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Update Folsäure

Junge Frauen schlecht mit Folsäure versorgt

Deutlicher Mehrbedarf

In der Schwangerschaft ist der Bedarf an Folat deutlich erhöht. Sowohl der wachsende Organismus des Ungeborenen als auch die werdende Mutter benötigen das für Zellwachstum und -teilung so wichtige Vitamin. Die von der DGE empfohlene Zufuhrmenge steigt für Schwangere aus diesem Grund um stattliche 83 Prozent. In Mengen ausgedrückt bedeutet das, dass Schwangere von Anfang an statt 300 µg Folat 550 µg am Tag aufnehmen sollten. Auch in der Stillzeit bleibt der Bedarf erhöht, geht aber auf 450 µg zurück. Die höheren Empfehlungen sind bei einer bewussten Auswahl gut über Lebensmittel zu decken. Studien haben jedoch gezeigt, dass Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren deutlich zu wenig Folat aufnehmen. Eine unzureichende Folatzufuhr erhöht die Gefahr von Fehlgeburten, Wachstumsstörungen und geringem Geburtsgewicht. Experten der Ernährungsfachgesellschaften raten Schwangeren daher, sicherheitshalber die Folsäurezufuhr über Supplemente zu sichern.

Problematisch ist eine unzureichende Versorgung besonders zu Beginn der Schwangerschaft, wenn viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Bei ausreichender Versorgung schließt sich das Neuralrohr des Embryos, aus dem sich das zentrale Nervensystem einschließlich Gehirn entwickelt, zwischen dem 18. und 28. Tag nach der Befruchtung. Ist die Schwangere zu diesem Zeitpunkt unzureichend versorgt, steigt das Risiko für schwere Missbildungen. Die bekanntesten sind Neuralrohrdefekte, auch als Spina bifida oder offener Rücken bezeichnet. Zudem kann es zur unvollständigen Ausbildung des Gehirns führen.

Solche Defekte treten in Deutschland immerhin bei etwa ein bis zwei von 1000 Schwangerschaften auf. Zahlreiche Untersuchungen konnten nachweisen, dass das Risiko für Missbildungen durch die Einnahme von Nahrungsergänzungen mit Folsäure in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten (erstes Trimester) deutlich sinkt. Auch das Auftreten von Herzfehlern oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten lässt sich durch die Supplementierung verringern.

Frauen, die einen Kinderwunsch hegen oder schwanger werden könnten, wird daher geraten, täglich 400 µg Folsäure über Nahrungsergänzungen einzunehmen. Studien haben gezeigt, dass es etwa sechs bis acht Wochen dauert, bis im Körper eine präventiv wirksame Konzentration erreicht ist. Daher ist eine frühzeitige Einnahme so wichtig. Sie sollte aber immer ergänzend erfolgen und nicht eine folatreiche Ernährung ersetzen. Bei Eintritt einer Schwangerschaft sollte die Einnahme mindestens in den ersten drei Monaten fortgesetzt werden.

Erhebungen haben gezeigt, dass nur wenige Frauen in Deutschland vorbeugend Folsäure einnehmen. Zum richtigen Zeitpunkt, also vor Eintritt der Schwangerschaft und in der Frühschwangerschaft, greifen lediglich etwa 10 bis 34 Prozent zu Vitaminpräparaten in der richtigen Dosierung. Anders sieht das inzwischen im weiteren Verlauf der Schwangerschaft aus. Hier decken 50 bis 75 Prozent der Schwangeren ihren erhöhten Bedarf über Folsäurepräparate. In Deutschland ist schätzungsweise die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant. In diesem Fall rät das staatlich geförderte »Netzwerk Gesund ins Leben«, 800 µg aufzunehmen, sobald die Schwangerschaft bekannt wird. Schwangere besprechen die Einnahme am besten mit ihrem Frauenarzt.

In der Stillzeit sinkt der Bedarf von 550 auf 450 µg am Tag. Eine Supplementation gilt dann nicht mehr als notwendig. Aufgrund des höheren Energiebedarfs nehmen stillende Frauen meist höhere Lebensmittelmengen zu sich und decken damit die empfohlene Folat-Menge gut ab.

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