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Bei Komplikationen

Kaiserschnitt – mehr als nur Mode

Bei den Ärzten sind es oft Ängste oder juristische Bedenken, die sie zum Kaiserschnitt tendieren lassen. Kaum jemand sei verklagt worden, weil er einen Kaiserschnitt gemacht hat, wohl aber, weil er keinen gemacht hat. Geburtshilfe brauche viel Geduld und Zeit, da gäbe es unterschiedliche Mentalitäten, sagt Professor Dr. Walter Klockenbusch, Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Münster, in einer Presseaussendung der Klinik.

In vielen deutschen Kliniken herrscht auf den Geburtenstationen Personalmangel. Es sind nicht genügend Kapazitäten da, um Frauen mit komplizierteren oder längeren Geburtsverläufen ausreichend zu betreuen. Zudem fehlt es aufgrund der seltenen Durchführung oftmals an Erfahrung. Dementsprechend wenige Klinken in Deutschland bieten Frauen die Möglichkeit an, ein Kind in Beckenendlage oder Zwillinge natürlich zu entbinden. Viele Frauen wissen nicht einmal, dass sie theoretisch die Möglichkeit dazu hätten. Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt, diese Frauen frühzeitig an erfahrene Kliniken zu überweisen. Das sind häufig Kliniken, die als Perinatalzentrum Level 1 geführt werden. Die Hebammen und Gynäkologen vor Ort sind auf schwierige Geburtssituationen geschult, trainieren sie regelmäßig und können gut einschätzen, welcher Geburtsmodus möglich ist.

Dass auch die wirtschaftliche Lage der Geburtskliniken eine wichtige Rolle in Bezug auf den Geburtsmodus spielt, sieht man, wenn man einen Blick ins Ausland wirft. In Skandinavien liegt die Kaiserschnittrate bei etwa 15 Prozent, die Kinder- und Müttersterblichkeit ist noch geringer als in Deutschland. Experten zufolge liegt dies vor allem daran, dass Geburten in diesen Ländern nur in großen Kliniken mit ausreichend geschultem Personal durchgeführt werden, die keine Gewinne erwirtschaften müssen, da sie in kommunaler Hand sind. In Ländern mit einem stark privatisierten Gesundheitssystem liegen die Zahlen wesentlich höher als in Deutschland. So werden zum Beispiel in türkischen und syrischen Privatkliniken bis zu 90 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt entbunden.

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