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POLITIK UND BERUF

Psychologie

Der erste Eindruck


Von Britta Odenthal / Im Arbeitsalltag, im Privatleben oder bei einem Bewerbungsgespräch: Einen prägenden Eindruck hinterlässt man innerhalb der ersten sieben Sekunden. Es heißt sogar, dass es sieben Jahre braucht, um einen missglückten ersten Eindruck wiedergutzumachen.

 

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Neben fachlichen Kompetenzen fließen auch immer persönliche Wirkungsfaktoren in jedes Gespräch ein. Diese individuellen Faktoren zu kennen und gezielt einzusetzen, erleichtert den ­Einstieg in jedes Gespräch. Nutzen Sie dieses Wissen für sich und gewinnen Sie schon beim ersten Eindruck die Sympathie des Gesprächspartners.




Foto: iSstock/sturti


In den ersten sieben Sekunden fällt man automatisch ein Urteil über sein Gegenüber. Vieles passiert sogar in den ersten Millisekunden. Woher kommt das? Der Urmensch musste sehr schnell die Entscheidung fällen, ob ihm ein Freund oder Feind gegenüberstand. Dauerte die Überlegung zu lange, bedeutete dies vielleicht den Tod. Teile dieses blitzschnell ablaufenden Analyseprogramms unserer Vorfahren sind auch heute noch in uns aktiv.

Der US-Amerikaner Professor Dr. Albert Mehrabian, Psychologe an der University of California in Los Angeles, erforschte in seinen Studien unter anderem die Wirkung der verbalen und nonverbalen Kommunikation bei einem ersten Zusammentreffen sich fremder Menschen. In diesen Studien ist die prozentuale Verteilung der einzelnen Wirkungsfaktoren in den ersten sieben Sekunden nachzulesen (siehe Kasten).

Die gute Nachricht: Sie können Einfluss auf Ihre persönlichen Wirkungsfaktoren nehmen. Genau das üben Politiker, Redner und Moderatoren: Sie nutzen besonders die Zeichen der nonverbalen Kommunikation, um bei ihren Wählern beziehungsweise ihrem Publikum von Anfang an sympathisch, kompetent und glaubwürdig zu erscheinen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind zu ­einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Sie sehen Ihren potenziellen Chef zum ersten Mal. Mit leicht zusammengezogenen Augenbrauen, gespitzten Lippen, verschränkten Armen, die Beine mehr als hüftbreit gespreizt, steht er vor Ihnen. Wenn Sie sich dieses Bild vorstellen, schießt ­Ihnen da ein bestimmter Gedanke durch den Kopf? Löst dieses Bild eher angenehme oder unange­nehme Gefühle bei Ihnen aus?

Im Gegensatz dazu: Stellen Sie sich einen neuen Chef vor, der Sie mit einem freundlichen Lächeln empfängt. Mit ausgestreckter Hand und offenem Blick kommt er Ihnen entgegen, um Sie zu begrüßen. Und genau darum geht es: beim ersten Eindruck sympathisch und gewinnend zu sein.

Der Inhalt – die Worte, die Sie zu ­Beginn jedes neuen Kontaktes sprechen – sind fast zu vernachlässigen. Sie sollten aber trotzdem angemessen sein, lieber etwas zu förmlich als zu ­locker. Nichts hört der Mensch übrigens so gerne wie seinen eigenen ­Namen. Also begrüßen Sie Ihr Gegenüber wenn möglich mit seinem ­Namen. Es muss natürlich zum Anlass passen. Eine Bewerbung ist ein seriöser Anlass, also ist eine förmliche Begrüßung durchaus angemessen. In einem Vorstellungsgespräch bekommen Sie nach der Begrüßung meistens einen Platz angeboten. Sie antworten am besten mit einem kurzen »Danke«, und dann haben Sie die ersten sieben Sekunden schon inhaltlich gut gemeistert.

Stimmung unter Spannung

Bei der Stimme lohnt es sich, genauer hinzuhören. Die Stimme hat eine so große Bedeutung für den ersten Eindruck, weil sich die Körperspannung auch auf die Stimme überträgt. Somit lässt sich an der Stimme gleich erkennen, ob jemand gerade unter starker Anspannung steht oder entspannt ist.


Wirkfaktoren in den ersten sieben Sekunden

Von 100 Prozent fallen:

7 Prozent auf den Inhalt, also ­ darauf, was man sagt;

38 Prozent auf die Stimme, also wie man etwas sagt;

55 Prozent auf die Körpersprache, also Gestik, Mimik, Körperhaltung


Ein gutes Beispiel ist der Tor-Ruf im Fußballstadion. Darin steckt sehr viel Emotion: Die Fans springen auf, reißen die Arme nach oben, ballen eine Faust, die Körperspannung ist maximal und dann jubeln sie: »Tor, Tor!« Mit diesem Adrenalinstoß im Körper könnte der leidenschaftliche Fan kaum eine Sekunde später in angemessener Lautstärke ein Telefonat führen. Der Körper ist unter großer Spannung und die Stimme automatisch lauter als sonst. Würde er in dieser Verfassung in die Apotheke kommen, wären Sie wahrscheinlich alarmiert: Irgendetwas stimmt mit ihm nicht. Sie wären erwartungsgemäß vorsichtig im Umgang mit ihm, auch aus Eigenschutz, denn jemand, der so unter Spannung steht, kann auch leicht explodieren. Das »Freund-Feind-Schema« ist aktiviert.

Schon am umgangssprachlichen »Der bekommt doch die Zähne nicht auseinander« ist zu erkennen, dass es nicht positiv ankommt, wenn jemand sehr leise spricht und schlecht artikuliert. Im schlechtesten Fall schließt das Gegenüber daraus, wie engagiert jemand insgesamt ist. Die fehlende Aktivität von Lippen und Zwerchfell wird in der Einschätzung schlechtestenfalls damit gleichgesetzt, dass die Person auch sonst bequem und träge ist.

Übungen und Tricks

Bei der Begrüßung »Guten Tag, Herr ­Müller« können Sie sich zum Beispiel zunutze machen, dass sich Ihr Mund beim lang gesprochenen A weit öffnet und Sie so den Namen Ihres Gegenübers automatisch besser artikulieren und damit deutlicher aussprechen.

Eine weitere Übung: Bringen Sie ein paar Minuten vor einem wichtigen Gespräch oder Telefonat Leben in Ihre Lippen. Sagen Sie ein paar Mal übertrieben deutlich und mit viel Bewegung im Mundbereich: »Marmelade, Marmelade, Marmelade« und dann »Spannbetttuch, Spannbetttuch, Spannbetttuch«. Wenn Sie Lachen müssen, umso besser. Nichts bringt das Zwerchfell mehr in Schwung. Und das Zwerchfell ist die Kraft der Stimme.




Foto: iStock/Halfpoint


Wenn Sie dazu neigen, in angespannten Situationen eher zu leise zu sprechen, dann achten Sie besonders darauf, dass Sie beim Sitzen nicht ganz hinten an der Stuhllehne verschwinden. Entspannt angelehnt in Stuhl oder Sessel sitzend, ist Ihre Körperspannung gering und somit auch die Kraft Ihrer Stimme. Sitzen Sie besser etwas weiter vorne und aufrecht. So kann Ihr Zwerchfell besser schwingen und Ihre Stimme wird automatisch etwas lauter.

Nicht jeder wird in einer wichtigen und außergewöhnlichen Situation ­leiser. Vielleicht sind Sie eher jemand, der dann in eine angespannte Körperhaltung wechselt. Das kann dazu ­führen, dass Sie automatisch lauter sprechen, was je nach Anlass bei Ihrem ­Gesprächspartner möglicherweise zu dominant erscheint. Wenn Sie Ihrer Anspannung etwas entgegensetzen möchten, nehmen Sie besser weiter hinten auf dem Sessel Platz.

Ihr Körper verbindet mit Körperhaltungen viele Erfahrungen. Wenn Sie also wie im Beispiel ganz nach hinten an die Rückenlehne des Sitzes rutschen, erinnert das Ihren Körper eher an Situationen, in denen Sie entspannt waren. Sitzen Sie hingegen ganz vorne auf der Sitzfläche in aufrechter Haltung, erinnert dies den Körper eher an Situationen, in denen er aufmerksam war.

Die Körpersprache bezeichnet die Art und Weise, wie Sie Ihren Körper ­– also Gestik, Mimik und Körperhaltung – zur nonverbalen Kommunikation nutzten. Diese Signale werden von ­Ihrem Gegenüber meist stark in die Einschätzung Ihrer Glaubwürdigkeit, Souverä­nität und Kompetenz einbezogen. Besonders der Moment des Handschlags drückt eine Menge über Ihre Persönlichkeit aus.

In einer der kommenden Ausgaben erfahren Sie, welche Zeichen der nonverbalen Kommunikation Sie bewusst einsetzen können und wie Sie mit ­einem souveränen Handschlag Pluspunkte für sich sammeln. /


Stimme Wirkung 
zu laut weckt Aggression/wirkt einschüchternd 
zu leise schüchtern, mangelndes Selbstvertrauen 
hoch Warnsignal, unangenehm 
Sprechtempo gehetzt/schnell Unruhe, Nervosität, chaotisch, ohne Struktur 
Silben werden verschluckt anstrengend zuzuhören, man schaltet ab, wirkt gehetzt 
monoton einschläfernd, unmotiviert, inkompetent 
langsam Vermutung: Intelligenz eher gering, obwohl das oft ganz falsch ist 
Schnappatmung ist anstrengend, zuzuhören, man schaltet ab, wirkt gehetzt und unsicher 


Beitrag erschienen in Ausgabe 24/2016

 

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