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Psychische Gesundheit

Keine Depressionen durch Betablocker

Führt die Einnahme eines Betablockers zu Depressionen? Eine Metaanalyse kommt zu dem Schluss, dass dem nicht so ist. Allerdings ist unter Betablocker-Therapie etwas anderes häufiger beobachtet worden.
Sven Siebenand
19.03.2021  13:00 Uhr

Ein Zusammenhang von Betablockern und einem erhöhten Risiko für Depressionen ist wiederholt hergestellt, aber bisher nicht systematisch untersucht worden. Das sollte sich ändern. Im Fachblatt »Hypertension« hat ein Autorenteam um Thomas G. Riemer von der Charité in Berlin die Ergebnisse einer Metaanalyse publiziert. Einbezogen haben die Wissenschaftler Daten von mehr als 53.000 Personen aus 285 Einzelstudien zu 24 verschiedenen Betablockern. Ausschließlich doppelblinde, randomisierte und kontrollierte Studien wurden dabei berücksichtigt.

Das Ergebnis der Forscher fällt eindeutig aus: »Wir haben keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Betablockern und Depressionen gefunden. Gleiches gilt für die meisten anderen psychischen Symptome, die in den Studien beschrieben wurden, auf die sich unsere Analysen stützen«, sagt Seniorautor Professor Dr. Reinhold Kreutz, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité, in einer Pressemitteilung. Auch setzten Patienten, die mit Betablockern behandelt wurden, ihre Medikamente nicht häufiger aufgrund von Depressionen ab als bei anderen Behandlungen. Erschöpfung und Müdigkeit waren hingegen der häufigste Grund für das Absetzen. Von den anderen untersuchten Nebenwirkungen, zum Beispiel Angst sowie Störungen von Appetit, Gedächtnis oder Libido, standen lediglich Schlafstörungen und ungewöhnliche Träume im Zusammenhang mit den Blutdrucksenkern.

»Unsere Ergebnisse zeigen, dass Bedenken hinsichtlich unerwünschter psychischer Auswirkungen, insbesondere Depressionen, die Entscheidung über Betablocker nicht beeinflussen sollten. Betablocker sind in Bezug auf die psychische Gesundheit größtenteils sicher«, fasst Kreutz zusammen. Ihre Verwendung in der klinischen Praxis sollte demnach nicht beeinträchtigt werden.

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