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EDITORIAL

Verbesserte Versorgung



Die Hanfpflanze ist ein echtes Multitalent: Sie hat bereits Karriere als industrieller Rohstoff und Rauschdroge gemacht, und auch als Arzneimittel macht sie sich mehr und mehr einen Namen. Bislang profitieren allerdings nur wenige Patienten in Deutschland von einer Behandlung mit Cannabis. Das will die Bundesregierung ändern: Die Versorgung mit medizinischem Cannabis soll nach einem Gesetz­entwurf des Bundesgesundheitsministeriums deutlich einfacher als bisher werden. Komplizierte Sonder­genehmigungen sollen entfallen, und Ärzte sollen Medizinalhanf künftig auf einem Betäubungs­mittelrezept verordnen können. Importe aus dem Ausland wären nicht mehr nötig: Cannabis soll auch in Deutschland unter staatlicher Kontrolle angebaut werden (lesen Sie dazu den Titelbeitrag: Cannabis: Hanf auf Rezept).

Die geplanten Vereinfachungen sind richtig und wichtig. Schwer kranke Patienten sollten medizinisch benötigtes Cannabis – wie andere Arzneimittel auch – in kontrollierter pharmazeutischer Qualität ohne Umwege in der Apotheke bekommen können, handelt es sich doch meist um Patienten mit schwerwiegenden Erkrankun­gen, denen andere therapeutische Maßnahmen nicht mehr helfen.

Pharmazeutisch und medizinisch gesehen steht der Einsatz von Cannabis allerdings noch auf wackligen Füßen. Wie soll eine Thera­pie mit Medizinalhanf genau aussehen? Zunächst gilt es, genaue Qualitätsanforderungen an die Pflanze zu definieren und geeignete Darreichungsformen zu entwickeln. Cannabis als Joint zu rauchen, ist zur Behandlung von Krankheiten aus pharma­zeutischer Sicht sicher nicht geeignet. Der Wirkstoffgehalt und damit die Wirkung können bei der Anwendung stark schwanken, und Tabak-Rauch ist generell gesundheitsschädlich. Auch wissenschaftlich gibt es noch Nachholbedarf: Die Studienlage ist bei vielen Indikationen, in denen Cannabis eingesetzt wird, noch dürftig. Hier sind valide klinische Studien nötig, um den Patienten zukünftig eine sichere und wirksame Therapie zu ermöglichen.

Verena Arzbach
Apothekerin und Redakteurin



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2016

 

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