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BERATUNGSPRAXIS

Selbstmedikation

Neues gegen Sodbrennen


Von Verena Arzbach, München / Seit Kurzem können PTA oder Apotheker Kunden in der Selbstmedikation ein weiteres Arznei­mittel gegen Sodbrennen empfehlen: Den bislang rezeptpflichtigen Protonenpumpenhemmer Esomeprazol gibt es nun auch als freiverkäufliche Variante. Für welche Kunden sich der Wirkstoff eignet und welche Aspekte bei der Beratung wichtig sind, erläuterte die PTA Sibylle Kaduk bei einem Pressetermin der Firma Pfizer auf der Expopharm in München.

 

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Schildert der Kunde in der Apotheke die für Sodbrennen oder saures Aufstoßen typischen Symptome, müssten PTA oder Apotheker zunächst die Begleitumstände der Beschwerden herausfinden, erklärte Kaduk, Kommunikationstrainerin und seit 15 Jahren angestellte PTA aus Berlin. Wie lange bestehen die Beschwerden bereits? Wann treten die Symptome auf: Eventuell nach dem Essen bestimmter Lebensmittel oder Getränke oder unabhängig davon? Leidet der Kunde unter anhaltendem Stress?




Sodbrennen kann mit vielen verschiedenen Präparaten selbst behandelt werden – seit Kurzem auch mit dem Wirkstoff Esomeprazol.

Foto: Superbild


Die Palette freiverkäuflicher Wirkstoffe, die PTA oder Apotheker in der Selbstmedikation empfehlen können, ist groß. Ein Vorteil von Antazida und Alginaten sei, dass sie schnell und lokal wirken, sagte Kaduk. Die Wirkstoffe neutralisieren die Magensäure, lindern die Beschwerden aber nur relativ kurzfristig. Sie helfen zum Beispiel gut nach einem zu fetten Essen. Arzneistoffe aus der Gruppe der H2-Blocker wirken dagegen deutlich stärker: Sie blockieren den Histamin(H2-)-Rezeptor und hemmen die Säureproduktion und damit deren Freisetzung. Allerdings: Die Wirkung der H2-Blocker kann bereits innerhalb von zwei Wochen nachlassen.

Protonenpumpenhemmer, auch Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) genannt, beeinflussen die sogenannte Protonenpumpe im Magen, die die Säure aus den Belegzellen in den Magen pumpt, erklärte Kaduk. »Es dauert zwar etwas länger, bis die Wirkung einsetzt, sie hält aber bis zu 24 Stunden an und bleibt auch bei längerer Anwendung voll erhalten.« Bei Bedarf kann ein Patient auch einen Protonenpumpenhemmer mit einem schnell wirksamen Antazidum kombinieren, das er nach dem Essen einnimmt, so der Rat der PTA.

Neu auf dem Markt

Seit August hat sich das Spektrum der Präparate, die PTA oder Apotheker in der Selbstmedikation empfehlen können, erweitert: Seitdem ist das erste freiverkäufliche Präparat mit dem Wirkstoff Esomeprazol (Nexium Control®) erhältlich. Nexium Control eigne sich besonders für Patienten, die häufig unter Sodbrennen leiden und mit anderen Medikamenten bislang keine oder kaum Erfolge erzielt haben, sagte Kaduk. Zugelassen ist der Protonenpumpenhemmer Esomeprazol als OTC-Arzneimittel in der Dosierung von 20 mg pro Tag zur Kurzzeitbehandlung von Sodbrennen. Die verschreibungspflichtigen Esomeprazol-Präparate sind im Gegensatz dazu indiziert für eine längere Therapie, zum Beispiel bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). Bessern sich die Beschwerden des Patienten nach maximal zwei Wochen nicht, sollte er einen Arzt aufsuchen. »Darauf sollte die PTA im Beratungsgespräch deutlich hinweisen«, so Kaduk.

Die Patienten sollten einmal täglich eine Tablette morgens unzerkaut mit einem Glas Wasser auf nüchternen Magen einnehmen, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück oder zu dem ersten Bissen. Denn nüchtern ist mehr Magensäure vorhanden, das Prodrug Esomeprazol werde so schneller im sauren Milieu der Belegzellen in seine aktive Wirkform umgewandelt. »Die Tabletten dürfen nicht zerkaut oder zerkleinert werden, damit ihr magensaftresistenter Überzug erhalten bleibt«, sagte Kaduk. Die Nexium Control-Tabletten werden ebenso wie die verschreibungspflichtigen Nexium-Präparate mit derselben MUPS (Multiple Unit Pellet System)-Galenik hergestellt. Das heißt, der Wirkstoff ist in kleinen Mikrokügelchen durch einen magensaftresistenten Überzug vor der Säure im Magen geschützt. Die Kügelchen werden zwar im Magen freigesetzt, gelangen aber schnell in den Dünndarm, wo sie zerfallen und der Wirkstoff in die Blutbahn aufgenommen wird und schließlich in die Belegzellen des Magens gelangt.

Berichten die Patienten außer Sodbrennen oder saurem Aufstoßen in der Apotheke über Alarmzeichen wie Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder anhaltendes oder blutiges Erbrechen, müssen PTA oder Apotheker sie sofort an den Arzt verweisen. Auch wer bereits Magen- beziehungsweise Darmgeschwüre oder Leber- und/oder Nierenleiden hatte, solle sich bei Sodbrennen besser an den Arzt wenden.

Wechselwirkungen prüfen

Um beurteilen zu können, ob das Esomeprazol-Präparat optimal für den jeweiligen Kunden geeignet ist, müssten sich PTA oder Apotheker außerdem danach erkundigen, welche anderen Medikamente er bereits einnehme, sagte Kaduk. Da Esomeprazol wie Omeprazol über CYP-Enzyme verstoffwechselt wird, schließen sich manche Wirkstoffkombinationen aus, beispielsweise sollte Esomeprazol nicht zusammen mit dem Antidepressivum Citalopram, dem Thrombozytenaggregationshemmer Clopidogrel und verschiedenen antiretroviralen Arzneistoffen eingenommen werden. Denn diese Wirkstoffe werden über die gleichen Isoenzyme metabolisiert, die gleichzeitige Einnahme kann daher zu Wechselwirkungen führen.

Neben dem geeigneten Präparat lindern zusätzlich nicht medikamentöse Maßnahmen die Beschwerden. »Wer Sodbrennen hat, sollte in Ruhe essen und sich Zeit nehmen. Besser sind auch mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt als wenige große«, sagte Kaduk. Auch am Abend sollte man eher wenig und leicht Verdauliches essen. Auf sehr fetthaltige oder süße Lebensmittel sollten Menschen mit häufigem Sodbrennen besser verzichten, ebenso auf scharfe Gewürze. Vorsicht sei auch bei Kaffee, schwarzem Tee, viel Pfefferminztee, säurehaltigen Fruchtsäften und frischem Brot geboten, all dies könne bei empfindlichen Patienten zu Magenreizungen führen, sagte Kaduk. Ebenso sollten die Betroffenen Alkohol und Zigaretten besser meiden. Wer vor allem nachts unter den Beschwerden leidet, kann mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen, denn das vermindere den Reflux, riet Kaduk. Natürlich gelte es auch, Stress möglichst zu vermeiden, eventuell könnten Entspannungstechniken hilfreich sein, sagte Kaduk und ergänzte, Übergewichtige sollten abnehmen. Denn ein zu hohes Körpergewicht gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für Sodbrennen und saures Aufstoßen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2014

 

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