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Ist Kurzschlaf am Tag schädlich oder gesund?

Auch positive Effekte beschrieben

Das ist allerdings kein Grund, das Nickerchen generell zu verteufeln. Eine französische Studie ergab, dass dieses in sehr kurzer Form die Kreativität steigern könnte. Griechische Forschende beobachteten zudem, dass eine halbe Stunde Mittagsschlaf sogar vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen könnte – allerdings nur dann, wenn man diesen nicht mehr als ein- bis zweimal pro Woche einlege, wie eine Schweizer Untersuchung ergänzte.

Darüber hinaus scheinen insbesondere Jüngere vom Schläfchen am Tag zu profitieren. So ergab eine US-Studie, dass dieses sich bei Teenagern positiv auf Konzentration und Lernverhalten auswirke. Das liege nicht zuletzt auch daran, dass diese häufig einen verschobenen Schlafrhythmus hätten: Sie gingen spät ins Bett, müssten wegen der Schule aber früh aufstehen. In vielen westlichen Ländern sei das Nickerchen indes oft verpönt, so Hauptautorin Xiaopeng Ji von der University of Delaware. Dort würde das monophasische Schlafmuster als Zeichen geistiger Reife gelten: »In China ist die Zeit für ein Nickerchen für viele Erwachsene am Arbeitsplatz und für Schüler in der Schule in den Zeitplan nach dem Mittagessen integriert.«

Kurzschlaf bewirkt keine Wunder

Wunderwirkungen sollte man von einem Nickerchen nicht erwarten, wie eine Studie der Michigan State University nahelegt: Wie deren Autoren im Fachblatt »Sleep« schreiben, hat ein kurzer Mittagsschlaf kaum Nutzen für die kognitiven Fähigkeiten und würde vor allem eine Nacht mit schlechtem Schlaf nicht ausgleichen. »Wir fanden heraus, dass kurze Nickerchen von 30 oder 60 Minuten keine messbaren Auswirkungen hatten«, fasst Hauptautorin Kimberly Fenn zusammen.

Unabhängig davon, was ein Mittagsschlaf bewirkt, scheint das Bedürfnis danach zum Teil genetisch bedingt. Das stellten zumindest Schlafmediziner des Massachusetts General Hospital in einer großen Untersuchung fest. Wie sie im Fachmagazin »Nature Communications« berichten, gebe es drei Typen, für die ein Nickerchen besonders wichtig sei: zum einen Menschen, die sehr früh aufstünden, sowie zum zweiten solche, die unter Schlafstörungen litten. Für beide sei die kurze Schlafpause am Tag nötig, um die Akkus wieder aufzuladen.

Zum dritten gebe es auch Menschen, die genetisch bedingt mehr Schlaf bräuchten und sich daher auch am Tag gerne kurz aufs Ohr legten. »Das zeigt uns, dass das Schläfchen am Tag biologisch bedingt ist und nicht nur eine umwelt- oder verhaltensbedingte Entscheidung«, sagt Ko-Autor Hassan Saeed Dashti.

Allerdings könnten auch gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck oder ausgeprägtes Übergewicht zu überdurchschnittlicher Müdigkeit führen. Hier seien weitere Untersuchungen zu den Ursachen nötig, die zudem einen stärkeren Fokus auf individuelle Ruhebedürfnisse legen könnten, so Physiologin Marta Garaulet, eine weitere Ko-Autorin. »Zukünftige Arbeiten könnten helfen, personalisierte Empfehlungen für die Siesta zu entwickeln.«

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