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Sommerhitze

Weniger ist besser


Von Judith Amann / Die heißesten Monate des Jahres stehen bevor. Viele genießen dann Sonne und Sommerhitze ausgiebig. Zu viel von beidem kann jedoch besonders bei älteren Menschen und kleinen Kindern zu einem Sonnenstich oder Hitzschlag führen. Die beste Vorbeugung: Große Hitze sowie die pralle Sonne meiden und ausreichend trinken.

 

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Strahlend blauer Himmel, weit und breit kein Schatten, die Sonne brennt, und das Thermometer klettert auf über 30 Grad Celsius: Wer sich jetzt ohne Kopfbedeckung in der Sonne aufhält, sich körperlich anstrengt und zu wenig trinkt, riskiert eine Hitzeerschöpfung, einen Sonnenstich oder schlimmstenfalls einen Hitzschlag. Alle drei zählen zu den sogenannten Hitzeschäden. Sie kommen zustande, wenn unser Körper über längere Zeit einer zu hohen Umgebungstemperatur ausgesetzt ist. Das ist der Fall, wenn wir uns zum Beispiel in der prallen Sonne oder feuchtschwüler Hitze aufhalten. Auch zu warme Kleidung kann die Temperatur des Körpers zu stark in die Höhe treiben.




Wer bei sommerlichen Temperaturen aktiv ist, muss darauf achten, ausreichend zu trinken.

Foto: Fotolia/Anton Gvozdikov


Thermoregulation außer Betrieb

Beim Hitzschlag versagt die Regulation der Körpertemperatur – die sogenannte Thermoregulation. Sobald das passiert, produziert der Körper weniger Schweiß. Der Organismus wird deshalb nicht mehr ausreichend durch die Verdunstungskälte gekühlt. »Es kommt zu einem Wärmestau im menschlichen Körper«, erläutert Professor Dr. Peter Sefrin, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte (agbn) und Dozent für Notfallmedizin.

Als Folge des Wärmestaus steigt die Körpertemperatur auf 40 Grad Celsius, die Haut ist am ganzen Körper hochrot, heiß und trocken. Betroffene leiden unter Übelkeit und Schwindel, der Pulsschlag beschleunigt sich, und es kann zu Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Auch wenn der Begriff Hitzschlag danach klingt – er kommt nicht plötzlich. »Erste Anzeichen sind Ermüdung und Schwächegefühl«, sagt Sefrin. »Es geht ihm ein Stadium voraus, in dem diese Symptome auftreten.«

Wird der Betroffene bewusstlos, kann sich sein Zustand schnell weiter verschlechtern. Spätestens dann ist es ratsam, den Notarzt zu verständigen. Ersthelfer sollten versuchen, den Körper zu kühlen, indem sie den Betroffenen in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen und seine Kleidung lockern. Ist der Patient ansprechbar, sollte er flach mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden. Ist er bereits bewusstlos, müssen Ersthelfer ihn in die stabile Seitenlage bringen.

Besonders anfällig für einen Hitzschlag sind kleine Kinder und ältere Menschen. Bei ihnen funktioniert die Thermoregulation noch nicht beziehungsweise nicht mehr so gut. Auch alle, die wenig trinken sollen, sind stärker gefährdet, zum Beispiel Patienten mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Personen, die Diuretika einnehmen.

Wenn die Sonne das Gehirn aufheizt

Ältere Menschen und kleine Kinder sind ebenfalls anfälliger für einen Sonnenstich (Insolation). »Ein Sonnenstich ist die Folge der direkten Erwärmung des Gehirns durch starke Sonneneinstrahlung – wie bei einem Brennglas«, sagt Sefrin. Senioren haben oft einen geringeren Schutz durch fehlende Haare, und bei Kleinkindern ist die Schädeldecke dünner. Durch die starke Wärme werden die Hirnhäute (Meningen) gereizt. Das Gehirn dehnt sich aus, es kommt zu einem Hirnödem.

Typische Symptome bei einem Sonnenstich sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und ein hochroter Kopf. Im Gegensatz zum Hitzschlag bleibt die Körpertemperatur meist normal, und auch die Haut ist nicht auffällig gerötet und fühlt sich kühl an. Gerade bei kleinen Kindern treten die Anzeichen oft erst Stunden später auf. Sie können auch zusätzlich Fieber bekommen. Fühlt sich das Kind am Abend nach einem Sommertag im Freien unwohl, sollten die Eltern an einen Sonnenstich denken und mit dem Kind einen Arzt aufsuchen.

Auch Ohrensausen, innere Unruhe, Benommenheit, ein steifer Nacken (Meningismus) oder ein erhöhter Puls können auf einen Sonnenstich hindeuten. Wenn sich bei Betroffenen das Bewusstsein trübt oder sie es verlieren, muss auch hier der Notarzt verständigt werden. Das Hirnödem kann zu Krampfanfällen bis hin zum Koma führen. Allerdings sind diese schweren Komplikationen selten. Sehr unwahrscheinlich ist auch das Auftreten einer Meningitis bei kleinen Kindern durch eine Reizung der Hirnhäute.

Die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Sonnenstich sind ähnlich wie bei einem Hitzschlag: Den Betroffenen ins Kühle bringen und ihn flach mit leicht erhöhtem Kopf und Oberkörper lagern. Den Kopf sollten die Ersthelfer mit feuchten Tüchern kühlen. Auch Eiswasserbeutel oder Sofortkühlpackungen eignen sich. Diese sollten mit einem Tuch umwickelt werden, damit sie die Haut nicht direkt berühren und zu Erfrierungen führen.




Kühlpackungen sollten stets mit einem Tuch umwickelt werden, um direkten Hautkontakt zu vermeiden.

Foto: Fotolia/Peter Atkins


Zu wenig getrunken, zu sehr angestrengt

Eine Hitzeerschöpfung ist die direkte Folge einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme bei großer Hitze. Dadurch verliert der Körper Wasser und Elektrolyte. Das Blut wird dickflüssiger, der Körper schwitzt nicht mehr genug, um sich ausreichend abzukühlen. Gefährdet sind in erster Linie Personen, die bei großer Hitze Sport treiben oder körperlich arbeiten, ohne dabei genügend zu trinken. Auch kleine Kinder sowie kranke und ältere Menschen sollten sich bei heißem Wetter möglichst nicht anstrengen. Bei ihnen führen schon geringe Belastungen zu einer Hitzeerschöpfung.

Die Symptome der Hitzeerschöpfung ähneln denen eines Schocks bei zu geringem Blutvolumen. Die Betroffenen leiden unter Schwindel, Übelkeit, Benommenheit und schweren Kopfschmerzen. Im Gegensatz zum Hitzschlag ist die Körpertemperatur aber normal, und die Haut ist blass und feucht. Weitere Anzeichen sind ein beschleunigter, schwacher Puls und trockene Schleimhäute. »Es kommt zu einer Verschiebung im Elektrolythaushalt. Das kann zu einem Hirnödem führen«, erklärt Sefrin. Die Folgen können Bewusstseinstrübungen, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit sein.

Soweit sollte es nicht kommen. Zeigt eine Person erste Anzeichen einer Hitzeerschöpfung, sollte sie raus aus der Sonne, sich schonen und in kleinen Schlucken mineralhaltige Getränke zu sich nehmen. Geeignet sind Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertee und Saftschorle. Für weitere Maßnahmen ist der Unterschied zu Sonnenstich und Hitzschlag wichtig: Denn am besten werden die Betroffenen flach, aber mit erhöhten Beinen gelagert. Also das genaue Gegenteil der Lagerung bei Sonnenstich oder Hitzschlag – denn hier sollten Kopf und Oberkörper höher gelagert werden. Leiden Betroffene unter Atemnot oder werden sie ohnmächtig, ist eine Hitzeerschöpfung ein Fall für den Notarzt. Bewusstlose sollten bis zu dessen Eintreffen in die stabile Seitenlage gebracht werden.




Kinder reagieren auf starke Hitze und Sonneneinstrahlung besonders empfindlich und müssen deshalb mit einer Kopfbedeckung geschützt werden.

Foto: Fotolia/Max Topchii


Vermeiden ist die beste Vorbeugung

Vorbeugen funktioniert bei allen Hitzeschäden ähnlich: Wenn möglich, Sonne und Hitze meiden. Dazu gehört, sich über die Mittagszeit nicht in der prallen Sonne aufzuhalten, sondern lieber vormittags oder ab dem Nachmittag die Sonne genießen. Dabei sollte man einen Sonnenhut und luftige, leichte Kleidung in hellen Farben tragen. Auch ausreichend zu trinken ist wichtig. Optimal sind 2 bis 3 Liter über den Tag verteilt, zum Beispiel Mineralwasser oder Saftschorlen. Die Getränke sollten weder zu kalt noch stark zucker- oder coffeinhaltig sein. Auch auf schwer verdauliche, fettige Speisen sollte man bei großer Hitze verzichten, sie belasten den Körper. Gleiches gilt für ausgiebigen Sport oder körperlich anstrengende Arbeiten: diese Aktivitäten am besten auf den frühen Morgen oder die Abendstunden verschieben. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2014

 

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