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Elektrolyte im Griff

Kalium – damit das Herz im Takt bleibt

Als wichtigstes intrazelluläres Kation (K +) ist das Mengenelement Kalium zusammen mit Natrium und Chlorid unter anderem für den Elektrolythaushalt des menschlichen Organismus zuständig. Es hat zahlreiche weitere physiologische Funktionen. Eine besonders bedeutsame Aufgabe des Alkalimetalls ist die Reizweiterleitung von Nervenimpulsen zum Herzen.
Kerstin Pohl
05.10.2020  14:30 Uhr

Aufgaben und Funktionen

Kalium ist zu 98 Prozent im menschlichen Körper als Hauptelektrolyt in der intrazellulären Flüssigkeit enthalten. Es macht circa 1,7 Gramm je Kilogramm Körpergewicht aus. Nur zu 2 Prozent findet es sich in der extrazellulären Flüssigkeit.

Der größte Kaliumspeicher sind die Muskeln: Fast 80 Prozent des Kaliums sind dort gelagert. Der Rest verteilt sich auf Leber, Knochen und Erythrozyten. Kalium ist beteiligt an der Regulation des osmotischen Drucks und der Elektrolythomöostase. Zusammen mit den MineralstoffenNatrium und Chlorid trägt es zur Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Haushaltes im menschlichen Organismus bei. Nervenimpulse werden mithilfe von Kalium weitergeleitet und regulieren so nicht nur die Herztätigkeit, sondern auch die Kontraktion der Muskeln und den Blutdruck. Außerdem ist Kalium ein Cofaktor von Enzymen, die an der Synthese von Proteinen und Glykogen beteiligt sind, und damit auch ein Wachstumsfaktor.

Wie viel braucht der Mensch?

Im Fall von Kalium nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine angemessene Zufuhr Schätzwerte in Abhängigkeit vom Alter.

Alter Kalium(mg/Tag)
Säuglinge
0 bis unter 4 Monate 400
4 bis unter 12 Monate 600
Kinder und Jugendliche
1 bis unter 4 Jahre 1100
4 bis unter 7 Jahre 1300
7 bis unter 10 Jahre 2000
10 bis unter 13 Jahre 2900
13 bis unter 15 Jahre 3600
15 bis unter 19 Jahre 4000
Erwachsene
19 bis unter 25 Jahre 4000
25 bis unter 51 Jahre 4000
51 bis unter 65 Jahre 4000
65 Jahre und älter 4000
Schwangere 4000
Stillende 4400
Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr

Woran erkennt man einen Mangel?

Ein Kalium-Mangel durch zu geringe Zufuhr mit der Nahrung ist durch das verbreitete Vorkommen dieses Mineralstoffes kaum möglich.

Starke Kaliumverluste können jedoch bei Erbrechen, der häufigen Einnahme von Laxanzien und Diuretika oder chronischen Durchfällen auftreten. Dabei wird Kalium aus dem Körper geschwemmt mit gravierenden Folgen für das Nerven- und Muskelsystem in Form von Muskelschwäche, Lähmungen und Herzrhythmusstörungen.

Eine langanhaltende Unterernährung oder das sogenannte Conn-Syndrom als spezielle Stoffwechselerkrankung (siehe »Risikogruppen«) können ebenfalls zu einem Mangel an Kalium führen.

Wer gehört zu einer Risikogruppe?

Da Personen mit Ess-Störungen häufig erbrechen und Laxanzien missbrauchen, leiden sie besonders oft an einem Kalium-Mangel. Auch Leistungssportler können durch starkes Schwitzen an Kalium unterversorgt sein.

Im Sonderfall des nach dem amerikanischen Endokrinologen Jerome W. Conn benannten Conn-Syndroms produziert die Nebennierenrinde dauerhaft vermehrt Aldosteron. Dadurch wird über den Urin weniger Natrium und vermehrt Kalium ausgeschieden. In Folge der Hypokaliämie kommt es dann zu einer dauerhaften Erhöhung des Blutdrucks.

Für etwa 13 Prozent aller Hypertonie-Erkrankungen verantwortlich ist das Conn-Syndrom die häufigste Ursache der sekundären Hypertonie. Die Symptome beim Conn-Syndrom sind Muskelschwäche, Lähmungen, Herzrhythmusstörungen, Verstopfung, Polydipsie (starkes Durstgefühl) und Polyurie (häufiges Wasserlassen).

Aber nicht nur ein Kalium-Mangel hat Folgen: Auch ein Überschuss beeinträchtigt den Organismus. Ursächlich dafür sind akute oder chronische Nierenerkrankungen sowie endokrine Störungen. Der Organismus reagiert mit Darmverschluss, Muskelschwäche und Lähmungen, Lungenversagen und Herzrhythmusstörungen.

 

Wie kommt es in den Körper?

Kalium kommt in fast allen Lebensmitteln in unterschiedlichen Mengen vor. Ob frisch oder tiefgefroren: Reich an Kalium und zugleich arm an Natrium sind Obst und Gemüse wie Bananen, Aprikosen und Melonen, Kohlrabi, Möhren, Tomaten, Spinat, Mangold, Feldsalat und Kartoffeln. Besonders kaliumreich sind »konzentrierte« Lebensmittel wie Tomatenmark und Trockenobst. Auch Nüsse wie Haselnüsse, Cashewkerne, Erdnüsse und Mandeln sowie Bitterschokolade enthalten höhere Mengen an Kalium. Einige Mehlsorten sind ebenfalls reich an Kalium. Dazu gehören Dinkel-, Roggen- und Buchweizenmehl.

Banane 382 mg K/100 g
Banane getrocknet 1477 mg K/100 g
Aprikose 280 mg K/100 g
Aprikose getrocknet 1370 mg K/100 g
Tomaten 242 mg K/100 g
Tomatenmark 1160 mg K/100 g
Spinat 554 mg K/100 g
Feldsalat 420 mg K/100 g
Kohlrabi 322 mg K/100 g
Kartoffeln 411mg K/100 g
Pommes frites 926 mg K/100 g
Cashewkerne 552 mg K/100 g
Haselnüsse 630 mg K/100 g
Dinkelmehl 349 mg K/100 g
Quelle: Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle, Ausgabe 2020/2021

Achtung, Wechselwirkung!

Eine Hyperkaliämie, also ein Überschuss an Kalium im Organismus, kann durch kaliumsparende Diuretika, ACE-Inhibitoren, Antikoagulanzien und NSAR, also nicht steroidale Antirheumatika ausgelöst werden. Auch Digitalis, Betablocker und Angiotensin-Rezeptor-Blocker können zu einer Hyperkaliämie führen.

Einige Medikamente können aber auch das Gegenteil bewirken: eine Hypokaliämie. Dazu zählen ß-andrenerge Agonisten(Ephedrin), Bronchodilatatoren, Tokolytika (Wehenhemmer), Diuretika, Mineralkortikoide, hoch dosierte Steroide sowie hoch dosierte Antibiotika (Penicillin, Naftillin, Carbenicillin) und Phosphatbinder.

Falsch dosiert, was nun?

Da der Mineralstoff Kalium gravierende Einflüsse auf die Herzfunktion hat, sollten kaliumhaltige Monopräparate, die zu einer Hyperkaliämie führen können, nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden.

Gut zu wissen …

Ein echter Kaliumräuber mit massiven Folgen für den Organismus bei übermäßiger Zufuhr ist das beliebte Lakritz. Ein exzessiver Lakritzkonsum kann zu einer Hypokaliämie mit Bluthochdruck, Zittern und Herzrythmusstörungen bis hin zu Muskellähmungen führen. Auslöser ist der Inhaltsstoff Glycyrrhizinsäure, der die Kaliumausscheidung steigert. Als Soforthilfe bei einer »Lakritzvergiftung« dient als hausärztliche Empfehlung die Einnahme des Mineralstoffs Magnesium.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, unter 100 Milligramm Glycyrrhizin pro Tag aufzunehmen und vorsorglich auf den ständigen Verzehr größerer Lakritzmengen zu verzichten. Von dieser Empfehlung sind besonders Risikogruppen wie Hypertoniker, Diabetiker und Schwangere betroffen. Ein gelegentlicher Lakritzverzehr in üblichen Mengen hingegen ist unbedenklich und bis zu 50 Gramm Lakritz am Tag sind erlaubt.

Normalerweise liegt der Glycrrhizingehalt in Lakritzsüßigkeiten unter 200 Milligramm je100 Gramm. Ist dieser Gehalt höher, muss das Produkt als sogenanntes »Starklakritz« deklariert werden. Über 400 Milligramm Glycrrhinzin je 100 Gramm machen sogar den Aufdruck erforderlich »Enthält Lakritz – bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden«.

Eine Hypokaliämie kann auch bei exzessiv Coffeinkonsum in Form von Kaffee oder Colagetränken entstehen.

Hypertonikern, die sensitiv auf Kochsalz reagieren, können Kochsalzersatzmittel verwenden. Bei diesen Salzen ist das Natrium durch andere Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium oder Calcium ersetzt worden. Bei Nierenerkrankungen sollten allerdings keine Diätsalze auf Kaliumbasis verwendet werden.

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