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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Zauberpilze

Wirkung bei Depressionen


Von Verena Arzbach / Halluzinogene Pilze, oft als »Magic Mushrooms« oder Zauberpilze bezeichnet, sind gemeinhin als Rauschdroge bekannt. Sie könnten aber auch als Arzneimittel geeignet sein. Das zumindest legt eine kleine Studie nahe, in deren Rahmen britische Forscher Patienten mit Depressionen mit dem Pilz-Inhaltsstoff Psilocybin behandelt haben.

 

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An der Untersuchung, die im Fachjournal »Lancet Psychiatry« veröffentlicht wurde, nahmen zwölf Patienten mit einer mittelschweren bis schweren Major-Depression teil. Die Studienteilnehmer litten schon lange an der Erkrankung – im Durchschnitt seit 17,8 Jahren – und waren zuvor erfolglos mit mindestens zwei synthetischen Antidepressiva behandelt worden.




Foto: Shutterstock/Yellowj


Die Wissenschaftler um Studienleiter Dr. Robin Carhart-Harris vom Imperial College behandelten die Patienten zweimal mit Psilocybin-Kapseln: Diese bekamen zunächst eine niedrige Dosis von 10 mg Psilocybin, nach einer Woche 25 mg. Die Patienten wurden nach der Einnahme von Psychiatern betreut. Sie konnten sich auf einem Bett in einem abgedunkelten Raum aufhalten und Musik hören. Akute psychedelische Effekte setzten nach etwa 30 bis 60 Minuten ein und erreichten nach zwei bis drei Stunden ihren Höhepunkt. Insgesamt vertrugen alle Patienten die Effekte der Psilocybin-Gabe gut. Ernste Komplikationen traten nicht auf, so die Forscher, doch alle Patienten berichteten von einer vorübergehenden Ängstlichkeit beim Einsetzen der Psilocybin-Wirkung. Neun Teilnehmer litten vorübergehend unter Verwirrung oder Denkstörungen, vier Personen klagten über Übelkeit und Kopfschmerzen.

In der Untersuchung zeigte sich auch eine langfristige Wirkung der Pilze: Nach einem Zeitraum von mindestens drei Wochen hatten sich die Symptome der Depression bei allen Studienteilnehmern ver­bessert. Bei sieben Patienten waren diese Verbesserungen auch noch nach drei Monaten zu sehen. Bei den weiteren fünf Probanden hatte sich die Depression allerdings wieder verschlechtert.

Aufgrund der geringen Zahl an Probanden und des Studiendesigns (keine Verblindung, keine Kontrollgruppe) lässt das Ergebnis der Untersuchung keine weitreichenden Schlüsse zum therapeutischen Einsatz von Psilocybin zu. Doch die Autoren der Studie schreiben, die Ergebnisse rechtfertigten es, größere Studien durchzuführen.

Die Wirkung halluzinogener Pilze ähnelt der von LSD. Wahrnehmung und Bewusstsein verändern sich. Die Wirkung ist allerdings individuell, bei Konsumenten werden unterschiedliche Effekte beobachtet, abhängig von Verfassung , Dosis sowie der Umgebung bei der Einnahme. Als Nebenwirkungen eines »Trips« können zum Beispiel Angststörungen und Panik­attacken auftreten. In Deutschland sind Besitz, Verkauf sowie Ein- und Ausfuhr von Zauberpilzen verboten. /


Pilztrips und Vergiftungen

Bewusstseinserweiternde Pilzreisen spielen auch im Kriminalroman »Isarlauf« von Bettina Plecher eine wichtige Rolle. Im zweiten Buch der Reihe ermittelt der Münchner Toxikologe Quirin Quast mit seiner Kollegin, der Internistin Frieda May, zunächst in einem Vergiftungsfall: Ein Psychiater bricht beim Zieleinlauf eines Marathonlaufs zusammen, offenbar hatte ihm jemand einen tödlichen Medikamentencocktail verabreicht. Bei ihren Recherchen stoßen die beiden Ärzte schließlich auf die recht ungewöhn­lichen Behandlungsmethoden des Psychiaters. Ein spannender Mediziner-Krimi – besonders für toxikologisch Interessierte.

Bettina Plecher: Isarlauf. 304 Seiten, Taschenbuch, Rowohlt Taschenbuch Verlag 2016. ISBN: 978-3499270673, 9,99 Euro.



Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2016

 

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