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EU-Studie

Jung, deutsch, depressiv

Junge Erwachsene in Deutschland zeigen häufiger depressive Symptome als die Bürger fast aller anderen EU-Staaten. Das ergab die zweite Europäische Gesundheitsbefragung (EHIS), die das Robert-Koch-Institut (RKI) nun veröffentlicht hat. Für die Studie wurden in Deutschland 25.000, europaweit mehr als 250.000 Personen ab 15 Jahren befragt.
Katja Egermeier
12.12.2019
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Generell ist die Prävalenz einer depressiven Symptomatik mit 9,2 Prozent in Deutschland höher als im EU-Durchschnitt, der bei 6,6 Prozent liegt. Mit Ausnahme von Luxemburg, Schweden und Portugal liegen die Deutschen damit weiter vorne als alle anderen Mitgliedsstaaten.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 29 Jahren ist die Häufigkeit einer depressiven Symptomatik sogar mit am höchsten: Hier liegt die Prävalenz mit 11,5 Prozent in Deutschland deutlich über dem EU-Durchschnitt von 5,2 Prozent. Bei den Älteren (ab 65 Jahre) sieht es besser aus: Hier ist die Verbreitung in Deutschland mit 6,7 Prozent geringer als im EU-Durchschnitt (9,1 Prozent). Mit 11,6 Prozent, 14,7 Prozent und 13,9 Prozent sind hier Italien, Portugal und Rumänien die Spitzenreiter.

Unterscheidet man in der weiteren Auswertung zwischen leichter und schwerer depressiver Symptomatik, repräsentiert Deutschland bei Ersterem das Maximum: 6,3 Prozent im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 4,1 Prozent. Bei der der Prävalenz moderater bis schwerer depressiver Symptomatik liegt Deutschland dagegen mit 2,9% im Bereich des EU-Durchschnitts (2,5%).

Gründe für schlechte Ergebnisse

Aus Sicht der Studienautoren könnten die Ergebnisse für Deutschland davon beeinflusst sein, dass das Thema Depression hierzulande breit diskutiert werde und damit die Sensibilität dafür höher sein könnte, als in anderen EU-Ländern. Auch könnten die befragten Bundesbürger eher bereit gewesen seien, psychische Symptome offen im Fragebogen zu nennen.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe geht zudem nicht davon aus, dass in Deutschland die Neigung zu Depressionen steigt. Vielmehr werde die Krankheit von Ärzten häufiger erkannt als früher. Auch habe in der Bevölkerung die Bereitschaft zugenommen, sich behandeln zu lassen. Nach Angaben der Stiftung erkranken 5,3 Millionen Deutsche zwischen 18 und 79 Jahre im Laufe eines Jahres an einer anhaltenden depressiven Störung (8,2 Prozent). Diese Zahl erhöhe sich noch um Kinder, Jugendliche und Menschen über 79 Jahre.

Die Häufigkeit der depressiven Symptomatik der Deutschen im europäischen Vergleich ist nur eines von vier Themen, die das RKI analysiert und im Journal of Health Monitoring ausgewertet hat. Daneben lag der Fokus auf den Einschränkungen im Alter bei Aktivitäten des täglichen Lebens wie Nahrungsaufnahme oder Körperpflege, auf den Auswirkungen der zentralen sozialen Rollen im mittleren Erwachsenenalter – Partnerschaft, Elternschaft und Erwerbstätigkeit – auf die selbst eingeschätzte Gesundheit sowie auf dem Gesundheitsverhalten in Abhängigkeit von der Bildung.

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