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Wintergenuss

Nicht abwarten – Tee trinken!


Von Yuki Schubert, Berlin / Die Legende besagt, dass das beliebte Getränk Tee durch Zufall von einem chinesischen Kaiser entdeckt wurde. Vor 3000 Jahren soll ein starker Wind Teeblätter in seine Tasse mit heißem Wasser befördert haben. Heute ist Tee besonders im Winter in aller Munde. Kleine Tricks helfen dabei, hochwertigen Tee zu erkennen und richtig zuzubereiten.

 

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Cafés laden an kalten Tagen nicht nur zum Verweilen, sondern auch zum Aufwärmen ein. So auch die »Tadshikische Teestube« in Berlin. Orientalisch anmutende grüne Wände und rote Perserteppiche leuchten schon durch die Glasfenster. Drinnen ist die Winterkälte innerhalb von Sekunden vergessen. Meine Freundin und ich ziehen unsere Schuhe aus und nehmen im Schneidersitz auf den Kissen am Boden Platz. Neben uns hat sich ein Pärchen für die russische Teezeremonie entschieden. Auf einem kunstvoll verzierten Samowar steht eine kleine goldene Teekanne. Dazu werden verschiedene Marmeladen, Zucker, Rumrosinen, Zitronat, Orangeat, Wodka und Gebäck gereicht. Wie es die Tradition vorsieht, rührt die Frau Marmelade in ihren Tee und genießt den ersten Schluck.




Foto: Tadshikische Teestube Berlin


Uns serviert die Kellnerin zwei kleine Kännchen Tee sowie Sahne, Butter, Toast, Orangen-, Ingwer- und Zitronenmarmeladen. Vornehm schlürfen wir unseren starken und heißen Schwarztee. Dabei bestaunen wir die geschnitzten Holzpfeiler aus Sandelholz im Raum. Immer wieder füllen wir unsere Tassen wie selbstverständlich mit einem Schuss Sahne und schwarzem Tee. Erst als wir unsere Jacken und Schuhe wieder anziehen und in das kalte Berlin hinausgehen, merken wir, dass uns der Zauber der Teestube für fast zwei Stunden in seinen Bann gezogen hat.

Wärme und Wohlbefinden

»Eine Teekanne auf dem Tisch übermittelt besonders im Winter ein Gefühl von Zusammenhalt und Wohlbefinden, schließlich ist Tee ein Getränk, das man gut teilen kann«, sagt Kristine Maerz, Inhaberin des »Berliner Teesalons« in Charlottenburg. Schon in Jugendjahren interessierte sie sich für Tee. Nur damals hatte sie noch einen deutlich anderen Geschmack. Besonders aromatisierte Tees mit Kirsch- oder Vanillegeschmack hatten es ihr angetan. Heute stehen in ihrem Laden vor allem Schwarz-, Grün- und Oolongtees ohne zusätzliches Aroma. Nach Angaben des Deutschen Teeverbandes ist Schwarztee der Lieblingstee der Deutschen. Laut Maerz ist er besonders im Winter ein Verkaufsschlager, denn schwarzer Tee kann ohne Probleme längere Zeit warmgehalten werden.

Insgesamt werden hierzulande mehr als 18 000 Tonnen Tee pro Jahr getrunken. Das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 27 Litern. Damit rangiert Tee deutlich hinter dem Kaffeekonsum der Deutschen: Laut Statistik aus dem Jahr 2013 trinkt jeder Bundesbürger durchschnittlich 165 Liter jährlich. Trotzdem hat Tee hier viele Freunde. Allen voran die Ostfriesen. Bei der sogenannten Teetied (Teezeit) trinken sie beim gemütlichen Miteinander mindestens drei Tassen. So bringen es die Ostfriesen auf einen Konsum von 300 Litern pro Kopf und Jahr. Ein großes Stück Kandiszucker und Sahne komplettieren das wichtige gesellschaftliche Ritual in Ostfriesland.

»Zwar trinken die Deutschen nicht den meisten Tee, aber sie kaufen neben den Franzosen gerne sehr hochwertigen Tee ein«, sagt Maerz. Die Auswahl in Teefachgeschäften ist allerdings oftmals überwältigend. So auch im Berliner Teesalon. Dicht an dicht stehen große silberne Behälter mit den unterschiedlichen Sorten. Aber für welche soll man sich entscheiden? Grundsätzlich spielt hier das Vertrauensverhältnis zum Teefachverkäufer eine Rolle. Dieser sollte bei Fragen kompetent beraten können. »Ein Tee ist nur so gut wie sein Teehändler und der sollte seine Tees kennen wie seine Kleidungs­stücke«, so Maerz.

Der Kunde selbst kann sich zunächst an der Optik des Tees orientieren, schließlich kann dieser meistens nicht vor Ort verkostet werden. Schöne ganze Blätter weisen auf einen qualitativ guten Tee hin, der von Hand gepflückt wurde. Die Qualität von schwarzem Tee lasse sich so jedoch meist nicht beurteilen, da dieser in der Regel zerkleinert in den Handel kommt, sagt ­Maerz. Hat grüner Tee eine olivgrüne Farbe, ist das ein Anzeichen dafür, dass er nicht mehr frisch ist.

Ansonsten ist auch die Nase ein wichtiger Entscheidungshelfer. Niemand kauft gerne muffig riechenden Tee. Aromatisierte Tees sind in ihrem Duft sehr aussagestark. Apfel-Zimt, Laven­del oder Litschi-Kiwi sind nur ein paar der angebotenen Geschmacksrichtungen auf dem Teemarkt. Ein bekannter aromatisierter Schwarztee ist Earl Grey. Er erhält sein Aroma durch Bergamotte-Öl. Einge­fleisch­te Teetrinker greifen aber nach Maerz’ Erfahrung im Geschäft eher selten zu solchen Teesorten. »Tee schmeckt meistens nicht genauso wie er riecht, aber mit der Zeit können sich Kunden ein Geruchsgedächtnis aneignen und so die nussigen, süßen, blumigen und herben Noten besser herausfiltern«, erklärt die Teeliebhaberin. Passend sei dann das, was dem persönlichen Geschmack entspricht.


Tee-Anbau

Tee wird aus den Teesträuchern Camellia sinensis und Camellia assamica gewonnen. Teepflanzen benötigen viel Wärme. Am besten geeignet für das Wachstum ist ein Dampfbad-ähnliches, feuchtes Klima mit trockenem Untergrund. Teepflanzen können mehrere hundert Jahre alt werden, sogar tausendjährige Sträucher soll es in China geben. Neben China und Japan gehören Indien, Kenia und Sri Lanka zu wichtigen Anbauländern.


Beim Entscheidungsprozess können ebenso die Bezeichnungen »First Flush« und »Second Flush« helfen. Sie geben an, wann der Tee gepflückt wurde. Im Allgemeinen hat der im Frühjahr gepflückte »First Flush« ein frisches, blumiges und spritziges Aroma. Diese Pflückung wird bei der Schwarztee­sorte Darjeeling bevorzugt. »Second Flush« ist die Sommerpflückung, die im Aroma etwas kräftiger und ausgereifter ist. Besonders Assamtee gewinnt im Geschmack bei einer späteren Pflückung, so Maerz.

Ein absolut deutliches Anzeichen für einen qualitativ guten Tee sei aber der Preis, betont die Expertin. Wenn Tee günstig verkauft wird, dann sind die Teepflanzen sehr schnell gewachsen. Ein langsames Wachstum sei aber bei Tee wichtig. »Tees über zehn Euro schmecken besser, sie lassen sich auch häufiger aufgießen, jedoch sollte dies am besten noch am gleichen Tag passieren«, erläutert die Teefachfrau.

Bei einem hochwertigen Tee sollte der Teetrinker auch auf die Zubereitungsart achten. Wichtige Einflussfaktoren sind laut der Expertin Maerz die Teemenge, die Ziehdauer, die Temperatur, die Wasserbeschaffenheit sowie das Material der Teekanne. Die letzten beiden Punkte seien insbesondere für Profis von Bedeutung. Ostfriesen beispielsweise schwören auf weiches Wasser. Obwohl der individuelle Geschmack natürlich eine Rolle spielt, gilt als Faustregel für die Teemenge, dass der Boden der Teetasse beziehungsweise der Teekanne ganz mit Tee bedeckt sein sollte. Laut Maerz sollte dabei lieber etwas mehr Blattmaterial genommen werden, da späteres Verdünnen leicht ist. Zu dünner Tee hingegen schmeckt auch nach längerer Ziehdauer nicht.

Leichte und duftige Tees wie grüne Tees sollten nur ein bis zwei Minuten ziehen. Im zweiten Aufguss braucht es sogar nur 10 bis 15 Sekunden, bis sie trinkfertig sind. Das Wasser sollte nur zwischen 70 und 80 °C warm sein, da grüner Tee bei zu heißem Wasser schnell bitter wird, so die Teefachfrau. Kräftige Tees wie Schwarz­tee dürfen Maerz zufolge zwischen drei bis fünf Minuten in der Kanne bleiben. Für Früchte- und Kräutertees sollte besonders heißes Wasser verwendet werden. Sie ziehen am besten mindestens fünf Minuten.

Im Winter greifen Kunden auch gerne zum indischen Nationalgetränk Chai. Die Zutaten für die Teemischung können auch selbst zusammengestellt werden, erklärt Maerz. Ihr Tipp: Die in der Verpackung übrig gebliebenen Schwarzteereste sammeln und diese zur Weihnachtszeit gemeinsam mit ein paar Gewürzen wie Zimt, Kardamom und Muskat sowie Milch und Zucker aufgießen. /


Adressen

Die Tadshikische Teestube
Oranienburgerstraße 27, 10117 Berlin-Mitte
www.tadshikische-teestube.de

Berliner Teesalon
Stuttgarter Platz 15, 10627 Berlin-Charlottenburg
www.berliner-teesalon.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2014

 

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