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Bei Komplikationen

Kaiserschnitt – mehr als nur Mode

Die meisten Kaiserschnitte sind geburtsmedizinisch gesehen keine absoluten Notfälle. Sie werden aufgrund von relativen Indikationen durchgeführt, also aus Gründen, bei denen grundsätzlich eine natürliche Geburt möglich wäre, aber mit höheren Risiken für Mutter und Kind verbunden ist. Dazu gehört die Beckenendlage, ein hohes geschätztes Geburtsgewicht des Kindes (über 4500 g), ein verlängerter Geburtsverlauf, ein Geburtsstillstand oder extreme Erschöpfung der Mutter, eine Zwillingsschwangerschaft, ein auffälliges Kardiotokogramm, ein Kaiserschnitt bei einer vorausgegangenen Geburt sowie etliche Erkrankungen der Mutter.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich die Kaiserschnittrate in den vergangenen 30 Jahren fast verdoppelt. Betrug sie 1991 noch 15,3 Prozent, waren es 2019 bereits 29,6 Prozent. Die Mütter- und Kindersterblichkeit hingegen sank durch die höhere Kaiserschnittrate nicht. Ursache dafür ist unter anderem vermutlich eine Kombination aus der Zunahme an relativen Indikatoren und einem höheren Sicherheitsbestreben bei werdenden Eltern.

Experten plädieren für eine bessere Aufklärung schwangerer Frauen und eine individuelle Abwägung des Nutzen-Risiko-Profils bei der Geburtsplanung. Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. kritisiert die Beratung von Schwangeren dahingehend, dass viele Erkrankungen der Mutter wie Infektionen, Augen- und Wirbelsäulenerkrankungen einen Kaiserschnitt nicht zwingend erforderlich machen würden. Auch die Folgen für weitere Schwangerschaften würden oft nicht thematisiert. Etwa die Hälfte aller Frauen nach einem Kaiserschnitt fühle sich über die Kurz- und Langzeitfolgen nicht ausreichend aufgeklärt. Diese seien aber durchaus wichtig für die Frauen und ihre Lebensplanung.

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