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Update Folsäure

Junge Frauen schlecht mit Folsäure versorgt

Anreicherung sinnvoll?

Da es für die Anreicherung von Folsäure in Lebensmitteln keine Beschränkung gibt, sind in Deutschland zahlreiche Produkte mit dem Vitamin angereichert: von Frühstückscerealien, Molkereiprodukten über Salz bis zu Erfrischungsgetränken wie Multivitaminsäften. Sie können bereits erheblich zur Folsäureaufnahme beitragen. Hinzu kommen möglicherweise Nahrungsergänzungen mit Folsäure, wie sie in Apotheken, Drogerien und Supermärkten erhältlich sind. Hersteller von Nahrungsergänzungspräparaten wenden sich mit Werbeaussagen, wie »trägt zu einer normalen Blutbildung bei« oder »trägt zu einem normalen Homocysteinstoffwechsel bei« auch an andere Zielgruppen als Schwangere. Damit schüren sie Erwartungen für einen weiteren gesundheitlichen Nutzen einer Einnahme, ohne allerdings einen Wirknachweis liefern zu müssen.

Auf der anderen Seite kann zu viel Folsäure über angereicherte Lebensmittel oder Vitaminpräparate auch schaden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rechnet vor, dass zum Beispiel zwei Gramm mit Folsäure angereichertes Speisesalz (ein halber Teelöffel) bereits 200 µg Folsäure liefert. Umgerechnet in Folatäquivalente sind das 340 µg – eine Menge, die bereits den von der DGE empfohlenen Wert übersteigt. Und das allein über Salz.

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt für Erwachsene eine tolerierbare Gesamtmenge von 1000 µg Folsäure pro Tag an; für Kinder und Jugendliche im Alter von ein bis 17 Jahren liegen die tolerierbaren Mengen bei 200 µg bis 800 µg am Tag. Liegt die Folsäurezufuhr oberhalb von 1000 µg können neurologische Symptome eines möglicherweise bestehenden Vitamin B12-Mangels überdeckt werden. Das Risiko für eine unzureichende B12-Versorgung ist zum einen bei älteren Menschen gegeben, da die Resorptionsfähigkeit für das Vitamin nachlässt, zum anderen bei Veganern.

Da eine zusätzliche Aufnahme von Folsäure für Schwangere unstrittig ist, wurden in einigen Ländern Programme zur Anreicherung von Lebensmitteln gestartet. Tatsächlich sank dadurch die Rate an Neuralrohrdefekten. Gleichzeitig stieg aber in den USA und Kanada vorübergehend die Zahl an Dickdarmkrebs an. Wissenschaftler beobachteten nach der Einnahme von Folsäure-Supplementen einen Anstieg von Entzündungsparametern, die die Krebsentstehung ungünstig beeinflussen können.

Während die empfohlenen Zufuhrmengen bei gesunden Menschen das Risiko für Krebserkrankungen eher verringern, nimmt bei einer hohen Aufnahme an Folsäure das Krebsrisiko oder das Fortschreiten einer bestehenden Erkrankung unter bestimmten Bedingungen offenbar eher zu. Bei Folat aus der Nahrung besteht dieses Risiko nicht. Experten des BfR sprechen sich aus diesem Grund gegen eine Anreicherung von Folsäure im Mehl aus. Diese Praxis ist weltweit in etwa 80 Ländern üblich.

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