungs- und Farbstoffen. Infrage kommen zum Beispiel Eubos® Sensitive Feuchtigkeitscreme, Avène Creme für überempfindliche Haut oder Abilaine® Expert S aus der Kosmetiklinie gegen Rosazea. Die Betroffenen sollten alle Produkte nur dünn auf die Gesichtshaut auftragen und diese möglichst nur mit klarem Wasser reinigen. /


E-Mail-Adresse der Verfasserin

tschweig@online.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 12/2011

 

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