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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Hyperpigmentierung

Dunkle Flecken auf der Haut


Von Carina Steyer / Makelloser Teint gilt in vielen Kulturen als Schönheitsideal. Er steht für Jugendlichkeit und Vitalität, verspricht Attraktivität und Erfolg. Farbveränderungen der Haut empfinden Betroffene daher meist als Belastung. Vor allem die als Hyperpigmentierung bezeichnete Dunkelfärbung einzelner Hautareale betrifft die Mehrzahl der Bevölkerung Mitteleuropas, Frauen etwa zehnmal häufiger. Die vielfältigen Behandlungs­möglichkeiten führen nicht immer zu zufrieden stellenden Ergebnissen.

 

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Verursacher einer Hyperpigmentierung ist immer Melanin. Gebildet wird das Pigment der menschlichen Haut in den Pigmentzellen. Dort wird es in spezia­lisierte Organellen, die sogenannten Melanosomen, verpackt, die es anschließend in die umliegenden Hornzellen verteilen. Eine Pigmentzelle versorgt etwa 30 bis 40 Hornzellen mit dem rot-gelben Pheomelanin sowie dem braun-schwarzen Eumelanin und bestimmt damit die Hautfarbe eines Menschen. Je heller die Haut, umso mehr dominiert das Pheomelanin, während bei dunklen Hauttypen das Eumelanin überwiegt. Auch die Zahl, Größe, Form und der Abbau der Melanosomen beeinflusst die Hautfarbe. Dunkle Haut verfügt typischerweise über große, dicht pigmentierte Melanosomen, die vereinzelt liegen und langsam abgebaut werden. Dagegen bilden die Melanosomen in heller Haut kleine Gruppen, die zusätzlich von einer Membran umgeben sind.




Wie der Name schon sagt: Intensive UV-Strahlung in der warmen Jahreszeit lassen Sommersprossen sprießen.

Foto: Shutterstock/Irina Bg


Die Pigmentierung der Haut ist ein ständiger, störanfälliger Prozess. Übermäßige Sonnenexposition, hormonelle Einflüsse, Arzneimittel, Kosmetika, Verletzungen und Entzündungen der Haut können bewirken, dass sich Melanin in den Melanosomen lokal begrenzt anreichert oder sich die Pigmentzellen selbst vermehren. Die Folge ist ein gegenüber der umgebenden Haut dunkler gefärbtes Hautareal, eine Hyperpigmentierung. Hautärzte unterscheiden Hyperpigmentierungen nach ihrer zugrundeliegenden Ursache in Pigment­flecken, postinflammatorische Hyperpigmentierung und Melasma.

Einfluss der UV-Strahlen

Ausgedehnte Sonnenbäder ohne ausreichenden Sonnenschutz können schnell zu unerwünschten Flecken auf der Haut führen. UV-Strahlung bewirkt, dass die Pigmentzellen verstärkt Melanin produzieren. Zusätzlich wird der Abtransport des Melanins in die Hornzellen gestört. Das Ergebnis sind kleine, rund bis oval geformte Pigment­flecken, die sich bevorzugt im Gesicht, an den Händen und Streckseiten der Unterarme bilden. Auch Sommersprossen zählen zu dieser Form der Pigmentflecken.

Die postinflammatorische Hyperpigmentierung fällt in den meisten Fällen wesentlich größer aus. Wie Pigmentflecken entsteht sie durch UV-Strahlung, allerdings auf vorgeschädigter Haut. Manchmal bleiben nach dem Abheilen entzündlicher Hauterkrankungen, Akne oder großflächiger Verletzungen dunkel abgegrenzte Areale dauerhaft bestehen. Postinflamma­torische Hyperpigmentierungen bilden sich nicht von selbst zurück. Die beste Vorbeugung ist konsequenter Sonnenschutz. Experten empfehlen, ein Sonnenschutzmittel oder eine Tagescreme mit hohem Lichtschutzfaktor zu verwenden und direkte Sonnenbestrahlung zu vermeiden.

Faktor Hormone

Auch Hormone können Hyperpigmentierungen auslösen. Das Melasma wird durch die weiblichen Sexualhormone Estrogen und Progesteron verursacht und betrifft daher fast ausschließlich Frauen. Die Hormone führen zur Vermehrung der Pigmentzellen sowie einer gesteigerten Melaninproduktion. Typischerweise entstehen Melasmen in Phasen hormoneller Umstellung, beispielsweise in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Bei manchen Frauen wirken sich auch hormonelle Verhütungsmethoden oder eine Hormonersatztherapie auf die Pigmentierung der Haut aus.

Ein Melasma ist immer scharf begrenzt und entsteht großflächig auf der Stirn, den Wangen, Schläfen oder der Oberlippe. Das individuelle Risiko, ein Melasma zu entwickeln, wird durch Hyperpigmentierungen in der Familie, einen Hauttyp der Klassen III bis V (Mischtyp bis dunkler Hauttyp) asiatische oder hispanische Abstammung erhöht.

Schwierige Therapie

Auch wenn viele Kosmetikhersteller etwas anderes versprechen, die Behandlung von Hyperpigmentierungen ist nicht einfach. Kosmetikprodukte mit aufhellender Wirkung erzielen nur bei leichten, durch die Sonne verursachten Pigmentflecken Verbesserungen, beim stärker ausgeprägten Melasma oder der postinflammatorischen Hyperpigmentierung sind sie in der Regel wirkungslos. Interessierten Kunden sollten PTA und Apotheker zunächst – falls vorhanden – verschiedene Präparateproben mitgeben, damit sie deren Hautverträglichkeit testen können. Stark pigmentierte oder großflächige Hyperpigmentierungen sind kein Fall für die Selbstmedikation, sondern gehören in die Hand eines Hautarztes.

Erfahrene Dermatologen können einschätzen, ob eine Therapie möglich ist. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist vor allem die Lage der Pigmentstörung. Oberflächliche (epidermale) Hyperpigmentierungen sind erfolgreicher zu therapieren als tiefer liegende (dermale), bei denen viele Therapieformen zu keinem Erfolg führen. Die Behandlung von Hyperpigmentierungen nimmt meist mehrere Monate in Anspruch. Eine Ausnahme bildet manchmal das Melasma.

Haben hormonelle Verhütungsmethoden die Pigmentstörung verursacht, sollten die Frauen diese vor der Behandlung absetzen. Eventuell macht bereits diese Maßnahme eine Therapie überflüssig. Auch während der Schwangerschaft entstandene Melasmen bilden sich bei 90 Prozent der Frauen in den ersten Monaten nach der Geburt vollständig zurück.




Laserbehandlungen zur Zerstörung von Pigmentzellen sollten nur geschulte Hautärzte vornehmen.

Foto: Your Photo Today


Oberflächliche Hyperpigmentierungen können mit bleichenden Wirkstoffen aufgehellt werden, zum Beispiel mit Hydrochinon, Azelainsäure, Kojisäure oder Tretinoin. Die Creme müssen die Patienten mehrere Wochen lang täglich auf die betroffenen Hautstellen auftragen. Dabei müssen sie die umliegende, hellere Haut sorgfältig aussparen. Selten verschwindet die Hyperpigmentierung vollständig, meist hellen die Präparate die betroffenen Hautstellen aber deutlich auf.

Lasereinsatz

Hyperpigmentierungen sind ein typisches Einsatzgebiet für Laserbehandlungen. Der Laser zerstört überzählige Pigmentzellen so weit, dass sie kein Melanin mehr produzieren können. Bis zum gewünschten Ergebnis sind mehrere Behandlungen notwendig. Meist empfehlen Dermatologen, die Laserbehandlung in den Wintermonaten durchzuführen, um die Haut vor weiteren Hyperpigmentierungen durch UV-Strahlung zu schützen.

Laserbehandlungen können oberflächliche Hyperpigmentierungen deutlich verbessern, tiefe erreicht der Laser kaum. Jede Laserbehandlung sollte nur von geschulten Hautärzten nach gründlicher Aufklärung des Betroffenen durchgeführt werden. Die dauerhafte Zerstörung der Pigmentzellen birgt die Gefahr, dass zu viele Zellen erfasst werden. Dann folgt der Hyperpigmentierung eine dauerhafte Hypopigmentierung. Ein weiteres Risiko: Besonders häufig verschlechtert der Laser die bestehende Hyperpigmentierung bei Menschen vom Hauttyp der Klassen IV bis V (mediterraner Typ bis schwarzer Hauttyp).

Entfernung der Hornzellen

Chemische Peelings sollen zu stark pigmentierte Hornzellen abtragen und die Neubildung normal gefärbter Hornzellen anregen. Die eingesetzten Präparate enthalten Fruchtsäuren, Glycolsäure oder Trichloressigsäure als Wirkstoffe. Je nach Konzentration und Einwirkzeit dringen die Substanzen in unterschied­liche Hautschichten vor.

Oberflächliche Peelings entfernen nur die oberste Hornschicht. Die Haut ist hinterher oft etwas gerötet oder gereizt, jedoch meist nur für kurze Zeit. Mit mitteltief wirksamen Peelings lässt sich die gesamte Hornschicht abtragen. Nach der Behandlung verfärbt und verkrustet sich die Haut und benötigt etwa eine Woche für die Regeneration.

In Deutschland führen nur sehr wenige Praxen tiefe Peelings durch, bei denen in Vollnarkose die Haut bis zur Kollagenschicht abgetragen wird. Die Heilung nimmt mindestens zwei Wochen in Anspruch. Auch die chemischen Peelings bergen Risiken wie Infektionen, eine Verschlechterung der bestehenden Pigmentierung oder eine post­inflammatorische Hyperpigmentierung.

Kosmetische Maßnahmen

Bleiben alle genannten Behandlungen erfolglos, verwenden Betroffene oft Camouflage-Creme, vor allem im Gesicht. Diese Produkte decken die dunklen Hautflecken komplett ab, neutra­lisieren so optisch die Hyperpigmentierung und werden anschließend mit einem hautähnlichen Ton überdeckt. Stäubt der Anwender zum Schluss noch Fixierpuder auf das Gesicht, sieht das Make-up professionell aus und ist sogar wasserfest. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2016

 

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