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Selbstmedikation bei Husten

Reiz stoppen oder Sekret lösen 

von Andrea Gerdemann

Nähert sich der Winter mit großen Schritten, fragen Erkältete in der Apotheke wieder regelmäßig nach Arzneimitteln gegen Husten. Zu dessen Behandlung in der Selbstmedikation stehen eine Reihe wirksamer Phytopharmaka zur Verfügung.

 

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In den meisten Fällen lösen Rhinoviren akuten Husten aus. Grundsätzlich werden zwei Hustenarten unterschieden: der »unproduktive« trockene Reizhusten und der »produktive« Husten, bei dem die verstopften Atemwege durch heftige Hustenstöße vom Schleim befreit werden sollen. Je viskoser der Schleim wird, umso schwerer fällt das Abhusten. In diesem Stadium helfen Hustenlöser, bei trockenem Husten sind Hustenstiller richtig.

Damit PTA oder Apotheker dem Patienten das geeignete Arzneimittel empfehlen können, benötigen sie im ersten Schritt des Beratungsgesprächs noch weitere Informationen. Geeignete Fragen sind etwa

  • Wie genau äußert sich Ihr Husten? Haben Sie trockenen Reizhusten oder produktiven Husten mit Auswurf?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Tritt der Husten nur zu bestimmten Tageszeiten auf, ständig, nur nachts, nur morgens, nur nach oder während der Arbeit?
  • Rauchen Sie?
  • Beobachten Sie neben dem Husten noch weitere Symptome? Haben Sie Fieber, Schmerzen beim Husten und Atemnot? 
  • Haben Sie bereits früher gute Erfahrungen mit einem Arzneimittel gegen Husten gemacht? Wenn ja, mit welchen?

Husten kann viele Auslöser haben. Neben dem grippalen Infekt können trockene Raumluft, starkes Rauchen, Allergenexposition, Nervosität oder Überanstrengung Husten verursachen. Aber auch chronische Bronchitis, Atemwegsinfektionen wie die Pneumonie, Asthma bronchiale, chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen oder Linksherzinsuffizienz gehen meist mit Husten einher. Entsteht während des Beratungsgesprächs der Verdacht auf eine der letztgenannten Grunderkrankungen sind die Grenzen der Selbstmedikation erreicht. Der Patient sollte außerdem an den Arzt verwiesen werden, wenn er im Gespräch folgendes berichtet:

  • Fieber und/oder eitrigen oder blutigen Auswurf,
  • Schmerzen beim Atmen oder Husten,
  • Rassel- oder Pfeifgeräusche beim Atmen. 

Wie bei anderen Erkrankungen ist der Arztbesuch dringend erforderlich, wenn der trockene Reizhusten länger als eine Woche oder der produktive Husten länger als zwei bis drei Wochen in gleicher Stärke besteht.

In manchen Fällen tritt trockener Reizhusten als unerwünschte Arzneimittelnebenwirkung auf, zum Beispiel zu Beginn der Einnahme von ACE-Hemmern. Um diesen Verdacht zu klären, sollten PTA oder Apotheker den Patienten fragen, ob er seit kurzem neue Arzneimittel einnimmt. Bei Schwangeren und Stillenden sowie Säuglingen und Kleinkindern ist es sinnvoll, einen Arztbesuch zu empfehlen. 

Bei der Empfehlung eines geeigneten pflanzlichen Hustenmittels gilt derselbe Grundsatz wie bei synthetischen Arzneimitteln: Monopräparate sind prinzipiell Kombinationspräparaten vorzuziehen. Die ehemalige Kommission E beim Bundesgesundheitsamt und auch die Europäische Kommission ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) haben eine Vielzahl pflanzlicher Hustenmittel positiv bewertet. 


Tabelle 1: Pflanzliche Hustenstiller und -löser (mit positiver Aufbereitungsmonographie)

Hustenstiller  Hustenlöser 
Eibischwurzel (Althaeae radix)  Anis (Anisi fructus) 
Sonnentaukraut (Droserae herba)  Eukalyptusblätter (Eucalypti folium) 
Spitzwegerichkraut (Plantaginis lanceolatae herba)  Fenchel (Foeniculi fructus) 
Isländisches Moos (Lichen islandicus)  Primelwurzel (Primulae radix) 
Malvenblätter und -blüten (Malvae folium, Malvae flos)  Süßholzwurzel (Liquiritiae radix) 
Thymiankraut (Thymi herba)  Thymiankraut (Thymi herba) 
Efeublätter (Hederae helicis folium)  Efeublätter (Hederae helicis folium) 

In Tabelle 1 sind die am häufigsten eingesetzten pflanzlichen Hustenstiller und Hustenlöser aufgeführt. Auch für fixe Kombinationen von Phytopharmaka existieren positive Aufbereitungsmonographien. Wirkungsnachweise gibt es jedoch nur für einzelne Arzneipflanzen oder isolierte Inhaltsstoffe. Somit entsprechen Gegenanzeigen, Neben- und Wechselwirkungen sowie Anwendungsbeschränkungen der Kombinationen denen der jeweiligen Heilpflanzen. Eine Übersicht über die Art der Teezubereitung und die empfohlenen Tagesdosen der Arzneidrogen enthält Tabelle 2.


Tabelle 2: Auswahl an Hustentees mit Dosierung und Zubereitung

Heilpflanze  Dosierung pro Tasse  Dosierung in Teelöffeln  Tagesdosis  Zubereitung  Anwendung 
Anisfrüchte (Anisi fructus)  1,5 bis 3 g  1/2 bis 1  3 g  frisch anstoßen; in 150 ml heißem Wasser 10 bis 15 min bedeckt ziehen lassen  morgens und abends 1 Tasse 
Eibischwurzel (Althaeae radix)  2 g  1 gestrichener  6 g  mit 150 ml kaltem Wasser unter häufigem Umrühren 1 bis 2 Stunden stehen lassen, später abseihen  über den Tag verteilt leicht erwärmt trinken; 3 Tassen pro Tag 
Eukalyptusblätter (Eucalypti folium)  2 g  1  4 bis 6 g  in 150 ml heißem Wasser bedeckt 10 min ziehen lassen  in kleinen Schlucken 3 Tassen über den Tag verteilt trinken; nicht für Kleinkinder 
Isländisches Moos (Lichen islandicus)  1,5 bis 2,5 g  1 bis 2  4 bis 6 g  in 150 ml heißem Wasser 10 min ziehen lassen  2 bis 4 Tassen pro Tag 
Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus)  2 bis 5 g  1 bis 2  5 bis 7 g  frisch anstoßen; in 150 ml heißem Wasser 10 min bedeckt ziehen lassen  2 bis 3 Tassen pro Tag 
Primelwurzel (Primulae radix)  0,2 bis 0,5 g  1/4  0,5 bis 1,5 g  mit 150 ml kaltem Wasser ansetzen, kurz zum Sieden bringen, 5 min ziehen lassen  1 bis 3 Tassen pro Tag 
Sonnentaukraut (Droserae herba)  1 bis 2 g  1 bis 2  3 g  in 150 ml heißem Wasser 10 min ziehen lassen  3 bis 4 Tassen pro Tag 
Spitzwegerichkraut (Plantaginis lanceolata herba)  1,5 g  2  3 bis 6 g  in 150 ml heißem Wasser 10 min ziehen lassen  2 bis 4 Tassen pro Tag 
Süßholzwurzel (Liquiritiae radix)  1,5 bis 3 g  1/2 bis 1  5 bis 15 g  in 150 ml heißem Wasser 15 min ziehen lassen  3 Tassen pro Tag; nicht länger als 4 bis 6 Wochen einnehmen 
Thymiankraut (Thymi herba)  1 bis 2 g  1 bis 2   in 150 ml heißem Wasser 10 min bedeckt ziehen lassen  3 bis 4 Tassen pro Tag 

Hustenreiz stillen

Als pflanzliche Antitussiva haben sich insbesondere Spitzwegerichkraut, Eibischwurzel und Sonnentaukraut bewährt. Aufgrund der enthaltenen Schleimstoffe eignet sich Eibischwurzel (Althaeae radix) zur Behandlung von trockenem Reizhusten sowie von entzündlichen Reizzuständen im Mund- und Rachenraum. In vitro und im Tierversuch konnte die antiinflammatorische Wirkung und die Hemmung des mukoziliären Transports nachgewiesen werden. 

Sonnentaukraut (Droserae herba) lindert ebenfalls Reiz- und Krampfhusten. Neben der inneren Anwendung bei Katarrhen der Luftwege eignet sich Spitzwegerichkraut (Plantaginis lanceolatae herba) als Schleimdroge auch bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut.

PTA oder Apotheker sollten bei Husten keine Huflattichblätter (Farfarae folium) empfehlen, da Huflattich in allen Pflanzenteilen Pyrrolizidinalkaloide enthält. Diese Substanzen wirken organotoxisch und insbesondere hepatotoxisch. In Tierexperimenten erwiesen sie sich darüber hinaus als kanzerogen. Isländisches Moos (Lichen islandicus) wirkt reizlindernd durch die enthaltenen Schleimstoffe. Weitere Inhaltsstoffe sind die Flechtensäuren mit einer schwach antibiotischen Wirkung. Auch die Wilde Malve lindert trockenen Reizhusten.

Bei den meisten Patienten entwickelt sich aus dem trockenen Husten nach einigen Tagen ein produktiver. Ab diesem Zeitpunkt dürfen die Patienten – falls nötig – nur noch abends einen Stiller einnehmen. Thymiankraut (Thymi herba) nimmt in der Hustentherapie eine Sonderstellung ein: Es wird sowohl als Antitussivum als auch als Expectorans eingesetzt. Gleiches gilt für Efeublätter (Hederae helicis folium). Auch sie können sowohl bei Reizhusten als auch bei schleimproduzierendem Husten eingesetzt werden, da sie expektorierend und spasmolytisch wirken. Die mittlere Tagesdosis beträgt 0,3 g zerkleinerte Droge. 

Nebenwirkungen beachten

Sowohl Spitzwegerichkraut, Eibisch-wurzel als auch die Kombination von Thymian-, Sonnentaukraut und Primelwurzel sind in Fertigarzneimitteln in Form von Saft, Sirup, Tropfen oder auch als (Lutsch)tabletten im Handel. Da die Anwendung der Fertigarzneimittel für die Patienten wesentlich komfortabler ist, verlieren Teeaufgüsse zunehmend an Bedeutung. Wegen ihrer guten Verträglichkeit eignen sich Fertigpräparate mit Thymian- oder Efeublätter-Trockenextrakten besonders zur Behandlung von Atemwegserkrankungen bei Kindern.

Als Expectorantien haben sich verschiedene Arzneidrogen wegen ihres Gehalts an ätherischen Ölen bewährt. Anisfrüchte (Anisi fructus) werden sowohl innerlich als auch zur Inhalation bei Katarrhen der Luftwege eingesetzt. Zubereitungen mit 5 bis 10 Prozent ätherischem Öl eignen sich ebenfalls zur Inhalation. Zu beachten sind mögliche Allergien gegen Anis und Anethol. Auch allergische Reaktionen der Haut, der Atemwege sowie des Gastrointestinaltraktes wurden beobachtet. 

Die Kommission E befürwortete 1990 die innerliche Anwendung von Eukalyptusblättern (Eucalypti folium) bei Erkältungskrankheiten der Luftwege. Weitaus gebräuchlicher ist das Eukalyptusöl (Eucalypti aetheroleum). Das Öl wird sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt. Hauptbestandteil ist das Cineol. Aufgrund oberflächenaktiver Effekte stimuliert Cineol die Aktivität der Flimmerhärchen und zeigte in vitro antibakterielle Wirkungen. Für die innere Anwendung soll die Tagesdosis des Öls zwischen 0,3 und 0,6 g liegen; zur äußeren Anwendung von Eukalyptusöl variieren die Angaben je nach Zubereitung zwischen 5 und 20 Prozent. Kontraindikationen für die innerliche Anwendung sind entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und der Gallenwege sowie schwere Lebererkrankungen.

Bei Säuglingen und Kleinkindern dürfen die Eltern Eukalyptus-haltige Zubereitungen äußerlich nicht im Bereich des Gesichtes auftragen, denn das Öl könnte einen Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus) auslösen. Auch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Interaktionen durch die Aktivierung von Leberenzymen sind beschrieben. Gefäße mit Eukalyptusöl müssen vor dem Zugriff von Kindern geschützt werden. 

Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus) helfen bei katarrhalischen Infekten der oberen Atemwege. In Einzelfällen kommt es zu allergischen Reaktionen der Haut und der Atemwege. Indem sie die Schleimhaut leicht reizen, fördern die in Primelwurzel (Primulae radix) enthaltenen Saponine den Auswurf. Bei Überdosierung können Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden und Übelkeit auftreten. 

Hustentees enthalten häufig auch Süßholzwurzel (Liquiritiae radix). Bei der Empfehlung eines Süßholzwurzel-haltigen Fertigarzneimittels sollten PTA oder Apotheker beachten, dass bei längerfristiger Anwendung und ab 50 g täglich mineralkortikoide Effekte auftreten können. Es kommt zu einer Natrium- und Wasserretention und zu Kaliumverlusten, unter anderem mit der Folge, dass Ödeme entstehen und der Blutdruck steigt. Die Patienten sollten Zubereitungen mit Süßholzwurzel daher nicht länger als sechs Wochen einnehmen.

Auch bei den pflanzlichen Expektorantien sind etliche Fertigarzneimittel in verschiedenen Darreichungsformen wie Tropfen, Lösungen, Tabletten, Säfte, Sirupe oder auch Zäpfchen im Handel, so dass auch aus diesen Arzneidrogen immer seltener ein Tee bereitet wird. Patienten, die Expektorantien einnehmen, sollten mindestens 2 Liter Flüssigkeit am Tag trinken. Damit erleichtern sie das Abhusten, da die Flüssigkeit die Viskosität des Schleimes herabsetzt.

Beispiel aus der Apothekenpraxis

Eine Frau im Alter von etwa 25 Jahren bittet die PTA um »etwas Pflanzliches« gegen ihren Husten. Im Gespräch wird klar, dass die junge Frau unter einem produktiven Husten leidet, bei dem sich der Schleim jedoch nicht so richtig löst. Beim Abhusten und auch beim Naseputzen hat sie das Gefühl, dass »alles festsitzt«. Der Husten quält sie seit zwei Tagen, sie hat Halsschmerzen und fühlt sich erschöpft. Das nervige Kratzen im Hals löse bei ihr immer wieder Hustenreiz aus. Sonst hat sie keine weiteren Beschwerden.

Die PTA fragt nach, ob die Patientin raucht, Allergien hat oder regelmäßig Medikamente einnimmt. Da die junge Frau alle Fragen verneint, entscheidet die PTA, dass die Selbstmedikation des Hustens verantwortbar ist. Die Patientin berichtet, bei ihrem letzten Husten habe sie Kapseln mit ätherischen Ölen eingenommen und damit gute Erfahrungen gemacht. Nachdem sie das gleiche Präparat geholt hat, erkundigt sich die PTA, ob sich die Patientin noch an die Einnahmevorschriften erinnert. Nachdem diese auch die Frage verneint, erklärt die PTA ihr, dass sie die Kapseln dreimal täglich vor dem Essen mit kalter Flüssigkeit einnehmen solle.

Falls erwünscht, könne sie ihr auch noch ein Präparat gegen den Hustenreiz empfehlen, beispielsweise Lutschtabletten mit Lichen islandicus. Die Frau nimmt diesen Hinweis dankend auf und kauft die Tabletten. Außerdem bitte die PTA die junge Frau, ausreichend zu trinken. Damit unterstütze sie die Verflüssigung des Schleims, und das Abhusten falle ihr leichter.

Auch eine Inhalation, zum Beispiel von Kamilledampf, kann den schleimlösenden Prozess verstärken. Der Rat der PTA: Die oft zu trockene Heizungsluft im Raum durch Aufstellen von Schalen mit Wasser zu befeuchten. Die Patienten bedankt sich für diese zusätzlichen Hinweise. Bei der Verabschiedung rät die PTA der jungen Frau, einen Arzt aufzusuchen, falls sich ihre Symptome innerhalb von drei Tagen nicht bessern sollten oder sie Fieber bekomme.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
andrea(at)gerdemann.info 


Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2008

 

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