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Neurologie

Kein Zusammenhang zwischen Migräne und Demenz

Obwohl Migräne-Erkrankungen mit einem leicht gesteigerten Schlaganfallrisiko einhergehen und zu Veränderungen im Hirngewebe führen können, besteht kein Zusammenhang zwischen Migräne und der Entstehung von Demenzen. Das haben nun Forscher im Rahmen einer großen US-amerikanischen Studie gezeigt.
Christiane Berg
25.05.2020
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Die Ursachen und Entstehungsmechanismen von Migräne sind bis heute nicht vollständig geklärt. Da an der Migränesymptomatik jedoch Hirngefäße beteiligt sind, werden Zusammenhänge zwischen der Erkrankung und dem Auftreten von Schlaganfällen oder dem Verlust kognitiver Fähigkeiten seit längerem untersucht.

Wie die Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) schreibt, hat sich hier gezeigt, dass Migräneerkrankungen – insbesondere mit Aura, also Sehstörungen wie Flimmern und Lichtblitzen beziehungsweise neurologischen Symptomen – mit einer leicht erhöhten Schlaganfallgefahr einhergehen: bei Frauen mit Migräne-Aura 2,1-fach, bei Männern 1,4-fach. Auch seien bei Migränepatienten Veränderungen der weißen Hirnsubstanz, des Gehirnvolumens sowie schlaganfallähnliche Läsionen im Hirn nachgewiesen (»stumme Infarkte«) worden.

Die darauf basierende Frage, ob eine Migräne auch ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenzerkrankung darstellt – Veränderungen im Hirngewebe sind mit einem gesteigerten Risiko kognitiver Störungen assoziiert – konnten die Forscher jedoch mit Nein beantworten. Das Ergebnis der ersten prospektiven Kohortenstudie dazu wurde in der Fachzeitschrift »Headache« veröffentlicht. Analysiert wurden knapp 12.500 Teilnehmer – darunter 1.397 Migränepatienten im Alter zwischen 51 bis 70 Jahren.

Im Gesamtergebnis wurde bei den Teilnehmern ohne Migräne eine Demenz-Prävalenz von 18,5, bei denen mit Migräne eine Demenz-Krankheitshäufigkeit von 16,7 Prozent festgestellt. Bei schweren Nicht-Migräne-Kopfschmerzen in der Anamnese ist eine Prävalenz von 15,8 Prozent registriert worden. Insgesamt, so die Autoren, gab es somit statistisch keine Assoziation zwischen Migräne und Demenz.

»Trotz der Tatsache, dass Migränepatienten in seltenen Fällen Veränderungen im Hirngewebe aufweisen, haben die Betroffenen kein höheres Risiko, eine Demenz zu entwickeln«, erklärt Professor Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), in einer Pressemitteilung.

Derzeit gäbe es keine Hinweise, dass bei Migräne-Erkrankungen auftretende vaskuläre und neuronale Veränderungen mit Blick auf die Entstehung von Demenzen von klinischer Relevanz sind oder einen Krankheitswert besitzen. Allerdings, so Diener, sollten Betroffene und hier vor allem Frauen, die an Migräneattacken mit Aura leiden, hinsichtlich ihres Schlaganfallrisikos überwacht werden. Sie sollten zudem Gefäßrisiken wie übermäßigen Nikotinkonsum oder Hormonbehandlungen meiden.

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