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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Pneumonie

Infektion mit gefährlichen Folgen


Von Inga Richter / Lungenentzündungen gehören zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten. Je älter oder kränker die Patienten, desto schwerer der Verlauf. Bei den ersten Symptomen sollte sofort der Arzt aufgesucht werden. Impfungen können schützen.

 

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Meist sind es Bakterien, die eine Entzündung des Lungengewebes verursachen, manchmal auch Viren, sehr selten Pilze. Der Verlauf einer Pneumonie und die notwendige Behandlung hängen aber nicht nur von der Art der Erreger ab, sondern auch vom Allgemeinzustand des Patienten, den möglichen Begleiterkrankungen oder Risikofaktoren, und insbesondere davon, wo sich die Patienten infiziert haben.




Foto: Shutterstock/XiXinXing


»Das allerwichtigste ist, möglichst schnell den Infektionsort zu ermitteln«, sagt Dr. Michael Barczok, Facharzt der Inneren Medizin für Lungen- und Bronchialheilkunde vom Lungenzentrum Ulm und Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen: Stecken sich Betroffene im häuslichen Umfeld, in Alten- oder Pflegeheimen an, spricht man von einer ambulant erworbenen Pneumonie (Community aquired Pneumonia – CAP). »Die Erreger einer nosokomial, also im Krankenhaus, erworbenen Lungenentzündung sind wesentlich aggressiver«, sagt Barczok. Eine solche Hospital aquired Pneumonia (HAP) führe drastisch häufiger zum Tod des Patienten: »Es gibt immer verrücktere Keime«, erklärt der Experte. Vor allem in Krankenhäusern entstehen gehäuft multiresistente Erreger, denen so manches Antibiotikum nichts mehr anhaben kann. Doch auch der unkritische Einsatz von Antibiotika in vielen Arztpraxen oder in der Tierhaltung, mache eine wachsende Anzahl von Bakterien gegen die Behandlung immun.

Übertragen wird die Erkrankung durch Tröpfcheninfektion oder den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen. Je nach Art der Mikroben entwickelt sich eine typische oder eine atypische Pneumonie. Bei der typischen Pneumonie befallen unter anderem Pneumo- oder Streptokokken die Lungenbläschen (Alveolen) eines zuvor gesunden Menschen. Innerhalb von 12 bis 24 Stunden leiden die Betroffenen unter hohem Fieber und Schüttelfrost, das Atmen fällt schwer und die Brust schmerzt. Ein klares Anzeichen sei der produktive Husten, so Barczok: »Ist der Auswurf gelb-grünlich oder gar blutig, sollte man schleunigst den Arzt aufsuchen.«

Allerdings sei die typische Lungenentzündung gut behandelbar. Vor allem, wenn es sich um eine primäre und ambulant erworbene Pneumonie handelt, das heißt: Der oder die Betroffene ist frei von Begleiterkrankungen und Risikofaktoren und hat sich jenseits eines Krankenhauses angesteckt.

Unauffällige Entzündung

Bei der atypischen Pneumonie befallen Mykoplasmen oder Legionellen den interstitiellen Raum zwischen Alveolen und Blutgefäßen. »Die Krankheit verläuft unauffälliger und langsamer«, so Barczok. »Das Fieber ist nur mäßig, Kopf und Glieder schmerzen, das Krankheitsgefühl der Patienten ist schwächer ausgeprägt.« Außerdem sei der Husten nicht produktiv, sondern trocken, sodass die Rasselgeräusche fehlen. Für die Betroffenen selbst sind die Symptome von einem grippalen Infekt kaum zu unterscheiden. Ein Grund, weshalb sie oft erst spät den Arzt aufsuchen.

»Oftmals setzt sich eine Lungenentzündung auf einen banalen Virusinfekt drauf«, sagt Barczok. Bei einer solchen Superinfektion ist das Immunsystem durch die Erkältung bereits geschwächt, sodass Bakterien ein leichtes Spiel haben, sich ungehindert zu vermehren. Von dem Virusinfekt erhole man sich in der Regel nach wenigen Tagen. Erfolge dann aber ein zweiter schwerer Schub, handele es sich wahrscheinlich um eine Lungenentzündung.

Gesunde Menschen verkraften die Erkrankung bei entsprechender Behandlung in der Regel gut, zumindest, sofern sie ambulant erworben wurde. Weitaus gefährlicher verlaufen sekundäre Lungenentzündungen bei bereits vorgeschädigten Personen. »Ein intaktes Immunsystem bringt die Erreger normalerweise um«, erklärt Barczok. Doch es gebe immer mehr ältere Menschen, deren Immunsystem ohnehin nur noch unzureichend arbeitet und gleichzeitig durch mögliche Begleiterkrankungen und entsprechende Medikationen zusätzlich beansprucht wird. Geschwächt wird die körpereigene Abwehr durch chronische Erkrankungen der Organe oder des Immunsystems sowie durch die Einnahme immunsuppressiver Medikamente. Besonders Raucher sind gefährdet, aber auch Säuglinge und Kleinkinder.

Nach Durchfallerkrankungen ist die Pneumonie die häufigste Infektionskrankheit weltweit, jedes Jahr sterben etwa drei bis vier Millionen Menschen daran. »In Deutschland werden jährlich 400 000 bis 600 000 Patienten ambulant behandelt«, sagt Barczok, weitere 200 000 im Krankenhaus. Hierzulande gilt die Pneumonie als sechsthäufigste Todesursache, laut Informationen der Charité verusacht sie sieben Mal mehr Tote in einem Jahr als der Straßenverkehr und immer noch stirbt etwa jeder zehnte der eingelieferten Patienten.

Oft ohne typische Symptome

Je eher eine Pneumonie erkannt und behandelt wird, desto besser der Verlauf und die Prognose. Doch: »Oft kündigen keine typischen Krankheitszeichen die Infektion an«, warnte Professor Christian Grohé, Chefarzt der Pneumologie an der Evangelischen Lungenklinik Berlin in einer Pressemitteilung. Die Erkrankung verlaufe dann so schnell, dass keine Behandlung wirkt, selbst mit Antibiotika. Auch vermeintlich harmlose, ambulant erworbene Pneumonien können sich zu einer lebensbedrohlichen Gefahr entwickeln, wenn die Erreger den gesamten Körper befallen und so eine Blutvergiftung (Sepsis) oder Organversagen herbeiführen (severe community aquired Pneumonia – sCAP). Schwere Verläufe führten manches Mal zu schwerwiegenden Komplikationen, beispielsweise zu Lungenversagen oder -abzessen, zu Pleuraergüssen oder -empyemen (Ansammlung von Eiter). Besonders gefährlich sind sekundäre, nokosomiale Pneumonien, wenn sich also Patienten aus den Risikogruppen im Krankenhaus infizieren.




Wichtig für Risikopatienten: Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe.

Foto: Shutterstock/pedalist


Ein nützliches Tool, den Schweregrad einer Pneumonie abzuschätzen sei der CRB-65-Index, erläutert Barczok. Die statistische Wahrscheinlichkeit, an der Erkrankung zu versterben steigt, je mehr der folgenden Faktoren zutreffen: Verwirrung (Confusion), hohe Atemfrequenz (Respiratory rate > 30/min) und niedriger Blutdruck (Blood pressure unter 90 mmHg systolisch oder unter 60 mmHg diastolisch). Die Zahl 65 steht für das minimale Alter der betreffenden Person. »Treffen ein bis zwei der Punkte zu, liegt die Gefahr der Sterblichkeit bereits bei 13 Prozent«, sagt Barczok. Eine stationäre Aufnahme sei dringend anzuraten. Zwingend aber wäre die Krankenhauseinweisung bei drei bis vier zutreffenden Punkten, da dann das Mortalitätsrisiko ganze 26 Prozent betrage.

Therapie der Pneumonie

Die Therapie stützt sich bei bakterieller Infektion auf möglichst erregerspezifische Antibiotika. Ansonsten kommen Virustatika oder Antimykotika zum Einsatz. Gegen Fieber helfen Wadenwickel, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure, gegen den produktiven Husten einer typischen Pneumonie kann der Patient schleimlösende Medikamente wie Acetylcystein oder Ambroxol einnehmen. Beim trockenen Reizhusten einer atypischen Pneumonie kann der Arzt auch einen Hustenstiller wie Codein verordnen. Wichtig ist immer Bettruhe. Die Rückkehr zur Arbeitsstelle, in Kindergarten oder Schule darf erst erfolgen, wenn die Erkrankung vollkommen ausgeheilt ist und sich die Betroffenen wieder leistungsfähig fühlen. Zu groß ist die Gefahr eines Rückfalls, aber auch die, andere anzustecken.


Von der ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfohlene Impfungen

Pneumokokken-Impfung und Grippe-Impfung bei folgenden Risikogruppen:

  • Menschen ab 60 Jahre
  • bei chronischen Erkrankungen: Herzkreislauferkrankungen, Hypertonie, Angina pectoris, Asthma, chronische Bronchitis, COPD, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Leber-, Nierenerkrankungen, neurologische Erkrankungen
  • Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz: Leukämie, HIV, Defizienzen der Immunzellen (B- und T-Lymphozyten), Menschen ohne Milz
  • bei einer immunsuppressiven Therapie, z.B. nach Organtransplantation, bei Autoimmunerkrankungen, Chemotherapie bei Krebs

Pneumokokken Impfung zusätzlich bei:

  • Kinder ab vollendetem 2. Lebensjahr

Grippe-Impfung zusätzlich bei:

  • Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie
  • Menschen, die täglich Kontakt mit vielen anderen Menschen haben, z.B. Pflegepersonal, Verkäufer, Kinder­gärtnerinnen, Lehrer

Kinder:

Die ständige Impfkommission empfiehlt folgende Impfungen, welche bei Kindern einer Lungenentzündung vorbeugen können:

  • gegen Masern
  • gegen Hämophilus influenza Typ b
  • gegen Pneumokokken
  • gegen Windpocken (Varizellen)


Gesunder Lebensstil schützt

Wie bei allen anderen Erkrankungen ist nach Meinung der Experten eine gesunde Lebensführung die beste Prävention: Ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und viel Bewegung stärken das Immunsystem und schützen nicht nur vor einer Pneumonie. Insbesondere Risikopatienten sollten allerdings noch mehr tun. »Einer Lungenentzündung kann durch eine Pneumokokken- und Grippe-Impfung vorgebeugt werden«, sagte Grohé. Zwar erfassen diese nicht alle möglichen Erreger, könnten den Verlauf jedoch erheblich mildern. Für einen dauerhaften Schutz sollte die Grippe-Impfung jährlich im Herbst und die gegen Pneumokokken alle fünf Jahre aufgefrischt werden.

Die Pneumokokken-Impfung sei besonders für Risikogruppen wichtig, ergänzt Barczok. »Gegen Grippe würde ich allerdings jeden impfen, der mir vor die Flinte kommt.« Denn Grippe­viren schädigen die Schleimhaut und schwächen so die Gesamtabwehr: »Die Impfung wirkt wie ein Großreinemachen vor dem Winter, sie bringt die Immunfabriken zum Anlaufen und schützt somit auch vor anderen Anfeindungen.« /



Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2014

 

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