Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

BERATUNGSPRAXIS

Enzyme

Vielfach einsetzbar


Von Verena Arzbach / Enzyme wirken als Katalysatoren und steuern chemische Reaktionen im ganzen Körper. Präparate mit Enzymen kommen daher bei vielen verschiedenen Indikationen zum Einsatz. So können sie bei einem Mangel bestimmte Enzyme gezielt ersetzen oder auch Stoffwechselprozesse beschleunigen.

 

Anzeige

 

Eine Indikation, bei der Enzympräpa­rate helfen können, sind Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen oder Operationen. Viele der eingesetzten Präparate enthalten Bromelain, ein ­Gemisch aus zwei Enzymen aus der Ananaspflanze und ihrer Frucht. Daneben dienen Papain aus der Papaya und / oder die tierische Serinprotease Trypsin als wirksame Inhaltsstoffe. Die eiweißspaltenden Enzyme sollen nach der Verletzung den Abbau geschädigter Strukturen fördern und deren ­Entsorgung beschleunigen.




Einsatz nach einer leichten Prellung oder Zerrung: Die Enzyme Bromelain, Papain und Trypsin sollen das Abheilen beschleunigen.

Foto: Shutterstock/Vadim Zakharishchev


Außerdem sollen die proteolytischen Enzyme die Frei­setzung von Entzündungs- und Phagozytose-Botenstoffen vermindern. Bromelain wirkt vor allem abschwellend, Trypsin durchblutungsfördernd. So gelangen mehr Sauerstoff und mehr Nährstoffe zum betroffenen ­Gewebe, was die Heilung unterstützen soll. Das in einigen Präparaten zusätzlich enthaltene Flavonoid Rutosid wirkt ebenfalls abschwellend und durch­blutungsfördernd. Verletzungsbedingte Schmer­­zen beeinflussen die Enzympräparate dagegen nicht.

Bei Sportverletzungen

Neben der Behandlung akuter Sportverletzungen wie Prellungen oder ­Zerrungen werden Enzym-Kombinationen mit Bromelain, Papain und Trypsin auch bei entzündlich-degenerativen ­Erkrankungen eingesetzt. Bromelain und Tryp­sin sollen zum Beispiel den Entzündungsvorgang bei Arthrose hemmen und so die Heilung vorantreiben.

Die Wirkung soll darauf beruhen, dass die Enzyme überschüssige entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) abfangen und das Gleichgewicht zwischen pro- und antientzündlichen Zytokinen wiederherstellen. Ob die Enzympräparate bei diesen Beschwerden ­allerdings tatsächlich nutzen oder sogar prophylaktisch angewendet werden können, wird auf wissenschaft­licher Ebene immer wieder kontrovers diskutiert. Die Datenlage hierzu ist nicht eindeutig: Zwar gibt es unter anderem Studien, die der Dreier-Enzymkombination bei Osteoarthritis eine ähn­liche Wirkung wie die Gabe eines nicht-steroidalen Antirheumatikums be­­scheinigen. Andere Wissenschaftler wiederum fanden kaum oder nur geringe Effekte. In Untersuchungen mit ­Bromelain allein zeigte sich eine abschwellende, heilungsfördernde Wirkung bei Sportverletzungen. Und auch bei einer ganz anderen Indikation schneidet das Ananasenzym gut ab: Die Deutsche Gesellschaft für Hals-­Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals­­chirurgie bescheinigt Bromelain in ihrer Leitlinie zur Rhinosinusitis aufgrund seiner abschwellenden Wirkung additive therapeutische Effekte bei akuten Nasennebenhöhlenentzündungen.




Foto: Shutterstock/Nipaporn panyacharoen


Ein wichtiger Hinweis für die Beratung: Die Präparate sollten möglichst rasch nach der Verletzung beziehungsweise der Operation eingenommen werden, umso schneller kann man Schwellungen und Entzündungen beikommen. Enzyme sind Proteine, das heißt, sie werden normalerweise im sauren Milieu des Magens zersetzt. Bei allen Enzympräparaten handelt es sich daher um magensaftresistente, dünndarmlösliche Tabletten oder Dragees. Patienten sollten diese etwa eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach der Mahlzeit mit mindestens 250 ml Flüssigkeit einnehmen. So sorgen sie dafür, dass die Tabletten den Magen schnell wieder verlassen und sich erst im Dünndarm auflösen.

Die Enzympräparate sind in der ­Regel gut verträglich und eignen sich daher auch für eine längere, dauerhafte Anwendung. Als Nebenwirkungen treten gelegentlich Darmunverträglich­keiten wie Stuhlveränderungen, Blähungen oder Völlegefühl auf. Bei der Anwendung der Präparate gibt es nur wenige Einschränkungen: Schwangere und Stillende sollten sicherheitshalber auf solche Präparate verzichten. Patienten mit Gerinnungsstörungen beziehungsweise solche, die Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen, sollten Bromelain, Trypsin und/oder Papain nicht einnehmen. Bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen sollten die Patienten vor der Einnahme ihren Arzt befragen. Zu guter Letzt: Wer auf Ananas allergisch reagiert, muss bei der Einnahme von bromelainhaltigen Präparaten mit einer Unverträglichkeit rechnen.

Ersatz bei Mangel

Wenn Prozesse im Körper nicht (mehr) funktionieren, werden auch bestimmte Enzyme nicht oder nicht in ausreichender Menge produziert. Bekanntes Beispiel ist die Lactose-Intoleranz: Die fehlende körpereigene Lactase kann mithilfe von Enzympräparaten ersetzt werden. Diese enthalten zum Beispiel Lactase, die im Pilz Aspergillus oryzae hergestellt wurde. Die eingenommene Lactase wird nicht vom Körper aufgenommen, die Kapseln beziehungsweise Tabletten lösen sich im Magen auf, und die enthaltene Lactase spaltet im Speisebrei vorhandenen Milchzucker. Ein magensaftresistenter Überzug ist daher nicht nötig. Überschüssige Lactase wird wieder ausgeschieden.

Auch bei Störungen der Bauchspeicheldrüsenfunktion kann ein Mangel an Verdauungsenzymen entstehen. Normalerweise produziert der exokrine Teil des Pankreas die Enzyme Amylase, Lipase und Protease. Zum Beispiel bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse entsteht ein Mangel, die Patienten leiden unter Verdauungsstörungen und Untergewicht. Präparate, die Pan­kreas-Pulver vom Schwein enthalten, ­ersetzen die fehlenden Enzyme. Bei den entsprechenden Präparaten handelt ­ es sich meist um Kapseln, die magensaftresistent überzogene Pellets oder ­Mi­krotabletten enthalten. Die Kapseln müssen ungeöffnet und unzerkaut direkt zum Essen ein­genommen werden.


Auswahl verschiedener Enzympräparate

Inhaltsstoffe / Enthaltene Enzyme Präparate (Beispiele) Indikation 
Bromelain Bromelain POS®, Phlogenzym® mono, Traumanase® Akute Schwellungen nach Operationen und Verletzungen, besonders der Nase und Nebenhöhlen 
Bromelain, Trypsin, Rutosid Wobenzym® plus Schwellungen und Entzündungen als Folge von Traumen, Thrombophlebitis, aktivierte Arthrose 
Bromelain, Papain, (bei Phlogenzym® aktiv: +Trypsin) Wobenzym® immun, Phlogenzym® aktiv Unterstützung der Immunfunktion 
Pepsin vom Schwein, Aminosäure-Hydrochlorid aus Rinderbluteiweiß­hydrolysat Enzynorm® f Traditionell zur Unterstützung der Magenfunktion 
Lactase Lactrase®, Lactosolv®, Leben’s® Laktase Enzym Lactose-Intoleranz 
Pankreas-Pulver vom Schwein: Lipase, Amylase, Protease Kreon®, Enzym Lefax® forte Pankreatin, Panzynorm®, Panzytrat® und andere Störungen der exokrinen Pankreas­funktion mit Maldigestion 
Rizolipase, Protease, Amylase aus japanischen Reispilzkulturen Nortase® Ersatz von Verdauungsenzymen bei ­Maldigestion (Verdauungsschwäche) infolge einer gestörten Pankreas-­Funktion 

Patienten, die Schwierigkeiten beim Schlucken der Kapseln haben, können diese öffnen und die Pellets oder Mikrotabletten unzerkaut mit viel Flüssigkeit schlucken oder mit weicher Nahrung wie Apfelmus vermengen. Achtung: Der pH-Wert der Nahrung sollte dabei nicht höher als 5,5 liegen, da sonst die magensaftresistente Hülle zerstört wird. Die Enzyme würden dann frühzeitig in der Mundhöhle freigesetzt, wo sie die Schleimhaut schädigen können. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 02/2016

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2018 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=8300