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Krampfadern

Sklerotherapie als Option


Von Gudrun Heyn, Wiesbaden / Wenn Betroffene Krampfadern nur als kosmetisches Problem ansehen, beurteilen sie die Situation falsch. Unbehandelt können Varizen zu offenen Beinen führen. Zur Ausschaltung der betroffenen Gefäße eignet sich auch die Sklerotherapie. Sie kann Operation oder Lasertherapie ersetzen.

 

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Die Sklerotherapie ist eine effektive und komplikationsarme Option zur Behandlung von Krampfadern (Varizen). Klinische Studien belegen ihre Wirksamkeit. Die Injektion eines Arzneimittels hat sich damit als pharmakologische Alternative zum weit verbreiteten operativen Venenziehen (Varizenstripping) und zur Lasertherapie erwiesen. »Die Sklerosierungsbehandlung ist in der Therapie von kleinkalibrigen Varizen, wie Besenreisern und den am Übergang zwischen Haut und Unterhaut gelegenen retikulären (netzförmigen) Krampfadern die Methode der ersten Wahl«, sagte der Präsident der deutschen Gesellschaft für Phlebologie Professor Dr. Eberhard Rabe von der Universität Bonn anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums des Pharmaunternehmens Kreussler in Wiesbaden.

Wenn Venen zu stark nachgeben

Krampfadern sind krankhaft erweiterte und geschlängelte Venen des oberflächlichen Gefäßsystems. Ihre Ursache ist eine gestörte Venenfunktion, etwa wenn Venenwände aufgrund des fortwährenden Blutdruckes nachgeben, sich also erweitern, und Venenklappen dadurch nicht mehr richtig schließen. Während bei gesunden Venen die Kraft der Muskelpumpen ausreicht, um den Blutstrom entgegen der Schwerkraft zum Herzen zu führen, fließt das Blut bei einer fehlenden Unterstützung durch die Venenklappen wieder zurück oder über Verbindungsvenen (Perforansvenen) in eine falsche Richtung. So staut sich das Blut in den Beinen und übt zusätzlichen Druck auf die Gefäßwände aus, bis sich schließlich die Venen noch weiter dehnen. Die Erkrankung selbst bezeichnen Mediziner als Varikose. Bleibt sie unbehandelt, schreitet die Bildung von Varizen immer weiter fort.




Auch wenns schick ist – wer Probleme mit den Venen hat, sollte auf hohe Absätze besser verzichten.

Foto: Shotshop/danstar


Varikose hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt: Bereits bei einem Drittel der erwachsenen Bevölkerung lassen sich größere Varizen feststellen. Schon junge Erwachsene können eine Varikose entwickeln, ältere Menschen erkranken jedoch deutlich häufiger. Frühe Symptome der Varikose sind schwere und müde Beine. Auch Spannungsgefühle, Juckreiz und Kribbeln in den Beinen gelten als Warnzeichen für die fortschreitende Varizenbildung. Weitere Warnsignale sind Krämpfe sowie Schmerzen beim Stehen oder beim längeren Sitzen. Später leiden die Patienten dann zusätzlich unter dem unästhetischen Aussehen der sich bläulich bis rötlich abzeichnenden oder knötchenförmig verformten Varizen. »Spätestens jetzt sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen, denn Krampfadern sind nicht nur ein Schönheitsproblem«, sagte Rabe. So kann eine chronische Stauung in den Venen zu Entzündungen führen und Ödeme verursachen. Auch das Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) zählt zu ernstzunehmenden Folgen.

Besenreiser und retikuläre Varizen

Haben sich Besenreiser oder sogar retikuläre Varizen gebildet, suchen die meisten Patienten einen Arzt auf. So weisen die Beine von mehr als 58 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 69 Jahren Besenreiser auf. Obwohl der Durchmesser der Besenreiser meist geringer ist als ein Millimeter und diese zumeist noch kein gesundheitliches Problem darstellen, erfüllen sie alle Definitionskriterien einer Varize. Sie sind krankhaft erweitert, ihre Mikro-Venenklappen undicht und zeigen die für Krampfadern typische Schlängelung. »Besenreiser können das erste sicht­bare Anzeichen einer ernsthaften ­Venenerkrankung sein«, so Rabe.

Besenreiser und retikuläre Varizen gehören zum oberflächennahen Venensystem, das nur etwa 10 Prozent des Blutes zum Herzen zurückführt. Doch auch Gefäße des tiefer gelegenen Venensystems können Varizen ausbilden. Dazu gehören die Stamm- und Seitenastvenen. Gegenüber den oberflächlichen Venen haben sie eine deutlich größere Bedeutung für den Blutstrom zum Herzen. Bislang gibt es noch keine Möglichkeit, einer Varizenbildung vorzubeugen. Grund ist die erbliche Veranlagung der Betroffenen. Bei der Entstehung von Krampfadern spielt sie eine entscheidende Rolle. Zu den anderen Risikofaktoren zählen das Alter und eine Schwangerschaft.

Dagegen ist es möglich, etwas gegen die Beschwerden einer Varikose zu unternehmen. So können Patienten der Bildung von Ödemen entgegenwirken, indem sie bestehendes Übergewicht reduzieren und sich deutlich mehr bewegen. Da High Heels die Symptome verstärken können, empfiehlt sich daher das Tragen flacher Schuhe. »Eine gute Linderung der Beschwerden bieten zudem Kompressionsstrümpfe oder -binden sowie orale Venentherapeutika etwa mit dem Flavonoid Troxerutin«, informierte Rabe.

Therapiemöglichkeiten bei Varikose

Die eigentliche Varikose-Therapie besteht darin, die betroffenen Gefäße auszuschalten oder zu beseitigen. Die in der Bundesrepublik dazu am häufigsten angewandte Behandlungsmethode ist das seit 1907 bekannte Babcock-Stripping, bei der der Operateur die geschädigte Vene mit einer Sonde herauszieht. »In den USA werden dagegen heute mehr als 90 Prozent der Eingriffe nicht mehr operativ durchgeführt«, sagte Rabe. Eine Behandlungsoption für alle Formen der Varikose ist die Sklerotherapie. Auch die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie zur Sklerosierungsbehandlung der Varikose bestätigt ihre Eignung für Besenreiser, kleine und große Varizen.




Fast 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben unschöne Besen­reiser an den Beinen. Die Sklerotherapie eignet sich laut neuer Leitlinie sowohl zur Behandlung von Besenreisern als auch von kleinen und großen Varizen.

Foto: Kreussler Pharma


Gegenüber anderen Verfahren hat die Sklerotherapie mehrere Vorteile. So erfolgt die Behandlung ambulant, wobei eine örtliche Betäubung nicht notwendig ist. Außerdem ist ein Schmerzmittel in der Regel nicht erforderlich, der Patient kann die Praxis nach der Behandlung sofort wieder verlassen und ist gleich arbeitsfähig. Gegebenenfalls muss er dafür jedoch mehrere Sitzungen beim Arzt in Kauf nehmen.

Gezielter Umbau mit Polidocanol

Als einziges Sklerosierungsmittel ist in Deutschland der Wirkstoff Polidocanol (Aethoxysklerol®) zugelassen. In mehr als 50 Ländern setzen Ärzte das Arzneimittel zur Sklerosierung ein, darunter auch in den USA. Dort ließ die Food and Drug Administration (FDA) im Jahr 2010 nach einer Pause von 60 Jahren die Substanz als Sklerosierungsmittels zu.

Ziel der Behandlung ist der Umbau der betroffenen Vene zu einem Strang aus Bindegewebe, den der Körper mit der Zeit abbaut. Während Besenreiser und kleinere Varizen vor allem mit dem flüssigen Sklerosierungsmittel behandelt werden, hat sich bei größeren Varizen inzwischen die Behandlung mit dem aufgeschäumten Präparat durchgesetzt. Das Aufschäumen geschieht unmittelbar beim Einspritzen mit Hilfe eines speziellen Spritzensystems, die Injektion des Mikroschaums erfolgt unter Ultraschall­kontrolle. Das flüssige oder schaumförmige Sklerosierungsmittels schädigt das Endothel des betroffenen Gefäßabschnitts und es kommt zu einem vorläufigen Verschluss. Längerfristig wird das Gewebe umgewandelt und abgebaut.

In Studien erwies sich das verschreibungspflichtige Arzneimittel als wirksam und gut verträglich nicht nur für Besenreiser und retikuläre Varizen, sondern auch für größere Krampfadern. So zeigte eine Multicenterstudie mit 285 Teilnehmern in China einen sichtbaren Behandlungserfolg des flüssigen Slerosierungsmittels gegenüber Placebo bei Besenreisern (87 Prozent zu 13 Prozent der Patienten) und retikulären Varizen (86 Prozent zu 12 Prozent der Patienten). Der Effekt der Therapie wurde mithilfe eines digitalen Bildgebungssystems beurteilt. Bei mittelgroßen und großen Varizen lag die Erfolgsrate bei 89 Prozent in der Verumgruppe gegenüber 4 Prozent in der Placebogruppe, wobei der Verschluss der betroffenen Vene (Rückfluss < 0,5 Sekunden) als Erfolg gewertet wurde.

»Eine noch bessere Wirksamkeit bei größeren Varizen wird mit der Schaumsklerosierung erreicht«, sagte Rabe. So ergab eine niederländische Studie, dass die Schaumsklerosierung von Stammvarizen im Ergebnis (Rückfluss unter Berücksichtigung der Beschwerden) mit dem eines operativen Strippings vergleichbar ist.

Die gute Verträglichkeit des auch als Lokalanästhetikum zugelassenen Polidocanols bestätigt zudem eine französische Studie: Bei mehr als 12 100 Sklerotherapie-Sitzungen betrug die Nebenwirkungsrate lediglich 0,4 Prozent. /


E-Mail-Adresse der Verfasserin

gheyn@gmx.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2012

 

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