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Selbstmedikation bei Fußpilz

Erreger lieben es feucht und warm 

Karin Berger, Berlin

Immer mehr Menschen erkranken an Fußpilz. Inzwischen gehören die Mykosen zu den häufigsten Infektionskrankheiten in den Industrienationen. Die meisten Betroffenen suchen zuerst in der Apotheke Rat und Hilfe. Daher haben PTA oder Apotheker eine wichtige Aufgabebei der Beratung der Patienten und müssen entscheiden, ob eine Selbst-behandlung verantwortbar ist.

 

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Gesunde Haut verfügt über genügend Widerstandskraft, um sich vor Krankheitserregern zu schützen. Bei feuchter, aufgeweichter oder verletzter Haut besteht dagegen ein erhöhtes Infektionsrisiko. Auch ein geschwächtes Immunsystem oder eine schlechte Durchblutung, zum Beispiel bei Diabetikern oder Rauchern, macht die Füße unter anderem anfällig für Pilze.

Pilze sind nahezu überall verbreitet. Die für Menschen bedeutsamen Pilze werden in drei Gruppen unterteilt: Dermatophyten (Fadenpilze), Hefen (Sprosspilze) und Schimmelpilze. In über 90 Prozent der Fälle lösen Dermatophyten (Fadenpilze) der Gattung Trichophyton rubrum Fußpilz aus. Hefen, insbesondere Candida albicans, verursachen weniger als 10 Prozent der Fußpilzinfektionen, allerdings steigt ihre Bedeutung in den letzten Jahren an. Die weit verbreiteten Schimmelpilze spielen als Erreger von Fußpilz dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings sind knapp 5 Prozent Mischinfektionen aus Dermatophyten und Hefen und/oder Schimmelpilzen.

Die Erreger befallen zunächst die Zehenzwischenräume und die angrenzende Fußhaut oder auch die Fußsohle. Da Fußpilz im Anfangsstadium klinisch meist unauffällig ist, bemerken ihn die Betroffenen kaum. Als typische Symptome der Infektion gelten Juckreiz, Hautrötung, Hautabschuppungen, Einrisse der Haut und Bläschenbildungen. Diese können einzeln oder zusammen und unterschiedlich stark auftreten. Bleibt der Fußpilz unbehandelt, besteht die Gefahr, dass sich die Infektion von der Haut auf die Zehennägel und andere Körperregionen ausweitet.

Fußpilz wird über infizierte Hautschuppen übertragen. Da Pilze in feuchter Umgebung die besten Lebensbedingungen vorfinden, ist die Infektionsgefahr in Schwimmbädern und Saunen sowie Feuchträumen von Sportanlagen besonders hoch. Doch auch in der eigenen Wohnung können Erreger über Teppiche, Handtücher und Instrumente zur Nagelpflege übertragen werden. Darüber hinaus fördert das feuchtwarme Klima in luftundurchlässigen Schuhen die Ausbreitung von Fußpilz. Betroffen sind insbesondere Menschen, die über viele Stunden Turnschuhe oder Gummistiefel tragen wie Fußballer, Bauarbeiter oder Gärtner. Im Unterschied dazu kennen Naturvölker, die immer barfuß laufen, Fußpilz fast nicht.

Meist Selbstbehandlung möglich

Je nach den geschilderten Symptomen entscheiden PTA oder Apotheker, ob der Patient den Fußpilz selbst behandeln kann oder den Hautarzt aufsuchen muss. Grundsätzlich gilt: Schwangere und Kinder beziehungsweise Jugendliche unter 18 Jahren sollten immer erst den Arzt konsultieren. Kein Fall für die Selbstmedikation sind außerdem Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr und Krebspatienten. Bei diesen kann sich der Fußpilz auch auf tiefere, subkutane Bereiche ausbreiten und zu größeren Infektionen führen. Bei Patienten mit Diabetes mellitus kann Fußpilz zu einer Verschlechterung des diabetischen Fußsyndroms beitragen. Eine Übersicht über die Grenzen der Selbstmedikation gibt die Tabelle 1.


Tabelle 1: Wichtige Fragen und Grenzen der Selbstmedikation

Fragen im Beratungsgespräch  Grenzen der Selbstmedikation 
Für wen ist das Arzneimittel bestimmt?  Patienten <18 Jahre, Schwangere 
Wie äußern sich die Beschwerden?  (starke) Schmerzen 
Wo genau haben Sie die Beschwerden?  Befall von Nägeln, ausgedehnte Läsionen, stark trockene Schuppung der Haut, insbesondere an der Fußsohle, Befall von Fußkante, Fußgewölbe oder Zehenkanten, Verdacht auf andere Dermatosen (z. B. Psoriasis, Ekzem) oder Superinfektion mit Bakterien 
Wie häufig sind die Beschwerden bisher aufgetreten?  chronisch-rezidivierende Beschwerden 
Welche anderen Erkrankungen liegen vor?  Diabetes mellitus, Krebserkrankungen, Immunschwäche (HIV/AIDS) 
Welche anderen Arzneimittel nehmen Sie ein?  Immunsuppressiva, Zytostatika 

Wenn PTA oder Apotheker durch Fragen das Beschwerdebild des Patienten abklären konnten und eine Selbstbehandlung des Patienten möglich ist, müssen sie bei der Arzneimittelabgabe auf folgendes hinweisen: Ein Arztbesuch wird erforderlich, falls sich die Symptome, zum Beispiel der Juckreiz, nach einer bis maximal zwei Wochen nicht gebessert haben. 

Membranaufbau gehemmt

In den meisten Fällen werden Pilzinfektionen an den Füßen topisch behandelt, sofern sich die Infektion nicht großflächig ausgebreitet hat. Seit die meisten topischen Präparate aus der Verschreibungspflicht entlassen wurden, kommt PTA oder Apotheker eine besondere Verantwortung in der Beratung der Patienten zu. Für die Lokaltherapie haben sich in Deutschland die Azolderivate und die Allylamine durchgesetzt. Außerdem spielen noch das Morpholin Amorolfin sowie derverschreibungspflichtige Pyridonabkömmling Ciclopiroxolamin eine Rolle. Die wichtigsten Arzneistoffgruppen zur Lokaltherapie enthält Tabelle 2 (Seite 36).


Tabelle 2: Arzneistoffe zur topischen Fußpilztherapie

Gruppe Wirkstoffe (Beispiele) Fertigarzneimittel (Auswahl) Dosierung Anwendungsdauer 
Azole  Clotrimazol  Canesten®, Kadefungin®, Canifug®, Mykofungin®  2-3 x täglich  3-4 Wochen 
 Bifonazol  Canesten®Extra, Bifon®, Mycospor®, Bifomyk®  1 x täglich  3-4 Wochen 
 Econazol  Epi-Pevaryl®  2 x täglich  bis 2 Wochen nach Verschwinden der Symptome 
 Ketoconazol  Nizoral®  1 - 2 x täglich  3-8 Wochen 
 Miconazol  Daktar®, Micotar®, Mykoderm®, Mykotin® Fugur®  2 x täglich  3-6 Wochen 
Allylamine  Terbinafin
Naftifin
 
Lamisil®
Exoderil®
 
1 x täglich 1 Woche bis 1-2 Wochen nach Verschwinden der Symptome 
Morpholine  Amorolfin  Loceryl®, Loceryl® Once  1 x täglich bzw. Einmalanwendung 2-6 Wochen 
Pyridone  Ciclopiroxolamin   Batrafen®  1-2 x täglich  bis 1-2 Wochen nach Verschwinden der Symptome 

Azole, Allylamine und Morpholine greifen auf verschiedenen Stufen in die Biosynthese des Ergosterols, eines essenziellen Bestandteils der Pilzzellmembran, ein. Antimykotika aus der Gruppe der Pyridone setzen außerhalb der Ergosterolsynthese an und eignen sich daher auch als Kombinationspartner bei schweren -Infektionen.

Als Breitbandantimykotika wirken Azole primär fungistatisch gegen Dermatophyten, Hefen und weniger stark auch gegen Schimmelpilze und außerdem antibakteriell gegen grampositive Bakterien und Trichomonaden. Azole müssen die Patienten mindestens drei bis vier Wochen anwenden. Da die Symptome bei den meisten Betroffenen schon nach wenigen Behandlungstagen abklingen, müssen PTA oder Apotheker den Patienten die Notwendigkeit der langen Behandlungsdauer erklären. Nur so lassen sich Rezidive verhindern. Clotrimazol ist lokal sehr gut verträglich und eignet sich auch für den Einsatz bei Kindern und Schwangeren nach Diagnosestellung durch den Arzt. Bifonazol ist eine Weiterentwicklung des Clotrimazols und wirkt als einziges Azol in höheren Konzentrationen fungizid gegen Dermatophyten. Darüber hinaus ist die Substanz antiphlogistisch wirksam. Ein weiterer Vorteil für die Patienten: Bifonazol müssen sie nur einmal täglich anwenden, da es gut in die Haut penetriert und nur langsam abgebaut wird.

Terbinafin ist das zur Zeit am stärks-ten wirksame Antimykotikum. Es ist der bekannteste Vertreter der Allylamine und ebenfalls ein Breitbandantimykotikum. Es wirkt fungizid gegen Dermatophyten und Schimmelpilze und fungistatisch bis fungizid gegen die meisten Hefepilze. Darüber hinaus wirkt Terbinafin antibakteriell gegen grampositive und einige gramnegative Bakterien. Da der Wirkstoff sehr lipophil ist, entfaltet er in der Haut eine Depotwirkung und verkürzt damit die Therapiedauer auf eine Woche. Aufgrund einer besonderen Galenik ist Lamisil® Once als filmbildende Lösung sogar zur Einmalanwendung zugelassen. Für die Compliance ist dies ein großer Vorteil.

Amorolfin aus der Gruppe der Morpholine wirkt fungistatisch und in höheren Konzentrationen auch fungizid, jedoch nicht antibakteriell. Am stärksten wirksam ist die Substanz gegen Dermatophyten, weniger stark gegen Hefen und Schimmelpilze. Im Unterschied zu den anderen Wirkstoffen greift Amorolfin an zwei Stellen in die Ergosterolbiosynthese ein. Das erschwert die ohnehin bei Antimykotika seltene Resistenzbildung.

Als Kombinationspartner geeignet

Einen anderen Wirkmechanismus als die bisher genannten Antimykotika hat das verschreibungspflichtige Ciclopiroxolamin. Daher eignet sich das Pyridon bei schweren Mykosen als Kombinationspartner zu den anderen Substanzgruppen beziehungsweise zur systemischen Therapie. Aufgrund seiner primär fungistatischen, bei höheren Konzentrationen und längerer Einwirkzeit auch fungiziden sowie sporoziden Wirkung erfasst Ciclopiroxolamin auch Azol-resistente Dermatophyten und Hefen. Darüber hinaus wirkt die Substanz auf grampositive und gramnegative Bakterien. Aufgrund seines antiphlogistischen Effekts eignet sich dieses Antimykotikum besonders gut zur Behandlung von Fußpilzinfektionen, die mit Entzündungsreaktionen einhergehen. 

Gel, Creme oder Spray

Von allen Substanzen stehen verschiedene Darreichungsformen wie Cremes, Salben und Gels bis hin zu Pudern, Lösungen und Sprays zur Verfügung. Die geeignete Darreichungsform für die Lokalbehandlung ist in den meisten Fällen eine Creme oder ein Gel. Bei schuppenden Formen sollten PTA oder Apotheker Cremes aufgrund ihrer zusätzlichen Pflegewirkung empfehlen, sofern der Patient nicht über starken Juckreiz klagt. Ist der Juckreiz sehr intensiv, eignet sich eher ein kühlendes Gel. Emulsionsgele wirken sowohl kühlend als auch pflegend. Alkoholische Lösungen oder alkoholhaltige Gelgrundlagen sind kontraindiziert bei größeren Hautläsionen. Sprays sind die beste Darreichungsform für Patienten mit eingeschränkter körperlicher Beweglichkeit. Beistark nässenden Fußpilzerkrankungen sind Puder angezeigt.

Als Anwendungshinweis können PTA oder Apotheker bei fast allen Antimykotika geben: Sie müssen das Präparat ohne Unterbrechung je nach Antimykotikum ein- oder zweimal täglich auftragen und mindestens zwei bis drei Zentimeter der gesunden Haut rund um den Pilzherd in die Behandlung einbeziehen. Pilzerreger können sich auf benachbarten Hautpartien befinden, ohne Symptome auszulösen. Idealerweise sollten beide Füße behandelt werden, um eine vollständige Pilzbekämpfung sicherzustellen und Rezidiven vorzubeugen. 

Wichtig ist außerdem, dass die Patienten jedes Antimykotikum konsequent während des in der Packungsbeilage angegebenen Zeitraums anwenden. Beschwerdefreiheit bedeutet nicht, dass die Erkrankung ausgeheilt ist. Bricht der Patient die Behandlung vorzeitig ab, können verbliebene Pilzsporen keimen, und die Beschwerden beginnen von Neuem. Beim ersten Wiederauftreten der Symptome muss der Betroffene die Therapie direkt wieder fortsetzen. 

Unterstützende Maßnahmen

Für den schnellen Therapieerfolg und dessen Erhalt sind auch nicht medikamentöse Empfehlungen wichtig. Geeignetes Schuhwerk sind offene, lockere Lederschuhe ohne Gummisohle oder Sandalen, die der Patient regelmäßig mit einem antimykotischen Puder oder einem Desinfektionsspray behandeln soll. Auch barfuß laufen unterstützt die Heilung, doch muss dabei die Ansteckungsgefahr für andere Personen bedacht werden. Um kein feuchtwarmes Hautklima zu erzeugen, sollten die Betroffenen Baumwollsocken tragen, diese täglich wechseln und möglichst bei 90°C in der Maschine waschen. Zur Hautreinigung sollten die -Patienten nur milde, rückfettende Waschlotionen verwenden, um die Haut nicht noch zusätzlich zu reizen. Ein guter Tipp für den Alltag: Nach dem Waschen die Zehenzwischenräume gründlich trocknen, am besten mit einem Föhn. Handtücher sollten täglich gewechselt und gekocht, die Bettwäsche häufig gewechselt werden, um so eine Wiederansteckung zu vermeiden. 

Zur Prävention gilt die generelle Empfehlung, gechlorte Schwimmbäder zu meiden. Chlor reizt die Haut, und das Wasser weicht sie zusätzlich auf, so dass das Risiko, sich in Schwimmbädern mit Pilzen zu infizieren, sehr hoch ist. Wasserrratten sollten grundsätzlich Badelatschen tragen. Dasselbe gilt für regelmäßige Saunabesucher und Benutzer von Gemeinschaftsduschen, beispielsweise in Sportanlagen. Auf Hotelteppichen sind Hausschuhe ein Muss. 

Grundsätzlich sollte jeder die Füße regelmäßig auf Entzündungen oder Hautveränderungen kontrollieren. Wer seine Füße nach dem Waschen mit einer Fußcreme pflegt, kann verhindern, dass sich Pilze in Hauteinrissen einnisten.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
K.Berger(at)abda.aponet.de 


Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2008

 

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