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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Hamamelis

Zauber des Vorfrühlings


Von Monika Schulte-Löbbert / Hamamelis gehört zu den wenigen Pflanzen, die in Deutschland bereits im Winter blühen. Ihre gelben Blüten sind sehr dekorativ, doch medizinisch verwendet werden die Blätter und die Rinde. Sie lindern Entzündungen der Haut und Schleimhäute sowie die Beschwerden bei Hämorrhoiden.

 

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Die Zaubernuss, lateinisch Hamamelis virginiana, wächst als stark buschiger Strauch. Ihre Heimat liegt in den öst­lichen Staaten der USA und Kanadas. Sie gehört zur Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae) und erinnert im Aussehen an den heimischen Haselnussstrauch. Die Europäer kennen den winterharten Strauch erst seit dem 18. Jahrhundert und kultivieren ihn seitdem als Zierpflanze in Gärten und Parkanlagen. Hamamelis bevorzugt mäßig nährstoffreiche, feuchte Böden ohne Staunässe in voller Sonne oder Halbschatten und erreicht Höhen von drei bis sechs Metern.




Foto: Ullrich Mies


Die kurz gestielten, fast eiförmigen Laubblätter verfärben sich im Herbst. Nach dem Laubfall erscheinen schon im frühen Winter, etwa ab Dezember, die schwach duftenden hellgelben, korallenartig geformten Blüten. Mit ihren langen, schmalen Kronblättern stehen sie in lockeren Knäueln. Erst im darauffolgenden Sommer bildet sich aus der Blüte eine zweiteilige, holzige Kapselfrucht mit jeweils zwei schwarzen Samen.

 

Wenn die Früchte im September reif sind, öffnen sie sich explosionsartig und schleudern ihre Samen bis zu zehn Meter weit fort. Die in Europa besonders beliebte spät blühende Zaubernuss ist ein Zierstrauch, der keine Früchte bildet und Unterschied zu Hamamelis virginiana erst im Frühjahr blüht.

Der Name »Hamamelis« setzt sich aus dem griechischen »hama« (gleichzeitig) und »melon« (Frucht, Apfel) zusammen, denn der Strauch bildet bereits Früchte aus, bevor sich die neuen Blüten öffnen. Auch der deutsche Name soll auf diese botanische Besonderheit hinweisen. Nach einer anderen Überlieferung leitet sich »Zaubernuss« von dem geheimnisvollen Knack­geräusch ab, das beim Aufspringen der reifen Kapsel im Herbst zu hören ist. Auf die Ähnlichkeit mit dem Haselnussstrauch weisen die volkstümlichen Namen »Zauberhasel und Hexenhasel« hin. In Großbritannien ist die Zaubernuss auch unter dem Namen »witch hazel« bekannt.

Ausgangspunkt England

Während die Hamamelis in Europa noch unbekannt war, schätzten die Indianer Nordamerikas sie bereits als Heilpflanze. Sie verwendeten die Abkochung der Rinde und der Blätter vor allem als entzündungshemmendes Mittel und mit Erfolg gegen Hämor­rhoiden, Krampfadern und Entzündungen der Haut sowie Blutungen aus Nase, Magen und Darm. Die Zweige setzten sie auch als Wünschelrute zum Auffinden verborgener Schätze ein.

Erst im Jahr 1736 gelangte die Hamamelis zunächst nach Großbritannien und dann weiter auf das europäische Festland. Der englische Stoffhändler und »Hobby-Botaniker« Peter Collinson (1694-1768) betrieb regen Handel mit den amerikanischen Kolonien. Eine seiner Lieferungen enthielt neben Stoffen auch einen Hamamelisstrauch. Collinson kultivierte ihn als erster in seinem Park, in dem weitere exotische Pflanzen wuchsen. Die Korrespondenz mit Carl von Linné führte 1753 zur Erstveröffentlichung von Hamamelis virginiana in dessen Species Plantarum. Bei der Wahl des botanischen Beinamens »virginiana« bezog sich Linné auf die Herkunft aus dem östlichen Gebiet Nordamerikas, das damals als Virginia bezeichnet wurde.

Erst im frühen 20. Jahrhundert untersuchten Wissenschaftler die Pflanze und belegten aufgrund der identifizierten Inhaltsstoffe ihre positive Wirkung vor allem als Adstringens.

Klassische Gerbstoffdroge

Medizinisch wirksam sind die Blätter und die Rinde von Hamamelis virgi­niana L. Die Blätter werden im Europäischen Arzneibuch (Ph.Eur. 6.0) unter Hamamelisblätter – Hamamelidis fo­lium beschrieben, die Rinde im Deutschen Arzneimittelcodex (DAC) unter Hamamelisrinde – Hamamelidis cortex. Die Blattdroge besteht aus den ganzen oder geschnittenen, getrock­neten Blättern, die Rindendroge aus der getrockneten, zerkleinerten Rinde der Stämme und Zweige. Beide Drogen stammen aus Wildvorkommen in den USA und Kanada sowie aus Anbau­gebieten in Europa.

Hamamelisblätter und -rinde gehören zu den klassischen gerbstoffhal­tigen Arzneidrogen. Die Rinde enthält 8 bis 12 Prozent Gerbstoffe vom sogenannten Tannin-Typ wie das Hamamelitannin und kleine Mengen an Flavonoiden und an ätherischem Öl. In den Blättern kommen weniger Gerbstoffe vom Catechin-Typ (5 bis 10 Prozent) vor sowie Flavonoide, Kaffeesäurederivate und ätherisches Öl. Der Gehalt an ätherischem Öl (bis 0,5 Prozent) variiert je nach Drogenherkunft und Erntejahr.

Verschiedene Extrakte

Verwendet werden entweder wässrige Auszüge aus Blättern und Rinde wie Infuse oder Dekokte oder alkoho­lische Auszüge wie Tinkturen. Das meist zu kosmetischen Zwecken verwendete Hamameliswasser, das Aqua Hamamelidis, ist ein Wasserdampfdestillat der frisch geschnittenen oder teilweise getrockneten Zweige und Blätter von Hamamelis virginiana. Hamameliswasser enthält nur die flüchtigen Inhaltsstoffe und ist deshalb weitgehend frei von Gerbstoffen. Seine Wirkung beruht auf dem Gehalt an ätherischen Ölen. Zur Herstellung von Hamameliswasser existieren verschiedene Vorschriften, unter anderem von der Kommission E sowie vom Arzneibuch der Vereinigten Staaten (USP).

Zahlreiche wissenschaftliche Stu­dien bestätigen die Wirksamkeit der Zubereitungen aus Hamamelisblättern und -rinde. Laut In-vitro-Untersuchungen wirkt die Droge adstringierend, antiphlogistisch und antiviral. Dafür sind insbesondere die Gerbstoffe verantwortlich. Sie bilden mit den körpereigenen Proteinen Komplexe und dichten so Haut und Schleimhäute ab. Die Hautdurchblutung verringert sich und Entzündungsprozesse gehen zurück. Der Juckreiz stillende Effekt beruht vermutlich darauf, dass – bedingt durch die Gerbstoffe – die Nervenenden in der Haut weniger auf Reizsignale reagieren. In kontrollierten klinischen Studien konnten diese Effekte vor allem bei Patienten mit Hämorrhoidal­leiden, mit atopischem sowie endo­genem Ekzemen, Neurodermitis oder trockener Altershaut bestätigt werden.

Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes bewertete folglich Hamamelisblätter und -rinde positiv und empfiehlt sie zur Anwendung bei leichten Hautverletzungen, lokalen Entzündungen der Haut und Schleimhäute, bei Hämorrhoiden und außerdem bei Krampfaderbeschwerden. Auch auf europäischer Ebene werden Hamamelis-Zubereitungen positiv bewertet. Die Expertenkommission auf europäischer Ebene, die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy), empfiehlt in ihrer Monographie über die Indikationen der Kommission E hinaus den Einsatz bei Quetschungen und Verstauchungen sowie Hamameliswasser äußerlich bei Sonnenbrand und Insektenstichen.

Zur Behandlung von leichten Hautverletzungen oder kleinflächigen Entzündungen der Haut und Schleimhäute eignen sich Fertigpräparate. Diese enthalten Destillate aus frischen Blättern und Zweigen der Hamamelis, zum Beispiel Hametum® Extrakt Flüssigkeit oder Hametum® Wund- und Heilsalbe. Patienten jeden Alters können Hamamelis-Destillat täglich im Gesicht und am Körper anwenden – ohne zeitliche Beschränkung. Säuglinge und Kleinkinder vertragen sie ebenso gut wie der ältere Patient mit trockener Haut.

Bei Hämorrhoiden bewährt

Der klassische Einsatz von Hamamelisextrakten findet sich vor allem in der Therapie von Hämorrhoidalleiden. Zur Behandlung von Beschwerden im Analbereich, wie Hämorrhoiden oder Analfissuren, helfen Salben oder Zäpfchen, zum Beispiel Faktu®lind Salbe oder Zäpfchen mit Hamamelis oder Poste­rine® Salbe/Zäpfchen. Aufgrund der adstringierenden Eigenschaften stillen die Präparate schnell Juckreiz und Blutung und hemmen Entzündungen. Jedoch sind nur leichte Beschwerden ein Fall für die Selbstmedikation. Klagen Patienten über starke Schmerzen oder dunkles Blut im Stuhl, müssen PTA oder Apotheker ihnen raten, einen Arzt aufzusuchen.

Zur Teezubereitung werden 1 bis 2 Gramm fein geschnittene Droge mit kochendem Wasser übergossen, zehn Minuten stehen gelassen und dann abgeseiht. Dieser Aufguss hilft bei Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleisches. Am besten spülen oder gurgeln die Betroffenen damit mehrmals täglich. Von der inneren Anwendung als Tee bei Durchfallerkrankungen wird heute abgeraten, da empfindliche Patienten manchmal mit Übelkeit reagieren.

Generell ist Hamamelis in therapeutischer Dosierung sehr gut verträglich: Es sind weder Gegenanzeigen noch Neben- oder Wechselwirkungen bekannt. Nur sehr selten können bei örtlicher Anwendung allergische Reaktionen und Hautreizungen auftreten.

Homöopathische Globuli

Die Homöopathie verwendet die Rinde und die Wurzel von Hamamelis virgi­niana (HAB 8) sowohl innerlich als auch äußerlich unter anderem bei Hämorrhoiden, Nasenbluten sowie Krampfadern und Venenbeschwerden. Patienten mit Hämorrhoiden empfiehlt der Homöopath dreimal täglich 5 Globuli oder 5 Tropfen von »Hamamelis D6«. /


Hamamelis poetisch

Die Vielseitigkeit der Zaubernuss beschreibt Angela von Büdingen in dem Buch: »Gereimte Homöopathie: Eine Arzneimittellehre in Versen«

Hamamelis – Zaubernuss

Als Hauptmittel bei Hämorrhoiden ist Zaubernuss Erfolg beschieden.

Auch fördert es die Absorption von Blutungen im Auge schon.

Die Hämorrhoiden bluten reichlich, die Schleimhaut ist gedehnt und weichlich.

Den Prellschmerz in befall’nen Teilen kann man mit Hamamelis heilen.

Menschen mit varikösen Adern, die mit ihrem Schicksal hadern,

kann bei vielerlei Beschwerden mit Zaubernuss geholfen werden.

Kranke auch mit offnen Wunden mit Hamamelis schnell gesunden!



Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2015

 

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