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Angst vor Nebenwirkungen 

Kinderwunsch bei chronischen Darmerkrankungen

Während einer Schwangerschaft setzen viele Patientinnen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) ihre notwendigen Medikamente ab, da sie Nebenwirkungen, welche diese auf das ungeborenen Kind haben könnten, fürchten. Das Problem: Die Adhärenz der Therapie ist jedoch essenziell für einen günstigen Schwangerschaftsverlauf. Was können PTA und Apotheker raten? 
PZ
Kerstin A. Gräfe
02.03.2021  12:45 Uhr

Nahezu alle verfügbaren Wirkstoffe zur Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa haben keine Zulassung für die Behandlung während einer Schwangerschaft. Dennoch werde für die meisten etablierten Medikamente kein erhöhtes Risiko für das ungeborene Kind angenommen, schreiben Professor Dr. Axel Dignass und Doktorandin Sibylle Honus vom Agaplesion Markus Krankenhaus Frankfurt am Main in ihrem Beitrag »CED und Schwangerschaft« in der aktuellen Ausgabe der DPhG-Mitgliederzeitschrift »Pharmakon«. Ausnahmen sind Methotrexat und Thalidomid, die beide in der Schwangerschaft streng kontraindiziert sind. Die Autoren zeigen in dem Artikel die Datenlage zu gängigen Wirkstoffen in der CED-Behandlung auf.

Der Einsatz von Aminosalicylaten wie Sulfasalazin und Mesalazin werde in der Schwangerschaft als sicher angesehen. In einer Metaanalyse konnte keine signifikant erhöhte Rate an kongenitalen Fehlbildungen, Totgeburten, Spontanaborten, Frühgeburten oder niedrigem Geburtsgewicht gefunden werden. Da Sulfasalazin als Folsäureantagonist wirke, werde jedoch eine ausreichende Substitution empfohlen (2 mg Folsäure täglich). Zudem stehe mit Mesalazin eine sichere Alternative zur Verfügung, die bevorzugt werden sollte.

Langjährige Erfahrung bestehe auch für den Einsatz von Glucocorticoiden, die bei einem akuten Schub in der Schwangerschaft als Mittel der Wahl gelten. Ein geringfügig erhöhtes Risiko für eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte nach Steroidexposition im ersten Trimester könne bis dato nicht ausgeschlossen werden. Die Autoren erachten jedoch das Risiko eines nicht behandelten Schubes als größer. Eine weitere potenzielle Nebenwirkung ist eine Nebennierenrindensuppression oder -insuffizienz beim Neugeborenen. Dies ist den Autoren zufolge eine seltene Komplikation, die vor allem bei hoch dosierter Therapie im letzten Trimester auftreten kann. Vor der Entbindung sollten der Gynäkologe und Kinderarzt dahingehend informiert werden.

Der Einsatz von Thiopurinen in der Schwangerschaft gelte heutzutage als sicher. Aufgrund der geringen Erfahrung sollte jedoch der aktive Metabolit von Azathioprin, 6-Thioguanin-Nukleotid, nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Daten zum Einsatz der Calcineurin-Inhibitoren Tacrolimus und Ciclosporin stammten fast ausschließlich aus der Transplantationsmedizin. Die Autoren empfehlen den Einsatz nur im Fall eines steroidrefraktären Schubes in ausgewählten Zentren.

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