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Husten

Wichtige Fragen im Beratungsgespräch


Von Maria Pues / Husten kennt jeder, und viele Patienten meinen daher, alles über ihren Husten zu wissen. Doch Husten ist ein Symptom, das bei vielen Erkrankungen auftreten kann. Oft – aber nicht immer – steckt eine Erkältung hinter den Beschwerden.

 

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An manchen Tagen denken viele PTA und Apotheker, der ganze Arbeitstag bestehe nur aus hustenden und schniefenden Apothekenkunden. Kein Wunder: Im Herbst und Winter mehrt sich die Zahl erkälteter Patienten erheblich. Sie stehen in der Apotheke förmlich Schlange, und der schnelle Griff ins Regal mit schleimlösenden und hustenstillenden Tropfen, Tabletten und Tees ist verführerisch. Aber Husten kommt nicht nur bei Erkältungen vor, sondern ist Symptom einer ganzen Reihe von Erkrankungen. Die Ursache für den Husten muss nicht einmal in den Atemwegen liegen. Und nicht zuletzt kommen auch Arzneimittel als Auslöser in Frage. Durch einige einfache Fragen erhalten PTA und Apotheker Anhaltspunkte dafür, ob der Husten im Rahmen der Selbstmedikation gelindert werden kann oder ob zu einem Arztbesuch zu raten ist – ohne den Patienten dabei zu beunruhigen.




Foto: Shutterstock/racorn


Ist der Apothekenkunde überhaupt der Patient, um den es im Beratungsgespräch geht? Dies gilt es zunächst sicherzustellen, auch wenn der Kunde mit laufender Nase und hustend vor dem HV-Tisch steht und eigentlich alles klar scheint. Denn ob dieser trotz eigener Beschwerden auch tatsächlich für sich selbst um Rat fragt, oder vielleicht für ein ebenfalls erkranktes Familienmitglied, ist nicht offensichtlich und nur durch Nachfragen zu ermitteln. Erst wenn dies geklärt ist, können sich PTA oder Apotheker der Beratung widmen.

Husten ist bekanntermaßen nicht gleich Husten. Die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften wie die der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) vom Februar 2014 unterscheiden zwischen einem akuten und einem chronischen Husten. So sprechen Experten von einem akuten Husten, wenn die Beschwerden bis zu acht Wochen andauern. Dauert er länger als zwei Monate, liegt ein chronischer Husten vor.


Husten

Husten ist nicht nur ein Symptom vieler Erkrankungen. Vor allem ist er ein Schutzmechanismus, der Fremdstoffe aus den Atemwegen herausbefördern soll. Üblicherweise erfolgt dies normalerweise ganz unauffällig und geräuschlos durch die sogenannte mukoziliäre Clearance. Dabei bewegen sich Fremdstoffe – beispielsweise aus Staub oder Zigarettenrauch – wie ein Floß auf den Wellen über kleine Flimmerhärchen nach draußen. Ist die mukoziliäre Clearance gestört – beispielsweise bei Rauchern – wird ein Hustenreflex ausgelöst. Mechano­rezeptoren in den Atemwegen melden Fremdkörper über einen aufsteigenden Reflexbogen an Hustenzen­tren im Gehirn; der Befehl »Husten« gelangt dann von dort über einen absteigenden Reflexbogen an die entsprechenden Muskeln. Husten ist aber nicht nur ein Reflex. Im Gegensatz zu reinen Reflexen, die dem Willen nicht unterliegen, kann man einen Hustenreiz bis zu einem gewissen Grad willentlich unterdrücken oder auch auslösen.


Neben der Dauer der Hustenbeschwerden sollten PTA und Apotheker auch die Art des Hustens erfragen. Handelt es sich um einen trockenen Reizhusten oder um einen produktiven Husten, also einem Husten mit Schleimproduktion? Und hat sich der Husten im Verlauf der Erkrankung verändert? Tritt er vorwiegend am Tage auf oder eher in der Nacht beziehungsweise am Morgen?

Wichtig: Nicht immer ist ein akuter Husten ein Fall für die Selbstmedikation. Laut der Leitlinie der Bundesapothekerkammer (BAK) soll ein trockener Reizhusten, der erst seit zwei bis drei Wochen andauert, ebenfalls ärztlich diagnostiziert und behandelt werden. Auch wenn die Patienten berichten, dass sie Fieber haben, bei Belastung nur schwer Luft bekommen oder dass sie beim Atmen Schmerzen verspüren, sollten sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Dies gilt auch, wenn der Auswurf gelblich-grün gefärbt ist.

Eine einfache Erkältung?

Für eine Erkältung spricht, wenn die Beschwerden erst wenige Tage bestehen. Oft leiden die Betroffenen dann auch an einem Schnupfen, anfangs meist an einem wässrigen und nach drei oder vier Tagen an einem purulenten, das heißt eitrigen. Viele Patienten fühlen sich müde und schlapp. Manchmal treten auch mäßig starke Halsschmerzen sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf. Spüren die Patienten nach zwei bis drei Tagen eine Besserung, stützt dies die Erkältungsdiagnose.




Foto: Fotolia/Brenda Carson


Erkältungshusten äußert sich in den ersten Tagen zumeist als Reizhusten, der nach ein paar Tagen in einen produktiven Husten übergeht. Daran kann sich erneut ein trockener Husten anschließen. Üblicherweise treten diese Phasen aber nicht getrennt voneinander auf, sondern gehen ineinander über. Patienten reagieren auf die Frage, ob der Husten trocken oder verschleimt ist, daher mitunter etwas ratlos und antworten: »Irgendwie beides.« Grund ist, dass die Phase produktiven Hustens bereits begonnen haben kann, bevor die Phase trockenen Hustens vollständig abgeschlossen ist.

PTA und Apotheker können die Betroffenen beruhigen: Eine Erkältung endet meist auch ohne Behandlung von selbst. Der Volksmund bringt es auf die Formel: »Mit Arzt eine Woche, ohne sieben Tage.« Auch die DEGAM-Leitlinie sieht die Aufklärung des Pa­tienten über den Spontanverlauf an erster Stelle im Beratungsgespräch. Allgemeinmaßnahmen wie ausreichende Trinkmengen, genügend hohe Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen (zum Beispiel durch ein feuchtes Handtuch auf der Heizung) oder Wasserdampfinhalationen bei 43 °C unterstützen die Funktion der Atemwegs-Schleimhäute.

Den Körper schonen

Verschiedene Arzneimittel können die Beschwerden lindern, auch wenn sich die Dauer des Infektes dadurch nicht verkürzt. Hier ist wichtig, Patienten davor zu warnen, die gefühlte Beschwerdefreiheit nicht dazu zu nutzen, sich gleich wieder in den Alltagstrubel zu stürzen. Der Körper braucht jetzt vor allem Ruhe und Schonung, um mit dem Infekt fertigzuwerden. Nicht erforderlich sind Antibiotika, da sie bei einem viralen Infekt wie einer Erkältung, die zumeist durch Rhinoviren ausgelöst wird, unwirksam sind. Ein gefärbtes Sputum, das auch bei einer Erkältung nach wenigen Tagen auftritt, ist kein Hinweis auf eine bakterielle Infektion und damit die Notwendigkeit einer Antibiotikatherapie.

Für den Nutzen schleimlösender oder hustenreizstillender Arzneimittel sehen die Leitlinienautoren der ­DEGAM und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) keine hinreichenden Belege. Zentral wirksame Antitussiva sollten gemäß der Leitlinien nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei stark gestörter Nachtruhe, zum Einsatz kommen. Hierzu gehören das apothekenpflichtige Dextromethorphan und das verschreibungspflichtige Dihydrocodein. Eine milde Linderung quälenden Hustenreizes lässt sich außerdem über die lokalen Hustenrezeptoren im Rachenbereich erreichen. Als »erste Hilfe« reicht es häufig bereits, ein wenig zu trinken. Anhaltender wirken Lutschpastillen, etwa mit Isländischem Moos (wie in Isla Moos®), Primelwurzelextrakt (wie in Ipalat®) oder Sole (wie in Emser Salz®).

Zu den chemisch definierten Expektoranzien gehören N-Acetylcystein oder Ambroxol. Mit gutem Erfolg kommen häufig auch pflanzliche Arzneimittel zum Einsatz, etwa mit Thymian- und/oder Efeuextrakt (beispielsweise in Bronchipret® als Kombination oder Prospan® mit Efeu-Extrakt). Über verschiedene Mechanismen helfen sie, festsitzenden Schleim zu lösen. Efeuextrakt entspannt auch die Bronchialmuskulatur und lindert Hustenreiz lokal.


Wichtige Fragen an den Apothekenkunden

  • Wer ist der Patient: Leiden Sie selbst unter den Beschwerden oder jemand anderes?
  • Wie alt ist der Patient?
  • Liegt eine Schwangerschaft vor?
  • Liegen Grunderkrankungen vor? (Asthma, Allergien COPD, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz)
  • Welche Arzneimittel nimmt der Patient ein? (Dauermedikation und Akut­arzneimittel)
  • Wie äußert sich der Husten? Trockener Reizhusten? Produktiver (verschleimter) Husten?
  • Wie lange dauert der Husten bereits?
  • Hat sich der Husten verändert?
  • Gibt es weitere Beschwerden? (Brust- oder andere Schmerzen, Fieber etc.)
  • Welche Maßnahmen hat der Patient bereits ergriffen?
  • War der Patient bereits beim Arzt?


Doch nicht immer wird Husten durch einen Atemwegsinfekt verursacht. Bei Patienten zwischen 5 und 40 Jahren sind Atemwegsinfekte tatsächlich die häufigsten Auslöser für die Beschwerden. Die Wahrscheinlichkeit für andere Ursachen steigt mit dem Alter des Patienten. Bei Patienten über 40 Jahren sollten PTA oder Apotheker auch an eine chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung (COPD) oder eine gastro-ösophageale Refluxkrankheit (GERD) denken. Auch das Risiko für Husten als Nebenwirkung einer Pharmakotherapie steigt mit dem Alter. Bei Patienten ab 70 Jahren kommen außerdem Herzerkrankungen wie eine Herzinsuffizienz infrage. Auch die Wahrscheinlichkeit für Arzneimittel als Auslöser ist bei diesen Patienten noch höher.

Doch keine Erkältung?

Husten, eine laufende oder verstopfte Nase und Mattigkeitsgefühl können außerdem Anzeichen einer Allergie sein. Die Symptome einer Erkältung und einer Allergie ähneln sich viel stärker als die von Erkältung und Grippe, welche sich meist gut unterscheiden lassen. Häufig steckt vor allem im Frühjahr und Sommer eine Überempfindlichkeitsreaktion hinter den Beschwerden. Nicht zuletzt durch das eingeschleppte Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia, Beifuß-Ambrosie), das seit einigen Jahren von sich reden macht, treten Allergien aber zunehmend ganzjährig auf. Bereits länger bekannt sind Nahrungsmittelallergien, die oft gemeinsam mit Pollenallergien (aber auch isoliert) auftreten. So sind manche Birkenpollenal­lergiker (Beschwerden im Frühjahr) unter anderem auch gegen Äpfel und Birnen (im Herbst reif) allergisch. Bei einem solchen Verdacht sollten PTA und Apotheker den Patienten zur weiteren Diagnostik und Therapie zum Arztbesuch raten. Denn die Gefahr besteht, dass sich aus der akuten allergischen Reaktion ein allergisches Asthma oder ein Asthma bronchiale entwickelt.

Keine Kinderkrankheit

Zu den bakteriellen Auslösern von Erkrankungen, die mit Husten einhergehen, gehört der Erreger des Keuchhustens (Pertussis), Bordetella pertussis. Anders als lange Zeit vermutet, hält ein Schutz gegen diese Infektionskrankheit auch nach durchgemachter Erkrankung nicht ein Leben lang an. Die Folge: Im Jahr 2009 lag das durchschnittliche Alter der Patienten bei 42 Jahren. Studien haben darüber hinaus gezeigt, dass nicht selten vermeintlich immune Erwachsene die Erkrankung übertragen. Besonders gefährdet sind dabei Neugeborene und Säuglinge bis zu einem halben Jahr, die noch nicht geimpft werden können. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut die Pertussis-Impfung seit 2009 auch für Erwachsene.

Wichtig zu wissen: Die Erkrankung verläuft mit steigendem Alter der Patienten zunehmend atypisch und wird daher häufig nicht als Pertussis-Infektion erkannt. Vor allem Senioren klagen nicht über den charakteristischen »Stickhusten«, sondern eher über leichteren, aber bis zu acht Wochen anhaltenden Husten. Obwohl es sich um eine bakterielle Infektion handelt, lassen sich die Beschwerden nicht mit Antibiotika lindern. Diese verhindern allenfalls die Infektion weiterer Personen. Denn der Husten wird durch Giftstoffe verursacht, die die Bakterien ausscheiden. Tritt er auf, ist die Vermehrung des Erregers im Körper bereits abgeschlossen.

Husten durch Arzneimittel

Nicht jeder Husten hat seine Ursache in einer Erkrankung. Auch Arzneimittel können zu dem Symptom führen. Daher sollten PTA und Apotheker bei einem Patienten nicht nur die genaue Symptomatik abfragen, sondern auch die angewendeten Arzneimittel. So können blutdrucksenkende Arzneistoffe aus der Gruppe der ACE-Hemmer, zu denen Captopril und Enalapril gehören, zu Husten führen, indem sie – neben der erwünschten Wirkung – den Abbau von Bradykinin hemmen. Dabei handelt es sich um ein Peptid- und Gewebshormon, das im Körper in verschiedene Abläufe eingreift. Reichert es sich an, kommt es zu einem trockenen Reizhusten. Auch diese Patienten sollten an den Arzt verwiesen werden. Dieser kann dann die genaue Ursache klären und bei Bedarf die Blutdrucktherapie umstellen. Als weitere möglicherweise Husten auslösende Arzneistoffe nennt die DEGAM-Leitlinie »Chronischer Husten« Blutdrucksenker aus der Gruppe der Beta-Blocker sowie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR).

Es kann außerdem vorkommen, dass Husten seinen Ursprung gar nicht in den Atemwegen, sondern in anderen Organsystemen hat. So können sich beispielsweise manche Herzerkrankungen durch Hustensymptome äußern. Dazu gehört die Herzinsuffizienz, eine Pumpschwäche des Herzens, die vor allem bei älteren Menschen auftritt. Dass sie häufig schon bei geringen Belastungen kurzatmig reagieren, führen Betroffene meist auf ihr fortgeschrittenes Alter zurück. Häufig entwickeln die Patienten Wasseransammlungen (Ödeme) in verschiedenen Geweben; oft fallen ihnen zuerst geschwollene Knöchelgelenke auf. Flüssigkeit kann sich aber auch in der Lunge ansammeln. Dies führt neben Husten zu einem rasselnden Atemgeräusch, starker Kurzatmigkeit und einer erhöhten Atemfrequenz. Auch hier gehört die Behandlung in die Hand des Arztes; eine Krankenhauseinweisung kann erforderlich sein. Die Behandlung erfolgt meist zunächst mit Diuretika, die die Wasseransammlungen im Körper reduzieren, und mit Arzneimitteln, die die Pumpkraft des Herzens unterstützen.

Die Liste der Erkrankungen, bei denen Husten als Symptom auftreten kann, ist noch viel länger. Natürlich gehören Asthma und die chronisch-obs­truktive Lungenerkrankung (COPD) dazu, aber auch Rauchen, die gastroösophageale Refluxkrankheit, bei der – oft nachts – Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt und dabei auch in die Atemwege geraten kann. Diese Erkrankungen treten ganzjährig auf und dürfen, auch wenn in Herbst und Winter Erkältungskrankheiten überwiegen, nicht außer Acht gelassen werden. /


Tipps für erkältete Apothekenkunden

  • ausreichend schlafen, tagsüber öfter pausieren
  • das Rauchen einstellen, denn es schädigt die Schleimhäute
  • auch Passivrauch meiden
  • ausreichend trinken
  • Wasserdampfinhalationen
  • für ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgen, zum Beispiel durch feuchte Tücher auf der Heizung
  • häufig die Hände waschen, um die Infektionskette zu unterbrechen
  • in die Armbeuge husten, nicht in die Hand



Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2014

 

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